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Champions League : Erdogan vermiest Leipzig die Europa-Vorfreude

In Istanbul wird Sicherheit vor dem Leipziger Spiel bei Besiktas großgeschrieben. Bild: dpa

Erstmals seit knapp dreißig Jahren bestreitet ein Leipziger Klub wieder ein Auswärtsspiel in Europa. Doch Begeisterung herrscht nicht unter den Fans. Nur rund 250 reisen mit.

          Das erste Leipziger Fußballspiel in Europa nach knapp dreißig Jahren steht im Zeichen politisch schwieriger Zeiten. Wenn RB Leipzig an diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) zum zweiten Gruppenspiel bei Besiktas Istanbul antritt, werden den Klub nur rund 250 Fans begleiten. Dabei ist der erste Auftritt einer Leipziger Mannschaft jenseits der Grenze nach dem Fall der Mauer ein Ereignis, das die Fußballfans in der sächsischen Stadt seit Jahren und Jahrzehnten herbeisehnten. Normalerweise wären zu diesem Anlass, wie es in Leipzig heißt, deutlich mehr Anhänger mitgereist.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          2000 Karten standen dem Klub zur Verfügung. Aber die innenpolitischen Konflikte und angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, zu der maßgeblich die zahlreichen willkürlichen Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei beigetragen haben, wirken sich auch auf dieses Spiel aus. Aus Leipziger Fankreisen heißt es, dass viele Anhänger wegen der unklaren politischen Lage auf die Reise verzichtet hätte. Für die kommenden Auswärtsspiel in Porto und Monaco wird mit einer deutlichen größeren Besucherzahl gerechnet.

          „Wir sind natürlich mit den Behörden in einem sehr engen Austausch“, sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff vor der Abreise. Der Klub stehe mit dem deutschen Generalkonsulat in täglichem Kontakt. Alle Maßnahmen zur Sicherheit der Fans, die der Klub habe einleiten können, seien ergriffen worden. Man fahre daher mit einem „guten und sicheren Gefühl“ nach Istanbul. Gleichwohl weist RB Leipzig auf seiner Homepage die Anhänger „ausdrücklich“ darauf hin, „dass sich Mitreisende in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen können“.

          Der Klub liefert dazu entsprechende Verhaltenshinweise. Die Fans sollten sich wegen der „angespannten innenpolitischen Lage“ umsichtig verhalten, sich von möglichen Demonstrationen und Großveranstaltungen fernhalten sowie den Anordnungen der örtlichen Sicherheitskräfte Folge leisten. Allen Anhängern wird empfohlen, von dem gemeinsamen Leipziger Fan-Treffpunkt am Gezi-Park ins Stadion zu gehen. Sie würden von der Polizei auf dem Fußmarsch begleitet. In der Türkei gilt seit über einem Jahr der Ausnahmezustand. Verhaftungen sind deswegen ohne Angabe von Gründen möglich, ebenso polizeiliches Vorgehen gegen Ansammlungen.

          Beim darauffolgenden Heimspiel von Besiktas in der Champions League, am 1. November gegen den AS Monaco, wird der Gästeblock vermutlich völlig leer bleiben. Der französische Meister hat angekündigt, keine Tickets für diese Begegnung anzubieten und auch keine Fanreise zu organisieren. Aber aus einem anderen Grund: Die Entscheidung basiert auf einer Empfehlung der französischen Behörden zur Bekämpfung des Hooliganismus (DNLH), die vom Besuch dieser Partie abrät. Hintergrund dafür sind schwere Ausschreitungen in diesem Frühjahr bei einem Europapokalspiel von Besiktas bei Olympique Lyon. Beide Vereine wurden dafür neben einer Geldstrafe über 100.000 Euro mit einer Sperre für den Europapokal für ein Jahr belegt, die aber für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

          Quelle: F.A.Z.

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