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Bayern München : Nur Hummels hat ziemlich schlechte Laune

  • -Aktualisiert am

Mats Hummels gefiel etwas nicht, sprechen wollte er darüber aber auch nicht. Bild: Reuters

Durch den 3:1-Sieg über Paris melden sich die Bayern in Europas Elite zurück. Drei Franzosen stehen im Mittelpunkt bei den Münchnern. Nur einer freut sich gar nicht nach dem Spiel.

          Mats Hummels schaute weder nach rechts noch nach links. Die Mütze hatte er tief ins Gesicht gezogen, wortlos strebte er dem Ausgang entgegen. Der Verteidiger des FC Bayern hatte keine gute Laune, das war schon eine knappe Stunde davor zu erkennen, als er nach dem Schlusspfiff intensiv mit Ko-Trainer Peter Hermann redete und dann verärgert in der Kabine verschwand, während die Kollegen sich von den Fans in der Münchner Arena für den 3:1-Sieg im letzten Gruppenspiel der Champions League über Paris Saint Germain feiern ließen. Den Grund für seine Unpässlichkeit verriet Hummels an diesem Abend nicht mehr, auch Trainer Jupp Heynckes hatte keine Ahnung oder gab vor, keine Ahnung zu haben, fand aber im Interview beim TV-Sender Sky eine gute Erklärung. „Mats ist voller Ehrgeiz. So wie ich ihn kenne, wollte er 4:1 oder 5:1 gewinnen.“

          Champions League

          Wobei wohl eher 5:1, denn nur durch einem Sieg mit mindestens vier Toren Unterschied wäre der Abend in München ein richtig märchenhafter geworden. Dann hätte der FC Bayern die Franzosen doch noch vom ersten Platz der Vorrundengruppe B verdrängt. Im Achtelfinale, das im kommenden Februar und März ausgetragen wird, hätte er zunächst auswärts sowie obendrein gegen einen Gruppenzweiten spielen dürfen und damit einen vermeintlichen leichteren Gegner zugelost bekommen. Allerdings hatte damit beim deutschen Rekordmeister ernsthaft niemand gerechnet, höchstens der eine oder andere ganz leise gehofft.

          Beim Vorrunden-Finale ging es nach der vorzeitigen Qualifikation fürs Achtelfinale nur noch ums Prestige, darum, an Europa die Botschaft zu senden, dass die Mannschaft, die von 2012 bis 2016 stets mindestens im Halbfinale der Königsklasse gestanden war, noch immer zu den Titelkandidaten zählen ist. Die Revanche für die bittere 0:3-Niederlage Ende September, die zur Entlassung von Trainer Carlo Ancelotti geführt und den Eindruck erweckt hatte, die große Zeit dieser Bayern-Mannschaft ist vorbei, glückte halbwegs. „Wir haben gezeigt, dass man mit uns schon rechnen kann“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

          Die erstarkten Bayern befinden sich wieder auf Augenhöhe mit Europas Nonplusultra, zumindest, wenn sie einen guten Tag erwischen. Den hatte PSG am Dienstag definitiv nicht, die Pariser verwalteten den Vorsprung nur und schienen keine große Lust auf eine weitere Demonstration der Überlegenheit zu verspüren. Trotzdem standen an diesem Abend vor allem Franzosen im Mittelpunkt. Der genesene Franck Ribéry durfte zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder von Anfang an spielen und zudem als Vertreter von Thomas Müller, der zunächst nur auf der Bank saß, die Kapitänsbinde tragen. Kingsley Coman überzeugte wie schon drei Tage zuvor in der Bundesliga gegen Hannover mit Tempo und Raffinesse. Den ersten Treffer durch Robert Lewandowski bereitete er per Kopf vor (8. Minute), den dritten Treffer mit einem atemberaubenden Solo auf der linken Seite und einer präzisen Hereingabe zu seinem Landsmann Corentin Tolisso (69.), der zuvor bereits das 2:0 (37.) erzielt hatte.  

          Klare Ansage: Die Bayern besiegen Paris im Rückspiel mit 3:1. Bilderstrecke
          Klare Ansage: Die Bayern besiegen Paris im Rückspiel mit 3:1. :

          Nachdem zwischenzeitlichen Pariser Anschlusstreffer von Kylian Mbappé (50.) war die Chance auf den Gruppensieg aber ohnehin wieder in weitere Ferne gerückt. „Man war auf dem Platz etwas hin- und hergerissen, ob wir am Ende noch mehr Risiko gehen sollten“, gab Thomas Müller zu. Aber weil dann der Gegner womöglich mehr Räume bekommen hätte, habe man sich „vielleicht innerlich dagegen entschieden“ – und sich mit dem 3:1 begnügt. Für Müller haben sich mit dem Sieg und vor allem die Art und Weise, wie die Bayern den Gegner dominiert haben, die Auftritte der Franzosen in dieser Saison relativiert. „Nach dem 3:0 wurde so getan, als ob Paris einen Zaubertrank hätte. Da sollte man ein bisschen runter vom Gas, wenn es darum geht, andere Mannschaften so hochzujubeln.“

          Sieg gegen Paris : Revanche geglückt

          Der hochdotierte Sturm von PSG mit Neymar, Edinson Cavani und Mbappé, die 16 der insgesamt 25 Tore in dieser Champions-League-Vorrunde erzielt haben, deutete in München nur gelegentlich seine Klasse an. Heynckes sah die Einstellung seiner Mannschaft, die mit mehr Biss und Leidenschaft ins Spiel ging als Paris, den „Schlüssel zum Erfolg“. Der Gegner habe kaum Kontermöglichkeiten bekommen, lobte der Münchner Trainer. „Die Bayern haben es heute verdient“, sagte Julian Draxler. Der deutsche Nationalspieler war nicht überrascht vom Auftritt des Rekordmeisters. „Für mich gehören sie nach wie vor zu den besten Mannschaften in Europa.“ An guten Tagen jedenfalls.  

          Quelle: FAZ.NET

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