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Bayern-Trainer Heynckes : „Ich interpretiere Hoeneß’ und Rummenigges Aussagen nicht“

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Silberne und goldene Zeiten: Jupp Heynckes (Mitte) mit Karl-Heinz Rummenigge (links) und Uli Hoeneß 2013 nach dem Triple. Bild: AFP

Mit einem 5:0 im Rücken sollte bei den Bayern im Rückspiel in Istanbul nichts mehr anbrennen im Achtelfinale der Champions League. Viel spannender sind bei den Münchnern derzeit sowieso zwei andere Fragen.

          Uli Hoeneß gönnte sich ein kurzes Frühstück, Jupp Heynckes blätterte entspannt in einer Zeitschrift. Mit großer Mia-san-Mia-Gelassenheit hat der FC Bayern das Viertelfinale der Champions League dank eines 5:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel gegen Besiktas Istanbul fest eingeplant. „Da kann nichts passieren, da habe ich jetzt keine Sorgen. Wenn wir ein 5:0 nicht mehr verteidigen, dann müssen wir aufhören“, sagte ein genüsslich lächelnder Präsident Hoeneß bei der Städtereise in die Metropole am Bosporus.

          Champions League

          Die gefürchtete Hexenkessel-Atmosphäre durch die heißblütigen Fans will der deutsche Fußball-Rekordmeister auch ohne den in München gebliebenen Arjen Robben am Mittwoch (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei ZDF und Sky) im Achtelfinal-Rückspiel schnell beruhigen. „Es liegt ein bisschen an uns, dass es leise bleibt. Wenn wir gut spielen und seriös durch die Tür ins Viertelfinale gehen, dann wird es vielleicht am Anfang ein bisschen lauter werden – und dann vielleicht auch wieder ein wenig leiser“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

          Trainer Jupp Heynckes freut sich jedenfalls schon auf die Stimmung. „Die Fans werden ihre Mannschaft pushen, nach vorne peitschen. Das finde ich sehr gut, das macht letztlich den Fußball aus“, sagte der 72-Jährige am Vorabend. Seine Mannschaft werde trotz des großen Vorsprungs mit „höchster Konzentration“ in das Spiel gehen. Das 42.000 Zuschauer fassende Stadion gilt als eines der lautesten überhaupt. Leipzigs Nationalspieler Timo Werner hielt sich beim 0:2 zwischenzeitlich sogar die Ohren zu.

          Spannender als der Ausgang des Duells mit Besiktas sind derzeit sowieso zwei andere Fragen. Daher wagten die Münchner beim nur rund 40-stündigen Königsklassen-Kurztrip sogar schon einen Blick auf die Viertelfinal-Auslosung am Freitag. Wer wird der Gegner? Titelverteidiger Real Madrid, Manchester City mit Pep Guardiola, der FC Liverpool mit Jürgen Klopp oder Vorjahresfinalist Juventus Turin sind mögliche Kontrahenten für die Spiele am 3./4. und 10./11. April. „Wenn wir dabei sind, und danach sieht es ja aus, hoffe ich, dass wir ein schönes Los kriegen, das uns die Möglichkeit gibt, dann sogar ins Halbfinale einzuziehen“, sagte Rummenigge.

          Nicht nachlassen lautet die Forderung von Jupp Heynckes trotz des 5:0-Ruhepolsters. „Es ist wichtig, dass wir weiter dran bleiben, dass wir uns immer noch steigern und vor allen Dingen motiviert sind“, sagte Heynckes. Wie im Triumph-Jahr 2013 hat der 72-Jährige die Chance auf das Triple: Die Turbo-Meisterschaft ist (bald) fix, in Pokal und Königsklasse ist für sein Starensemble noch alles möglich. „Aber was sich jetzt schon alles fürs Viertelfinale qualifiziert hat und qualifizieren wird, ist in Europa topclass“, bremste Rummenigge. Heynckes kann in Istanbul mit dem elften Champions-League-Sieg am Stück vor Louis van Gaal und Carlo Ancelotti zum alleinigen Rekordhalter werden.

          „Wir wollen versuchen mitzunehmen, was mitzunehmen ist mit Jupp Heynckes, dann wird man weitersehen“, sagte Rummenigge in der Trainerfrage und verfolgt entspannt dessen Zukunftsplanung, die zweite spannende Frage dieser Tage bei den Münchnern. „Er hat ja, würde ich mal sagen, letzte Woche die Rolle rückwärts gemacht. Und jetzt warten wir mal in aller Ruhe ab.“ Zuletzt hatte Heynckes überraschend erklärt: „Ich habe bislang noch nie definitiv gesagt, dass ich am 30. Juni aufhören werde.“

          Rummenigge versicherte: „Wir haben überhaupt keinen Stress. Wir haben ein fantastisches Verhältnis und wir sind glücklich, wie wir im Moment dastehen, in der Bundesliga, in der Champions League, im DFB-Pokal.“ Überrascht war der Bayern-Vorstandschef von Heynckes' Aussage nach eigenen Angaben nicht. Heynckes mochte die neuesten Aussagen Stunden später nicht kommentieren. „Ich bin nicht dazu geneigt, immer die Aussagen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zu interpretieren“, sagte er am Dienstagabend in Istanbul. „Ich kann sagen, ich weiß, was ich will und was ich tue – und Sie müssen abwarten, bis die Entscheidung bekannt gegeben wird.“

          Die Stars, bei denen außer dem angeschlagenen Robben auch Kingsley Coman, Manuel Neuer und Corentin Tolisso fehlten, posierten locker für Selfies. Eine Vergnügungsreise ist der Trip für Kapitän Thomas Müller aber nicht. „Wir fahren nicht zum Sightseeing dort hin“, sagte der Weltmeister. Müller, der im Hinspiel ebenso wie Robert Lewandowski doppelt traf, versprach einen „tausendprozentig seriösen“ Auftritt. Für den türkischen Meister geht es darum, sich nach der Abfertigung in Unterzahl aus dem Hinspiel ordentlich aus der Königsklasse zu verabschieden. Zu 99,999 Prozent reisen die Münchner in der Nacht zum Donnerstag aber mit dem Viertelfinalticket und weiteren 6,5 Millionen Euro Uefa-Prämie im Gepäck heim.

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