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Bayern-Gegner PSG : Pariser Sehnsucht nach Ibrahimovic

  • -Aktualisiert am

Zwei, die sich nicht immer einig sind: Edinson Cavani (links) und Neymar. Bild: AFP

Das Duell in der Champions League mit den Bayern ist der Härtetest für das teure Team von Paris Saint-Germain. Zuvor gab es allerdings ein Problem. Es ging zu wie im Kindergarten bei PSG.

          Gemessen an den Schwierigkeiten des FC Bayern, sind die Probleme von Paris Saint-Germain eigentlich Lappalien. Aber Paris wäre nicht Paris, wüsste die französische Sportpresse nicht auch vermeintliche Belanglosigkeiten zu mittleren Dramen aufzubauschen. Und so erscheint die Gemengelage beim Münchner Gegner vor dem zweiten Gruppenspiel der Champions League an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live bei ZDF, Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) in der medialen Rückschau deutlich brisanter, als sie es tatsächlich ist. Während die Bayern System- und Personalkonflikte umtreiben, ist die offenbar schwerwiegendste Frage, welche PSG beschäftigt, die nach dem offiziellen Elfmeterschützen.

          Eine Auseinandersetzung zwischen Neuzugang Neymar und Sturmpartner Edinson Cavani – vom Boulevard nur „Le Clash“ genannt – hat die Idylle an der Seine etwas getrübt. Cavani hatte die Ausführung eines Elfmeters gegen Lyon als Dienstältester für sich reklamiert. Da sich Neymar aber ungern unterordnet, stänkerte der Brasilianer erst auf dem Platz, dann in der Kabine und löschte als finalen Ausdruck seines Unwillens Cavani als „Freund“ bei Facebook und Twitter. Es ging zu wie im Kindergarten.

          Champions League

          Weil sich die leicht erhitzbaren südamerikanischen Gemüter anderntags bei einem von Mitspieler Dani Alves organisierten Versöhnungsessen in einer noblen Brasserie rasch wieder abkühlten und Neymar auf Druck des Vereins gar eine offizielle Entschuldigung folgen ließ, hätte eigentlich alles wieder gut sein können. Wäre nicht Thiago Silva seinem Landsmann im Abschlusstraining vor dem Wochenende auf den rechten großen Zeh getreten. Das Genie schonte sich daraufhin – und der erste Dämpfer der Saison folgte.

          Gegen Montpellier hat Paris am Samstag nach einem perfekten Start, mit einer fast angsteinflößenden Tor- und Siegbilanz, erstmals nicht gewinnen können. Zwar wäre es zu einfach, dieses Unentschieden auf das Fehlen von Neymar und den vorausgegangenen Streit zu reduzieren – aber natürlich wurde es dennoch getan. Zumal Julian Draxler, erstmals in der Startelf ungewohnt über rechts kommend, und Kylian Mbappé nicht wirklich harmonierten. Ohne den kleinen Brasilianer fehlte PSG der richtige Rhythmus. Neymar, über den seine neuen Mitspieler bereits nach den ersten Trainingseinheiten sagten, „mit ihm zu spielen ist wie Tanzen“, war nahezu an allen 21 Pariser Toren beteiligt.

          Den echten Belastungsnachweis seiner Kunst muss aber auch er noch erbringen. Zweifellos ist Neymar die maßgebende schöpferische Kraft des Pariser Spiels, ein ordnender Patron, wie Zlatan Ibrahimovic es war, ist er aber nicht. Dies hat der Zwist mit Cavani als größtes Manko der Pariser Gala-Offensive offenbart. Die Ankunft des 222-Millionen-Mannes hat die Erinnerung an Ibrahimovic nicht verblassen lassen. Ein Jahr nach seinem Abschied ist der große Schwede in Stadt, Presse und Mannschaft noch erstaunlich präsent.

          Keine Woche vergeht, ohne dass an die Ikone des Pariser Aufschwungs in irgendeiner Form erinnert werden würde. Zumal sich Kapitän Thiago Silva schon im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft als mäßiger Leader entpuppt hat. Es gefällt vielen Spielern nicht, dass Dani Alves und Neymar, dicke Freunde im echten Leben, schon in den ersten Wochen nach ihrem Wechsel den Etablierten das Ruder aus der Hand nehmen wollten. Keiner der beiden – Genie hin oder her – besitzt Persönlichkeit und Autorität eines Ibrahimovic, der sich auch Cavani stets bedingungslos gefügt hat. Der Stürmer war der unumstrittene Chef des Teams, und auch wenn der Kreativposten nun wieder besetzt ist, klafft noch immer das Machtvakuum, welches er in der Mannschaft hinterlassen hat.

          Für Paris, das im eigenen Land keine echten Gegner mehr hat, wird das Spiel gegen die Bayern auch in dieser Hinsicht der erste Gradmesser für die Titelfähigkeit sein. Die Frage, was der Pariser Premiumkader mit dem schwindelerregenden Marktwert von knapp 700 Millionen Euro wirklich wert ist, stellt man sich nicht ohne Grund in ganz Europa mit wachsender Spannung. Dass selbst der deutsche Rekordmeister den Parisern im Widerspruch zu seinem sonstigen Selbstverständnis unumwunden die Favoritenrolle zuschiebt, darf aber als eindrücklicher Anhaltspunkt gelten. Es ist eine Favoritenrolle, die sich Paris in diesem Sommer teuer genug erkauft hat.

          Champions League : Bayern vor dem Spitzenspiel in Paris

          Quelle: F.A.Z.

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