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5:2 in der Champions League : Liverpool verkloppt die Roma – und lässt ihr Hoffnung

On fire! Jürgen Klopp steht mit dem FC Liverpool vor dem Finaleinzug Bild: Reuters

Was für ein Auftritt des FC Liverpool! Das Team des deutschen Trainers Jürgen Klopp gewinnt das Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Rom mit 5:2. Rom hat allerdings im Viertelfinale schon einmal einen vergleichbaren Rückstand aufgeholt.

          Jürgen Klopp hatte sich für dieses Halbfinale in der Champions-League-Partie eine Stimmung an der Anfield Road wie in der Runde zuvor im Viertelfinale gegen Manchester City gewünscht. Und er bekam gegen den AS Rom einen Abend, an dem seinem FC Liverpool angesichts eines 5:0-Vorsprungs der Finaleinzug sicher schien. Dann aber schossen die Römer zwei späte Treffer – und das 2:5 lässt sie aus guten Gründen noch auf ein Fußballwunder hoffen: Im Viertelfinale hatten sie beim FC Barcelona zunächst 1:4 verloren und das Rückspiel dann 3:0 gewonnen. „Na klar trüben die die Laune. Wenn man solche Chancen hat und den Gegner beherrscht“, sagte der deutsche Coach zu den späten Gegentoren. „Aber es war ein geiles Spiel.“

          Champions League

          Typisch war zunächst vor allem das Wetter – es hatte heftig geregnet in Liverpool. Doch anders als gedacht begann die Partie. Aus dem erwarteten Sturmlauf des FC Liverpool wurde erst einmal nichts. Im Gegenteil, der AS Rom, der mutig mit einer Dreierkette in der Abwehr antrat, bestimmte dank des Übergewichts im Mittelfeld die Partie, rannte zudem selbst früh die Liverpooler Abwehrspieler an und erschwerte den Engländern so den Spielaufbau. Vor allem die gefürchteten Angreifer Mané und Salah spielte eingangs keine Rolle, weil sie ihre Schnelligkeit nicht ausspielen konnten. Zudem musste Liverpool nach 18 Minuten einen Rückschlag verkraften – Alex Oxlade-Chamberlain verletzte sich bei seiner Abwehraktion gegen Kolarov, weil der Serbe anschließend auf das Bein des englischen Nationalspielers fiel. Klopp musste früh tauschen und den Niederländer Wijnaldum ins Spiel bringen.

          Kurz danach hätte es allerdings noch schlimmer für Liverpool kommen können, und wieder war Kolarov beteiligt. Aus dem Stand schoss er aus rund 25 Metern auf das Tor, und Loris Karius wäre der stramme Schuss beinahe über die Hände ins Tor gerutscht. Der ehemalige Mainzer Torwart hatte aber das Glück, dass ihm die Torlatte half. Der erste Angriff nach bekannten Liverpooler Muster ändert dann aber alles. Eine Balleroberung im Mittelfeld, bis dahin eher die Ausnahme, ein schnelles Umschaltspiel – und schon hatte Mané freie Bahn, zielte aber zu hoch (28. Minute).

          Diese erste Torchance der Engländer hätte den Römern ein Warnsignal sein sollen, sie wurde aber zum Weckruf für den FC Liverpool, der sich urplötzlich mit fast jedem Angriff in vielversprechende Positionen brachte, der im Mittelfeld die entscheidenden Zweikämpfe gewann und vor allem Salah und Mané nun ins Spiel bringen konnte. Beide scheiterten jeweils zunächst am brasilianischen Nationaltorhüter Alisson Becker (29., 30.), und als der Ball nach 34 Minuten doch im römischen Tor lag, hatte Mané im Abseits gestanden.

          Der erste Treffer aber lag in der Luft, und allzu lange mussten die Fans nicht mehr darauf warten – und sahen dann gleich ein zauberhaftes Tor (36.). Mohamed Salah, vor dieser Saison für 42 Millionen Euro von Rom nach Liverpool gewechselt, zirkelte den Ball so genau in den Winkel, dass sich Alisson trotz seiner 1,91 Meter Körpergröße vergeblich streckte. Der gerade von seinen Kollegen zum Spieler der Saison gewählte Ägypter jubelte wegen seiner römischen Vergangenheit nur verhalten, seine Kollegen und die Fans dafür umso ausgelassener.

          Der Liverpooler Sturmlauf aber ließ nun, wo er mit etwas Verzögerung begonnen hatte, nicht mehr nach. Innenverteidiger Lovren (38.) traf nach einem Eckball per Kopf nur die Latte, nachdem die Abwehr des AS Rom völlig die Orientierung verloren hatte, Wynaldum (40.) prüfte Alisson ein weiteres Mal, und dann war es Zeit für den nächsten großen Auftritt von Salah. Wieder ging es nach dem Ballgewinn am eigenen Strafraum rasant zur Sache. Firmino passte genau in den Lauf des Ägypters, der an der Strafraumgrenze per Lupfer zum 2:0 (45.) vollendete. Es war der zehnte Treffer in dieser Champions-League-Saison für Salah, und die Anfield Road bebte.

          Strahlende Rote: Firmino (rechts) lässt sich von Mohamed Salah beglückwünschen Bilderstrecke

          Es war sein 43. Treffer im 47. Pflichtspiel, und der Ägypter kann auch viel mehr als den Ball ins Tor zu schießen. Er kann auch Treffer für die Kollegen vorbereiten. Auch das konnten die Römer gegen ihren ehemaligen Mitspieler nicht verhindern. „Wir vermissen ihn sehr“, hatte der frühere Wolfsburger Edin Dzeko gesagt – wie sehr, zeigte sich, als Salah erst das 3:0 durch Mané (56.) vorbereite und fünf Minuten später Firmino den Ball so maßgerecht servierte, dass ihn der ehemalige Hoffenheimer nur noch ins leere Tor (61.) schubsen musste.

          Die Partie war damit entschieden – für den AS Rom ging es nur noch darum gehen, den Schaden in Grenzen zu halten. Als Firmino, nicht gerade als Kopfball-Ungeheuer bekannt, nach einem Eckball auf diese für ihn ungewöhnliche Art zu seinem zweiten Treffer des Abends kam und auf 5:0 (68.) erhöhte, schien auch das Rückspiel nur noch eine Formsache zu sein. Salah durfte seinen Arbeitstag beenden (74.) – vielleicht etwas zu früh. Dzeko nutzte die erste Römer Chance der zweiten Halbzeit zum 1:5 (81.), dann verkürzte Perotti per Handelfmeter (85.). Und am Ende taumelte der FC Liverpool ins Ziel – und wird nun an den FC Barcelona denken.

          „Jetzt fällt es etwas schwer, sich richtig zu freuen wegen der unnötigen Gegentreffer. Es bleibt ein fader Beigeschmack“, sagte Liverpools deutscher Torwart Loris Karius. „Klar sind wir noch nicht durch. Rom ist heimstark, konnte gegen Barcelona ein Spiel drehen. Aber vielleicht ist es für uns eine gute Warnung, dass das im Viertelfinale schon mal passiert ist.“

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