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Champions League : Ein Geschenk nach dem Dortmunder Albtraum

Immerhin bei Doppeltorschütze Pierre-Emerick Aubameyang (Mitte) ist das Lächeln wieder zurück. Bild: dpa

Der BVB spielt eine völlig verkorkste Saison in der Champions League. Nach dem 2:3 bei Real Madrid entgehen die Dortmunder mit der Minimalausbeute so gerade der Höchststrafe. Einen Lichtblick gibt es aber.

          Die Dortmunder Fans im Stadion Santiago Bernabéu gaben die neue Marschroute kurz nach dem Abpfiff aus. Als sich die Mannschaft nach der 2:3-Niederlage bei Real Madrid für die Unterstützung im abschließenden Gruppenspiel dieser Champions-League-Saison bedankte, sang der Anhang: „Wir holen den Uefa-Cup und wir werden deutscher Meister.“ Den Uefa-Cup gibt es zwar schon seit fast zehn Jahren nicht mehr, im Liedgut aber hat der Wettbewerb, der nun Europa League heißt, noch einen festen Platz. Im neuen Jahr wird der BVB dort in der Zwischenrunde weiterspielen.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Bis zum Titel ist es jedoch ein sehr weiter Weg, genau wie zur Meisterschale in der Bundesliga. Doch der Auftritt der Borussia beim Titelverteidiger der Königsklasse machte ein wenig Mut. Die Dortmunder Krise ist zwar noch lange nicht ausgestanden, doch mit dem Abschluss auf Platz drei entging der BVB der Höchststrafe – und das mit der Minimalausbeute. Weniger als zwei Punkte sind mathematisch nicht möglich auf diesem Rang nach sechs Partien. Es sind die Schreckenszahlen einer an sich völlig verkorksten Spielzeit in Europa ohne Sieg mit nur zwei Remis gegen den Außenseiter aus Nikosia.

          Der zyprische Klub verlor zum Abschluss 0:3 bei Tottenham Hotspur. Die Engländer gehen als Erster der Gruppe ins Achtelfinale, noch vor Real Madrid. Am Montag (11.30 Uhr bei Sky Sport News HD) wird ausgelost. Die Dortmunder müssen noch ein paar Minuten länger warten, bis sie ihren Kontrahenten im zweitklassigen europäischen Wettbewerb erhalten. Als einer der vier schlechteren Gruppendritten trifft der Revierklub entweder auf einen der zwölf Sieger der Europa-League-Vorrundengruppen oder einen der vier besten Gruppendritten der Königsklasse. Ein Duell mit dem Bundesliga-Konkurrenten RB Leipzig ist jedoch in dieser Runde noch nicht möglich. „Wir wären gerne auch nach der Winterpause noch in der Champions League vertreten gewesen. Das sind wir zurecht nicht. Wir haben kein großes Spiel gewonnen“, sagte Trainer Peter Bosz in Madrid. „Wir wollen in der Europa League so weit wie möglich kommen.“

          Der Beginn der Partie in Madrid ließ Schlimmes befürchten. Obwohl Real ohne Stars wie Gareth Bale, Karim Benzema, Toni Kroos, Marcelo oder Luka Modric angetreten war, führten die Spanier nach zwölf Minuten schon mit 2:0 durch die Tore vom früheren Wolfsburger Borja Mayoral (8. Minute) und Cristiano Ronaldo (12.). Damit traf der Weltfußballer in allen sechs Gruppenspielen. Das gelang in der Champions League noch keinem Spieler.

          Der BVB hatte auch Grund zur Freude: Aubameyang trifft doppelt Bilderstrecke
          Der BVB hatte auch Grund zur Freude: Aubameyang trifft doppelt :

          Die Symptome des Dortmunder Durchhängers waren erschreckend. In der Abwehr klafften riesige Lücken, das Zweikampfverhalten verdiente die Bezeichnung kaum. „Es war ein katastrophaler Beginn, aber dann haben wir uns Chancen erarbeitet. Trotzdem hat es leider nicht gereicht. Wenn man mit zwei Punkten in die Europa League einzieht, ist das ein Geschenk. Im nächsten Jahr müssen wir aber ein anderes Gesicht zeigen“, sagte Nuri Sahin. Zum dritten Mal nach 1999 und 2001 zieht Dortmund als Vorrunden-Dritter der Champions League in die Europa League ein.

          Es gab aber in Madrid auch Lichtblicke. Das Lächeln bei Pierre-Emerick Aubameyang etwa war mal wieder zu sehen. Beim Gefühlsfußballer aus Gabun ist das immer ein sicheres Zeichen, dass er im Aufwind ist. Beim seinem Traumverein zeigte der Stürmer zunächst wie die Mannschaft eine äußerst schwache Vorstellung, doch zwei Aktionen dürften auch das verwöhnte Publikum in Madrid beeindruckt haben. Zunächst wuchtete er eine starke Flanke von Kapitän Marcel Schmelzer mit dem Kopf ins Tor (43.), danach traf er gar – nach knapper, nicht erkannter Abseitsposition – zum Ausgleich im zweiten Schussversuch mit einem gefühlvollen Lupfer (49.).

          „Es ist nicht selbstverständlich, in Madrid in einer solchen Phase so zu spielen. Diese Idee vom Fußball müssen wir mitnehmen“, sagte Schmelzer. Daran hielt sich auch der Coach fest. „Das müsste eigentlich gut für das Selbstvertrauen sein“, sagte Bosz, „die Spieler haben nach dem 0:2 den Rücken gereckt und teilweise guten Fußball gezeigt.“ Dass es am Ende eine weitere Niederlage gab, lag am Treffer von Lucas Vazquez (81.) mit einem Schuss per Außenrist.

          Die europäische Kampagne kann der BVB nun vorerst zur Seite schieben. Erst Mitte Februar geht es weiter in der Europa League. Die volle Konzentration gilt nun den abschließenden drei Partien in der Bundesliga und dem Knaller in der dritten Runde des DFB-Pokals beim FC Bayern kurz vor Weihnachten. An diesem Samstag kommt Werder Bremen nach Dortmund, dann warten Mainz 05 und die TSG Hoffenheim. Eine gute Leistung wie in Madrid nach dem Rückstand wird dann nicht reichen, es braucht mehr, wie auch Sahin eindeutig formulierte: „Gegen Bremen müssen wir gewinnen, da gibt es kein Wenn und Aber.“ Das große Ziel des BVB ist die abermalige Qualifikation für die Champions League. Dann müssten auch die Fans nicht mehr vom alten Uefa-Cup singen.

          Quelle: FAZ.NET

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