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1:2 gegen Besiktas : Leipzig steigt in die Europa League ab

Das war’s: RB Leipzig verabschiedet sich aus der Champions League Bild: SINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Aus der Traum von der Königsklasse: Leipzig verliert gegen Besiktas Istanbul die letzte Vorrundenpartie. Aber die nötige Schützenhilfe aus Monaco wäre ohnehin ausgeblieben.

          RB Leipzig ist im ersten Jahr in der Champions League an seine Grenzen gestoßen. Der internationale Neuling schied am Mittwochabend nach einer 1:2-Niederlage gegen Besiktas Istanbul in der Vorrunde aus der Königsklasse aus. Am letzten Spieltag betrieben die Leipziger zwar wieder großen Aufwand, aber am Ende stand die dritte Niederlage im sechsten Spiel. Die Mannschaft von Trainer Ralph Hasenhüttl erarbeitete sich über ein Dutzend Torgelegenheiten, aber klare Chancen waren kaum darunter.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der ungeschlagene Gruppensieger Besiktas Istanbul traf zunächst durch einen Foulelfmeter von Alvaro Negredo in der zehnten Minute. In der Schlussphase sah Stefan Ilsanker die Gelb-Rote Karte (82.). Es sprach für Leipzig, dass die Mannschaft in Unterzahl durch Naby Keita immerhin noch der Ausgleich glückte (86.). Aber Istanbul schlug durch Talisca (90.) umgehend zurück. Zwei Siege, ein Unentschieden und drei Niederlagen waren am Ende allerdings weniger, als sich der ambitionierte und engagierte Newcomer erhofft hatte. Man kann diese Ergebnisse aber auch so bilanzieren: als Leipziger Lehrgeld.

          Champions League

          „Von der ersten Minute an Vollgas.“ Trainer Ralph Hasenhüttl hatte gegen die schon vorab als Gruppensieger qualifizierten Istanbuler eine ziemlich eindeutige Forderung an seine Spieler gestellt. Mit einer schnellen Führung, so die Erwartung des Trainers, werde die richtige Europapokal-Stimmung im Leipziger Stadion aufkommen. Und ein frühes Tor seines Teams, so die unausgesprochene Hoffnung, könnte vielleicht auch den punktgleichen FC Porto im Fernduell gegen Monaco nervös machen. Und sein Team damit doch noch auf den letzten Drücker ins Achtelfinale einziehen.

          Kein Powerfußball zu sehen

          Ein hübscher Plan. Aber es kam ganz anders. Vom Leipziger Powerfußball war vier Tage nach der 0:4-Niederlage in Hoffenheim in den ersten zehn Minuten nicht viel zu sehen. Und als Besiktas, das die Leipziger bis dahin nicht zur Entfaltung hatte kommen lassen, seinen ersten Angriff startete, war Kapitän Willi Orban im Zweikampf gegen Jeremain Lens im eigenen Strafraum viel zu ungestüm. Schiedsrichter Viktor Kassai entschied auf Elfmeter, den Alvaro Negredo zur 1:0-Führung nutzte. Und zeitgleich ging Porto im Fernduell ebenfalls in Führung. Die Hoffnung von RB, die K.o.-Runde am letzten Spieltag doch noch zu erreichen, schien so schon nach zehn Minuten dahin.

          Istanbul gewinnt: Besiktas bejubelt den Siegtreffer durch Talisca Bilderstrecke
          Istanbul gewinnt: Besiktas bejubelt den Siegtreffer durch Talisca :

          Ein leidenschaftliches Spiel entwickelte sich trotzdem. Nach dem doppelten Rückschlag kam Leipzig besser in sein gewohntes, aggressives Spiel und drängte Besiktas immer wieder zurück. Orban hatte dann bei der ersten herausgespielten Leipziger Chance Pech, dass er nur den Pfosten traf (15.). RB ließ sich nicht entmutigen – und jubelte nach 21 Minuten über einen Treffer von Timo Werner, der den Ball über Torwart Tolga Zengin ins Netz gelupft hatte. Aber nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten im Schiedsrichter-Team entschied Kassai dann, obwohl die Fahne des Linienrichters zunächst unten geblieben war, ganz zu Recht auf Abseits. Als dann nur eine Minute später Jean-Kevin Augustin nach einem zarten Rempler im Strafraum zu Fall kam, und der Schiedsrichter wieder die richtige Entscheidung traf, und nicht auf Elfmeter entschied, kochten die Emotionen im Stadion hoch.

          Spätestens zur Halbzeit wussten die Leipziger dann ganz sicher, dass dies nicht mehr ihr großer Abend werden würde. Besiktas verteidigte nach der kurzen, heftigen Leipziger Drangphase seine Führung danach wieder, ohne in größere Schwierigkeiten zu geraten, obwohl RB unverdrossen und mit viel Aufwand seine Chancen erzwingen wollte. Tatsächlich aber war das Team von Trainer Senol Genüs bei zwei Kontern bis zur Pause sogar gefährlicher. Auch wenn sich Leipzig in der Pause Hoffnung machte, sein eigenes Spiel noch wenden zu können – das große Ziel ging dahin. Aus Porto kam nach 45 Minuten die Nachricht von der 3:0-Führung des Konkurrenten um Platz drei in Leipzig an. Damit waren die Verhältnisse vorzeitig geklärt. Am Ende siegte Porto 5:2.

          Der Wille der Leipziger aber war ungebrochen. Von Beginn an drängte der Neuling auf den Ausgleich. In den ersten drei Minute hatten Augustin, Werner und Keita drei Chancen zum Ausgleich, aber entweder verfehlten sie knapp ihr Ziel oder Torwart Zengin war zur Stelle. Kampl und wiederum Keita erging es nach knapp einer Stunde nicht anders. Als Augustin dann den Ball doch für Leipzig ins Netz beförderte, stand er allerdings im Abseits (64.). Am Ende des vorerst letzten Champions-League-Abends, an dem für RB Leipzig nichts zu gewinnen war, verteilte dann wenigstens Trainer Hasenhüttl noch zwei Geschenke. Er wechselte den 32 Jahre alten Marvin Compper sowie den früheren Kapitän Dominik Kaiser noch einmal in der Königsklasse ein, der mit Leipzig schon in der Regionalliga gespielt hatte. Eine Geste, die auch an das atemraubende Tempo erinnerte, mit dem RB Leipzig bisher seinen Weg gegangen ist.

          Aber auch sportlich hatte die Partie zum Schluss dann noch etwas zu bieten. Nach der Gelb-Roten Karte für Ilsanker traf der unermüdliche Keita zum umjubelten Ausgleich. Aber es war typisch für die Leipziger Premiere in der Champions League, dass sie auch diesen Erfolg wieder aus der Hand gaben. Talisca sicherte mit seinem Tor zum 2: 1 für Besiktas den Sieg der weitaus effektiveren Istanbuler.

          Quelle: FAZ.NET

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