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Kommentar zur Champions League : Gespaltene Gesellschaft

Abgehängt: Klubs wie Sporting Lissabon (im Bild Bas Dost) können nicht mal mehr von einem Champions-League-Sieg träumen Bild: EPA

Vor 25 Jahren gab es erstmals eine Gruppenphase in der Champions League: Was mit einem Festival der Außenseiter begann, ist zu einem sehr berechenbaren Wettstreit der üblichen Verdächtigen geworden.

          Kleine Quizfrage aus gegebenem Anlass: Welche Mannschaften aus Deutschland, Spanien und England waren dabei, als vor 25 Jahren in Europas Stadien zum ersten Mal die Champions-League-Hymne erklang? Richtige Antwort: keine einzige.

          Verrückte Fußballwelt – so mutet aus heutiger Sicht die Premiere jenes Wettbewerbs an, der seither das Maß der Dinge für die Klubs in Europa ist und dessen Einführung zugleich maßgeblich dazu beigetragen hat, dass an Europapokal-Abenden statt prickelnder Spannung oft nur noch das große Gähnen herrscht. Dass damals, vor einem Vierteljahrhundert, keiner der heute drei größten Fußballmärkte des Kontinents in den beiden Vierergruppen vertreten war, ist heute kaum noch vorstellbar und sagt umgekehrt auch etwas über die Kräfte, die mit der Bündelung der Vermarktung unter dem Dach der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und der von ihr beauftragten Agentur Team in der Folge entfesselt wurden – selbst wenn für das Scheitern des deutschen Meisters VfB Stuttgart seinerzeit der Fauxpas des Trainers Christoph Daum verantwortlich war, der in der ersten Play-off-Runde gegen Leeds einen vierten Ausländer einwechselte (was heute ebenfalls ziemlich verrückt wirkt).

          Was anno 1992 noch ein Wettbewerb mit verhältnismäßig offenem Ausgang war, an dem auch die kleineren Länder und Ligen mit gewissen Aussichten teilhatten, hat sich zu einer gespaltenen Gesellschaft entwickelt, in der die Marktmacht (fast) alles regelt. Und die war bislang in hohem Maße auch ein Resultat aus den kumulierten Einnahmen aus der Königsklasse: ein sich selbst reproduzierendes System, das zwar jede Menge wirtschaftliche Erfolgszahlen generiert, aber als Nebenprodukt zugleich eine gewisse Langeweile – national wie international. Dass Real Madrid in der vergangenen Saison das erste Team in 25 Jahren war, das den Champions-League-Titel verteidigen konnte, wird zwar gern als Indiz dafür genommen, dass der sportliche Wettbewerb funktioniert – das aber eben (fast) nur noch an der Spitze.

          Von dort aus betrachtet, mag sich die Konkurrenz bei der Jagd nach dem Henkelpott sogar noch einmal verschärft haben: durch einen Klub wie Paris Saint-Germain, dessen finanzielle Möglichkeiten alles bisher Dagewesene locker übersteigen. Bevor es aber aufs und um das Ganze geht, wird noch viel grauer Alltag herrschen. Die Gruppenphase hat sich, auch wenn man das bei den stolzen Debütanten aus Leipzig anders sehen mag, in der bisherigen Form längst abgenutzt. Eigentlich, daran erinnerten die Erfinder der Champions League anlässlich des Jubiläums gerade, sei ein „Weniger ist mehr“ das Grundprinzip ihrer Schöpfung gewesen – täglich Kaviar und Champagner schmeckten auf Dauer „schal“. Was die Uefa nicht daran hindert, weiter kräftig vom Gleichen aufzutischen – auf Druck der großen Klubs. Von der nächsten Saison an werden jeweils vier Teams aus den vier stärksten Verbänden sicher dabei sein. Das wahre Credo des Fußballs lautet nun mal: Ein bisschen mehr geht immer.

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