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3:1 gegen Paris Saint Germain : Mehr als ein Achtungserfolg für die Bayern

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Die Revanche ist geglückt: Tolisso trifft doppelt und auch Lewandowski schießt ein Tor gegen PSG. Bild: dpa

Die Bayern melden sich mit einem 3:1 gegen Paris Saint Germain in der europäischen Spitzenklasse zurück. Das reicht nicht zum Gruppensieg, löscht aber den Eindruck aus dem Hinspiel.

          Der FC Bayern München ist bestens gerüstet für die im Frühjahr beginnende K.o.-Runde in der Champions League. Zwar konnte der deutsche Meister im Duell mit Paris Saint-Germain den 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel nicht mehr drehen, doch der 3:1-Erfolg für den Zweiten der Gruppe B war gut für das eigene Selbstwertgefühl. Lewandowski (8. Minute) sowie der starke Franzose Tolisso (34./69.) schossen am Dienstagabend in der Münchner Arena die Treffer für den deutschen Meister, der wie Paris 15 Punkte in seiner Gruppe holte und im Kampf um Platz eins nur an der etwas schlechteren Tordifferenz in den direkten Duellen mit PSG scheiterte. Das aber war an diesem Abend, da der Bundesliga-Erste europäisches Topformat nachwies, zu verschmerzen.

          Das Hinspiel war ein Endspiel gewesen – für Carlo Ancelotti, der nach der deutlichen Niederlage in Paris gehen musste und durch den alten und neuen Münchner Erfolgstrainer Jupp Heynckes ersetzt wurde. Der hatte für das Wiedersehen seiner Bayern mit den Stars des französisch-qatarischen Plutokratenklubs PSG keine kämpferischen Parolen in Richtung „Revanche“ bemüht und schon gar kein Wunder heraufbeschworen. Das hatte im Frühjahr dieses Jahres der FC Barcelona gegen die Pariser herbeigezaubert mit einem 6:1-Triumph im Achtelfinalrückspiel der Champions League nach einer 0:4-Klatsche beim Hinspiel im Prinzenparkstadion. Heynckes dagegen erwartete erst einmal nur ein „Kräftemessen auf ganz hohem Niveau“.

          Champions League

          Dass er drei seiner in der Startelf erwarteten Größen, Martínez, Boateng und Vidal, zunächst draußen auf der Bank ließ, machte sich nicht nachteilig bemerkbar. Der in seinen fünf Gruppenspielen zuvor fünfmal siegreiche Gegner hatte seine beste Formation aufgeboten: mit dem sündhaft teuren De-Luxe-Sturm Neymar, Mbappé und Cavani vorneweg und dem 45 Minuten lang unscheinbaren deutschen Nationalspieler Draxler knapp dahinter. Das unwiderstehliche Angriffstrio hatte dafür gesorgt, dass Paris mit 24 Treffern – bei nur einem Gegentor – so oft erfolgreich war wie keine Champions-League-Mannschaft zuvor. Unschlagbar aber ist dieses Team, wie der Dienstag bewies, nicht.

          Dem Klub mit dem Anspruch, nicht nur die Nummer eins in Frankreich zu sein, begegneten am Dienstag drei sehr agile Münchner Franzosen: Ribéry, diesmal Kapitän, Coman und Tolisso. Für diese Drei war es ein ganz spezielles Spiel, das Kingsley Coman, der dieser Tage so richtig durchstartende Außenstürmer, mit einer „Botschaft an ganz Europa“ verbunden hatte: „dass der FC Bayern die Champions League gewinnen möchte“.

          So selbstbewusst wie die Münchner dieses Prestigeduell in Angriff nahmen, müssen auch für sie die allerhöchsten Ziele nicht in unerreichbarer Ferne liegen. Zur Pause hatten die Roten dafür gesorgt, dass manchem Pariser mulmig zumute gewesen sein könnte. 2:0 lag der deutsche Rekordmeister, der das Spiel engagierter, giftiger und entschlossener als Paris angegangen war, vorn. Lewandowski setzte mit seinem frühen Treffer nach Alabas Kopfballvorlage das erste Signal, als die tatenlosen Franzosen auf Abseits spekuliert hatten. Ein zu gefährliches Spiel, zumal der erfahrene Brasilianer Dani Alves die Abseitsvermutung widerlegt hatte. Beflügelt durch das 1:0, blieben die Münchner gegen die lange arg selbstgefälligen Pariser das aggressivere Team.

          Als dann der wie Coman im Aufwind segelnde James nach gut einer halben Stunde eine perfekte Flanke servierte, die Tolisso mit einem präzisen Kopfball zum 2:0 veredelte, standen die Chancen des Bundesliga-Primus gar nicht so schlecht, vielleicht doch eine Art Big Bang feiern zu können. Doch Vorsicht war allemal geboten: Neymar vergab die größten Gelegenheiten für die Franzosen, als er einmal ganz knapp vorbei schoss (34.) und beim zweiten Mal an Ulrich scheiterte (43.). Da auch der 18 Jahre alte Himmelsstürmer Mbappé allmählich auf Betriebstemperatur kam, schien beim Blick auf die zweite Hälfte noch alles möglich.

          Robert Lewandowski schießt zur Führung der Bayern gegen PSG. Bilderstrecke

          Und tatsächlich: Der zweite Durchgang hatte kaum begonnen, da schlug Mbappé schon zu: mit einem Kopfball zum 1:2 nach Cavanis Flanke. Von diesem Moment an waren die bayerischen Vorweihnachtsträume, vielleicht doch noch den Turnaround zu schaffen, so gut wie dahin. Die Realität hatte die Münchner eingeholt, weil Paris nun seine Sorglosigkeit abgestreift hatte und um jeden Ball mitkämpfte.

          Da darunter die spielerische Klasse des in den beiden vorangegangenen Spielzeiten mit Investitionen in Höhe von einer halben Milliarde Euro aufgepeppten Ensembles nicht litt, begegneten sich beide Mannschaften nun auf Augenhöhe – mit Vorteilen für Paris in der Abteilung individuelle Klasse. Mbappé vor allem brachte die Münchner Defensive mit seiner Wucht und Finesse mehrmals in die Bredouille.

          Doch der deutsche Meister wehrte sich und legte bei einem Konter noch einmal nach. Dass dies ein bayerischer Abend mit französischer Note war, belegte Tolissos zweiter Treffer zum 3:1-Endstand (69.) nach sehenswerter Vorarbeit seines filigranen Landsmanns Coman.

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