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Christoph Daum Charismatiker im kleinen Teich

15.02.2012 ·  Früher hätte sich Christoph Daum mit Verhältnissen wie in Brügge nicht abgefunden. Heute weiß er, was beim Gegner von Hannover möglich ist - und was nicht.

Von Peter Heß
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© dpa In Transfers kaum eingebunden - trotzdem zufrieden in Brügge: Christoph Daum

Christoph Daum scheint den Rückschlag verdaut zu haben. Die misslungene Rettungsaktion bei der Frankfurter Eintracht in der vergangenen Saison passte so gar nicht in sein Selbstverständnis. Sieben Spiele ohne Sieg, Abstieg - das ist schwer zu verdauen für einen Trainer, der viele Fußball-Meisterschaften feierte und sich als absoluten Siegertypen sieht. Seine neue Aufgabe, den FC Brügge wieder an die absolute belgische und die erweiterte europäische Spitze heranzuführen, erfüllt er mittlerweile wieder mit demselben Temperament, das ihn früher auszeichnete.

Seine Kommandos im Training kommen so laut und bellend wie früher, seine Sprüche sind genauso prägnant: „Spieltag ist Siegtag", sagt er. Das stimmt zwar nicht so ganz, aber vor dem Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League bei Hannover 96 blickt Daum auf eine positive Bilanz seiner Arbeit zurück, die Mitte November begonnen hat. Mit dem 3:1 über Gent am vergangenen Sonntag hat er den FC Brügge von Rang vier auf den zweiten Platz der belgischen Meisterschaft zurückgeführt, neun Siege in zwölf Spielen gefeiert. Und in der Europa League gelang ihm mit seinem neuen Team ein kleines Wunder: Bis zur 74. Minute lagen die Belgier in Maribor 0:3 zurück und gewannen noch 4:3, was den Einzug in die K.-o.-Runde sicherte. Ein Ereignis, das Daum sehr gut getan hat, seitdem glaubt es sich wieder leichter an den charismatischen Trainer.

Früher hätte sich der 58 Jahre alte Rheinländer, der mit dem 1. FC Köln, VfB Stuttgart und Fenerbahce Istanbul große Erfolge feierte, mit Verhältnissen wie in Brügge nicht abgefunden. Dort wurde ihm ein Assistent zugewiesen, seine 30 Jahre lange Zusammenarbeit mit Roland Koch war mit dem Frankfurter Abstieg beendet. Insgesamt umfasst der Stab neun Übungsleiter, ohne dass der Deutsche Einfluss auf die Zusammensetzung hatte.

Dazu ist er in die Transfers kaum eingebunden. In einem Fall wurde er von einem unbekannten Mann auf dem Trainingsgelände überrascht. Der Dialog wurde im Magazin „Kicker" so wiedergegeben: „Wer bist du denn?" "Ich bin der neue Stürmer." Auch beim Verkauf seines besten Angreifers Dirar Nabil nach Monaco in der Winterpause wurde Daum nicht gefragt. Die 7,5 Millionen Euro Ablösesumme waren ein Argument, das mit ihm gar nicht erst diskutiert wurde.

Nachvollziehbar, der FC Brügge hat einen kleinen Etat, zu dem zum Beispiel die Fernseheinnahmen nur zwei Millionen Euro beitragen. Daum ist in einem kleinen Teich gelandet. Er weiß das. Vor dem Treffen mit der Bundesliga stapelt er tief: „Hannover ist der klare Favorit. Die Mannschaft spielt permanent auf hohem Niveau und ist schon lange zusammen. Diese Erfahrung kann man nicht antrainieren. Aber eine Garantie kann ich geben: Wir wollen über uns hinauswachsen, über unsere Grenzen gehen."

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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