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3:0 gegen Anderlecht : Münchner Minimalisten

Mit breiter Brust: Robert Lewandowski nimmt es mit zwei Verteidigern auf und bewahrt auch als Strafstoßschütze die Nerven. Bild: Reuters

Dem FC Bayern gelingt gegen RSC Anderlecht der 14. Auftaktsieg in Serie. Doch die Mannschaft von Trainer Ancelotti zeigt sich in der Champions League erst spät von ihrer besseren Seite.

          Es war genug, um weitere Unruhe zu vermeiden, aber wohl nicht genug, um die schon vorhandene Unruhe zu vertreiben. Der 3:0-Erfolg gegen den RSC Anderlecht, der vierzehnte Sieg hintereinander zum Auftakt einer europäischen Saison, hat dem FC Bayern am Dienstag in der Champions League das Minimum an Ertrag gegen den krassen Außenseiter aus Brüssel eingebracht. Der deutsche Rekordmeister bot seinen Fans dabei auch kaum mehr als das zu erwartende Minimum an spielerischer Klasse.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nach Notbremse und Platzverweis des Anderlechters Sven Kums und der frühen Führung durch den aus dieser Aktion resultierenden Elfmeter, den Robert Lewandowski verwandelte (12. Minute), blieb es trotz achtzigminütiger Überzahl bei nur zwei weiteren Treffer, erzielt durch Thiago (65.) und Joshua Kimmich (90.). Drei Minuten nach der Pause hätten die Bayern beinahe den Ausgleich durch das Team des früheren Nürnberger Trainers René Weiler kassiert, doch der Schuss von Alexandru Chipciu prallte an den Pfosten.

          Schon der erste gute Angriff hatte die Partie letztlich so gut wie entschieden. Corentin Tolisso spielte einen feinen Steilpass auf Lewandowski, den der überforderte Verteidiger Kums bis an die Strafraumgrenze laufen und zum Schuss ausholen ließ, um ihn dann doch noch umzureißen. Das Resultat war die massivste Strafe, die der Fußball für eine einzelne Aktion zu bieten hat: Platzverweis, Unterzahl, Elfmeter, Tor. In gewohnter Manier manövrierte Lewandowski, tags zuvor von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge für seine Kritik an der Transferpolitik der Bayern ebenso zurechtgewiesen wie der diesmal erst nach 78 Minuten eingewechselte Thomas Müller für sein Meckern über seine Reservistenrolle, den Torwart aus.

          Zwar gibt es in der Regelauslegung den früheren Automatismus einer Doppelbestrafung für ein Foul des letzten Mannes im Strafraum mit Rot und Elfmeter nicht mehr, doch setzt das Verweilen des Abwehrspielers auf dem Platz voraus, dass er im als Foul geahndeten Zweikampf wenigstens den Versuch unternahm, den Ball zu spielen – Kums aber war weit davon entfernt, als er Lewandowski an der Schulter zu Boden riss.

          Robert Lewandowski trifft per Elmeter zum 1:0. Bilderstrecke
          Robert Lewandowski trifft per Elmeter zum 1:0. :

          Inspirierende Wirkung auf die Spielkunst der Bayern hatte die frühe Führung und Überzahl jedoch nicht. Es fehlte die Konzentration und Präzision, wie zwei Freistöße aus guter Position zeigten. Lewandowski schoss in die Mauer, James weit drüber. Flanken waren oft Glückssache, und wenn mal eine ankam, wie zunächst bei Lewandowski und eine Minute vor der Pause bei Arjen Robben, dann rutschte sie den Stürmern über den Scheitel. Die beste Chance zum zweiten Treffer in der ersten Halbzeit vergab Robben, als er nach einem schönen Durchspiel von James ein wenig zu lange brauchte, um sich zu einem Schuss mit dem ungeliebten rechten Fuß zu entschließen. So kam ihm im letzten Moment die Fußspitze von Olivier Deschacht in die Quere.

          Vier Minuten vor der Pause hätten sich die mutigen Anderlechter, nach drei Jahren Pause mit dem 34. belgischen Meistertitel in die Champions League zurückgekehrt, gegen jede Wahrscheinlichkeit beinahe mit dem Ausgleich belohnt. Trotz Unterzahl spielte sie munter nach vorn, versuchten sogar zu pressen, und plötzlich konnte Leander Dendoncker bis zur Grundlinie durchspurten und den völlig freien Nicolae Stanciu in der Mitte bedienen. Doch dem Rumänen gelang es nicht, das etwas unpräzise Zuspiel zu kontrollieren.

          Er lenkte den Ball am Tor von Manuel Neuer vorbei. Und als hätte sie dieser Schuss aus der Schreckschusspistole aufgeweckt, zeigten die Bayern in der letzten Szene vor der Pause die technisch anspruchsvollste Aktion der ersten Halbzeit: Thiago zirkelte eine Ecke an den Strafraumrand auf den Fuß von James, dessen Volleyschuss im Getümmel vor dem Tor abprallte, worauf Javi Martinez mit einem Fallrückzieher an Torwart Matz Sels scheiterte.

          Doch die Bayern bewegten sich mitunter auf dünnem Eis. Drei Minuten nach der Pause flog Neuer vergebens dem Ball hinterher, hatte aber das Glück, dass der unerreichbare Schuss von Chipciu vom Innenpfosten ins Feld zurückprallte. Gegen die läuferisch deutlich mehr beanspruchten und im Laufe der zweiten Halbzeit müde werdenden Belgier kamen dann endlich auch die Bayern zunehmend zu besseren Torchancen, die allerdings zumeist mehr erzwungen als erspielt wurden. Niklas Süle scheiterte mit einem wuchtigen Kopfball an Sels (54.). Dann brachte Kimmich vom rechten Flügel eine flache Flanke vors Tor, die der von der Abwehr völlig übersehenen Thiago ungestört zum 2:0 verwertete. Und Kimmich setzte auch den Schlusspunkt. Das Resultat: eine erledigte Pflichtübung, mehr nicht.

          Quelle: F.A.Z.

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