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Champions League in Dortmund : Die Tormaschine von Real Madrid stottert

  • -Aktualisiert am

Erst war Ronaldo gesperrt, jetzt trifft er das Tor nicht für Real Madrid. Bild: dpa

In der Defensive hatte Real Madrid schon immer seine Probleme. Nun hakt es auch vorne. Selbst Cristiano Ronaldo trifft nicht. Die Fans haben den Schuldigen für die Misere längst ausgemacht.

          Auch Fußballfans schätzen manche ihrer Lieblinge erst so richtig, wenn sie weg sind. Der wehmütige Blick zurück auf gemeinsame Zeiten ist jedoch selten einer Einsicht geschuldet, dass man den ehemaligen Helden schlecht behandelt hätte. Wenn die große Trauer einsetzt, gilt sie vielmehr einer Lücke, die sich aufgetan hat. Denn zum intensiven Blick auf die Erfolge fremder Mannschaften kommt es meist erst dann, wenn es in den eigenen Reihen schlecht läuft.

          Die „merengues“, die Fans von Real Madrid, schauen zum Beispiel derzeit sehnsüchtig nach London, während das eigene Team so schlecht in die neue Saison gestartet ist wie selten. Sieben Punkte Rückstand auf den FC Barcelona sind die Folge. Beim FC Chelsea hingegen läuft es richtig rund. Sechs Treffer hat dort Reals ehemaliger Stürmer Álvaro Morata, der keine Lust mehr auf die Rolle des Jokers in Madrid hatte, schon erzielt. Beim 4:0-Sieg bei Stoke City am Wochenende gelangen dem Spanier gleich drei Tore. Die Tageszeitung „El País“ konnte sich daraufhin den Vergleich zu Reals Mittelstürmer Karim Benzema nicht verkneifen: Morata habe in den letzten sechs Spielen so oft getroffen wie Benzema in den letzten 20, lautete der bissige Kommentar.

          Damit legt die Zeitung aber den Finger in die Wunde bei Real. Nicht nur Benzema, der bei drei Einsätzen bislang noch gar nicht traf – die ganze Mannschaft hat Ladehemmung. Erst elf Tore hat sie in den ersten sechs Saisonspielen erzielt, Ligarivale FC Barcelona dagegen schon 20 – und das, obwohl auch die Katalanen mit Neymar einen treffsicheren Spieler abgeben mussten. Die Situation ist nicht neu. Stammstürmer Benzema hat immer mal wieder ein längeres Tief durchlitten, und auch Ronaldo trifft überraschenderweise nicht wie am Fließband.

          Doch in der vergangenen Saison hatte Trainer Zinédine Zidane mit Morata dann noch ein Ass im Ärmel. Nur wollte der Spanier nicht länger auf der Bank auf Einsatzzeiten warten, während sein Trainer Benzema stets eine Stammplatzgarantie gab. So verkaufte Klubpräsident Florentino Pérez Morata für 80 Millionen Euro an Chelsea. Es war der teuerste Transfer eines spanischen Fußballprofis in der bisherigen Geschichte – und im Vergleich zu dem später getätigten Transfer von Neymar dann aber doch schon fast eine bescheidene Summe.

          Während die Real-Stürmer aber noch das Tor suchen, kann die Mannschaft ihre gewohnten Nachlässigkeiten in der Defensive nicht abstellen, und das fällt wegen der Flaute in der Offensive derzeit mehr ins Gewicht. Im vergangenen Heimspiel gegen Betis Sevilla hatte Barragán so viel Raum und Zeit für eine gefühlvolle Flanke auf den Kopf von Sanabria, derweil standen Reals Innenverteidiger Sergio Ramos und Raphael Varane meterweit entfernt. Damit war die Heimniederlage im Bernabéu-Stadion nicht mehr zu vermeiden. Ein ähnlicher Schlendrian war schon in den vergangenen Spielzeiten zu beobachten gewesen. Aber er hatte nicht so deutliche Folgen wie in dieser Saison. Immerhin gewann Real schließlich die spanische Meisterschaft und die Champions League. Der Sturm war eben außerordentlich erfolgreich.

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          Für die Fans war nicht nur der Verkauf von Morata ein Fehler. Klubpräsident Florentino Pérez, der auf einen Sportmanager verzichtet und Personalentscheidungen stets selbst trifft, wollte in dieser Saison auf Kontinuität statt auf Verstärkungen setzen. Theo Hernández kam für 30 Millionen Euro von Atlético Madrid, soll mit seinen 20 Jahren aber eher als Nachfolger von Linksverteidiger Marcelo an die Mannschaft herangeführt werden. Auch Dani Ceballos ist mehr ein Versprechen für die Zukunft. Er wurde von Betis Sevilla verpflichtet, nachdem er bei der U-21-Weltmeisterschaft in Georgien zum besten Spieler des Turnier gekürt worden war.

          Ceballos erzielte am beim knappen 2:1-Sieg beim Tabellenletzten Deportivo Alavés immerhin beide Treffer. Cristiano Ronaldo dagegen war einmal mehr überaus frustriert über sein fehlendes Glück im Abschluss. Gegen Sevilla und Alavés kam der Portugiese gleich auf 20 Torschüsse – und wartet weiter auf sein erstes Saisontor in der spanischen Liga. Dafür war Deportivo ausgerechnet gegen Real zum ersten Mal erfolgreich und hatte zahlreiche Chancen zu weiteren Treffern.

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          So könnte sich Real diesmal eher in einer Übergangssaison befinden, als vor dem dritten Gewinn der Champions League nacheinander zu stehen. Zidane ruft zur Geduld auf, macht sich auch wegen Ronaldo noch keine Sorgen: „Die Saison ist noch lang. Am Ende wird er wieder den Unterschied ausmachen, wie immer.“ Im Augenblick zählten nur die Punkte, sagte der Franzose nach dem knappen Sieg im Baskenland. Innenverteidiger Nacho urteilte recht treffend, dem Team fehle es am Druck und der Überzeugung, die es in der letzten Saison ausgezeichnet habe.

          Zidane aber bleibt sich treu und kündigte an, mit seinen bisherigen Rotationen bei den Aufstellungen weiterzumachen. Gegen Borussia Dortmund in der Champions League an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) bleibt ihm kaum etwas anderes übrig. Zwar werden wohl Bale und Modric wieder auflaufen können, und auch Toni Kroos ist nach einer Fußverletzung wieder im Team. Aber Außenverteidiger Marcelo und sein vermeintlicher Ersatz Theo Hernández fallen weiter aus, ebenso wie Benzema und Kovacic. Morata hingegen wird am Mittwoch mal wieder in Madrid spielen. Beim Spiel der Gruppe C von Chelsea gegen Atlético.

          Quelle: F.A.Z.

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