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0:3 in Paris : Die Bayern sehen Neymar und Co. nur noch mit Fernglas

Chancenlos: Bayern München mit Torwart Sven Ullreich muss sich PSG beugen Bild: VALAT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Neymar, Mbappé und Cavani sind zu gut für die Bayern: Nach dem 0:3 bei Paris Saint-Germain scheinen die Münchner weit entfernt von Europas Spitze. Für den deutschen Fußball endet eine Champions-League-Woche ohne Sieg.

          Mit diesem Kader, so hatte Präsident Uli Hoeneß kurz vor der Reise nach Paris gegen wachsende Zweifel verkündet, könne der FC Bayern die Champions League gewinnen. Für diese These ist seit Mittwochabend noch viel mehr Optimismus nötig als bisher schon. Mit einer krachenden 0:3-Niederlage, der höchsten, die der FC Bayern je in der Vorrunde der Champions League erlitten hat, kehrt der deutsche Meister vom Kräftemessen mit dem neuen, neureichen Titelaspiranten aus Paris heim.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dem Tempo und der individuellen Klasse des Angriffs mit den beiden teuersten Spielern der Welt, Neymar (222 Millionen Euro) und Kylian Mbappé (160 bis 180 Millionen), und dazu dem bissigen uruguayischen Torjäger Edison Cavani, hatten die Bayern nicht viel entgegenzusetzen. Auf Vorlage von Neymar erzielte Verteidiger Dani Alves schon im ersten Angriff die Führung für Paris St-Germain (2. Minute), ehe Cavani (31.) und Neymar (61.), beide nach Vorarbeit von Mbappé, den Endstand herstellten – der angesichts von einem halben Dutzend klarer Konterchancen der Franzosen noch deutlicher hätte ausfallen können.

          "Wir hatten eine gute Kontrolle, viel Ballbesitz. Aber wir waren nicht gefährlich genug. Uns hat die Balance gefehlt“, sagte Ancelotti, der auf Ribéry und Robben sowie Hummels verzichtete. „Ich denke nicht, dass die Aufstellung zu riskant war. Für mich war es die beste Aufstellung. Letztlich werde ich dafür kritisiert, aber das ist okay."

          Schlechter Beginn

          Die Partie hätte für die Bayern nicht schlechter beginnen können. Keine neunzig Sekunden waren gespielt, da zeigte Neymar am linken Flügel seinen ersten Antritt. Thiago überlief er spielend leicht und hatte plötzlich freie Bahn nach innen, was Chaos in der Bayern-Defensive auslöste. Vidal und Martinez kamen zu spät, ihn zu stören, Neymar spielte zwischen ihnen hindurch den brasilianischen Landsmann Dani Alves an, der aus dem Rückraum in die völlig verwaiste rechte Strafraumhälfte der Bayern gestartet war. Sechs Bayern befanden sich in der anderen Hälfte, keiner aber dort, wo der Rechtsverteidiger nun mit sieben, acht Metern Platz den Ball in Ruhe annehmen und durch die Beine des herausstürzenden Torwarts Sven Ulreich zum 1:0 verwerten konnte. „Wir hatten nur gestandene Spieler auf dem Platz, mit teilweise mehr als 50 Spielen in der Champions League. Wir dürfen nicht so früh das Gegentor bekommen. Das war fatal“, sagte Neuzugang Niklas Süle.

          Champions League

          Nach diesem frühen Schock besannen sich die Bayern zunächst darauf ihre Stärke, durch Ballkontrolle ins Spiel zu finden. Das brachte eine Art optische und statistische Überlegenheit. 66 Prozent Ballbesitz, 9:2 Ecken und 9:5 Torschüsse standen bis zur Pause zugunsten der Bayern zu Buche, doch echte Torgefahr gab es eher auf der anderen Seite – dann nämlich, wenn Neymar, Cavani und Mbappé zum Kontern kamen. Während die Bayern außer einem Distanzschuss von Javi Martinez, den Torwart Alphonse Areola mit einer Flugparade über die Latte lenkte (19.), keinen gefährlichen Abschluss zustande brachten, zeigten sich die Pariser zunächst noch gnädig, als erst Neymar mit einer ungewohnt fehlerhaften Ballannahme eine Riesenchance verstolperte – er wäre sonst allein aufs Tor zugelaufen (23.). Und dann, als Mbappé in einer Drei-zu-zwei-Überzahl Cavani freispielte, der Uruguayer aber noch ungenau zielte und das lange Eck knapp verfehlte (27.).

          Vier Minuten später, nachdem die Bayern ihre einzige Kontergelegenheit durch einen schwachen Abschluss von Robert Lewandowski verschenkt hatten, machte es Cavani, abermals auf Vorlage Mbappés, besser. Aus 16 Metern traf er per Direktabnahme zum 2:0 in den Torwinkel. Sechs Minuten später der schönste Angriff der ersten Hälfte, der um ein Haar zum 3:0 geführt hätte, doch nach Mbappés Antritt und Neymars feiner Verlängerung per Hacke traf Cavani völlig frei die Vorlage nicht richtig, so dass der Neuer-Vertreter Ulreich seinen ersten Ball halten konnte.

          Unbremsbares Trio: Neymar, Mbappé und Cavani besiegen mit PSG die Bayern Bilderstrecke

          „Es ist ein schwieriges Spiel, wir müssen das Beste von uns zeigen“, hatte Carlo Ancelotti vor seiner Rückkehr nach Paris gefordert, wo er bis 2013 Trainer gewesen war. Doch zeigte Ancelotti selbst auch das Beste, was möglich war? Seine taktische Marschroute mit einem verstärkten zentralen Mittelfeld zu Lasten des Flügelspiels war bis zur Pause nicht annähernd aufgegangen. Der Italiener wechselte zur zweiten Halbzeit zwei Mal, doch auch nun blieben Franck Ribéry und Arjen Robben auf der Bank – dafür ersetzte Coman den wirkungslosen James, während im Mittelfeld der schwache Tolisso für Rudy Platz machen musste. Damit hatten sich beide Top-Transfers des Sommers in der ersten echten Probe auf europäischem Niveau als überfordert erwiesen.

          Hummels auf der Bank

          Mit etwas mehr Glück wäre das Spiel noch zu wenden gewesen, als die zehnte Ecke endlich Gefahr brachte, PSG-Kapitän Thiago Silva aber den Kopfball von Martinez auf der Torlinie abwehrte (50.). Im Gegenzug kam Neymar völlig frei zum Abschluss, ging aber mit der Gelegenheit fahrlässig um und verschoss frei vor Ulreich. Die Bayern-Abwehr, in der überraschend Süle und Martinez die Innenverteidigung bildeten, während Hummels auf der Bank und Boateng nur auf der Tribüne saß, hatte den Schnellangriffen der Pariser durch das entblößte Mittelfeld kaum etwas entgegenzusetzen – außer durch den kampfstarken Martinez, den besten Münchner, der beim nächsten Konter mit letztem Einsatz vor Cavani klären konnte (58.). Drei Minuten später aber konnte auch der Spanier nichts mehr retten, als der 18-jährige Mbappé im Strafraum mit zwei Abwehrspielern Katz und Maus spielte und Neymar den Abpraller zum 3:0 verwertete.

          Erst danach durfte Robben aufs Feld, konnte aber nichts mehr ausrichten, während Ribéry nur die Rolle des Bankdrückers blieb. Beide haben die Bayern 2013 zum Triple geführt, nun hat am Mittwoch in Paris vielleicht die Zeit nach Robben und Ribéry begonnen – für die am Mittwoch der Trainer Ancelotti nicht annähernd eine Lösung gefunden hat.

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