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Dortmund verliert in Monaco : „Keiner hat mehr an Fußball gedacht“

Aus und vorbei: Marcel Schmelzer und der BVB scheiden in Monaco aus. Bild: AP

Mit dem 1:3 von Monaco scheidet Dortmund in der Champions League aus. Eine Überraschung vor dem Spiel reicht nicht – zumal es bei der Anfahrt einen Vorfall gibt, der das Team und vor allem Trainer Tuchel erzürnt.

          Am Ende des Abends stand auch Marc Bartra auf dem Rasen im kleinen Stade Louis II von Monaco. Der Spanier von Borussia Dortmund klatschte Mitspieler wie Gegner nach dem Rückspiel im Viertelfinale ab. Es war das Schlussbild des BVB in der Champions-League-Kampagne 2016/2017. Der Bundesligaverein war nach der 1:3-Niederlage beim AS Monaco ausgeschieden. Doch, dass Bartra im Kreis der Spieler stand – wenn auch nur in Trainingsanzug und nicht in Trikot und kurzer Hose – war ein großer Stimmungsaufheller am Ende des Tages für die Schwarz-Gelben in sportlich wie emotional schweren Zeiten.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Vor acht Tagen waren vor dem geplanten Hinspiel drei Bomben bei der Abfahrt des Busses vom Hotel explodiert und hatten einen Polizisten wie auch Bartra verletzt. Der Abwehrspieler musste an Arm und rechter Hand operiert werden. Die nur einen Tag später nachgeholte Partie hatte Dortmund mit 2:3 verloren. Vor dem Rückspiel sollte Bartras Anwesenheit im Fürstentum die Extramotivation sein, um doch noch ins Halbfinale einzuziehen. Ohne Wissen des Teams war er am Spieltag eingeflogen worden, tauchte zur Besprechung im Hotel auf und hielt kurz vor der Partie in der Kabine noch eine emotionale Ansprache.

          BVB-Aus in Monaco : Tuchel ärgert sich über Polizei

          Doch wie beim ersten Teil in Dortmund waren die BVB-Spieler auch im Rückspiel zu Beginn nicht auf der Höhe – was angesichts der Umstände niemanden überraschen durfte. Zumal es in Monaco einen Vorfall gab, der Thomas Tuchel und seine Mannschaft belastete. Mehr als eine Viertelstunde musste der Tross bei der Abfahrt vom Hotel im Bus warten, umringt von Polizisten, in der Ungewissheit, was der genaue Grund für die Verzögerung war. Das führte dazu, „dass keiner mehr an Fußball gedacht hat“, wie der Trainer sichtlich erzürnt monierte. „Das ist unglaublich. Das hat sich nicht gut angefühlt“, sagte er gegenüber dem TV-Sender Sky. „Das Verhalten der Polizei war, vorsichtig ausgedrückt, sehr unglücklich.“ Auch Marco Reus hatte ein „komisches Gefühl“. Marcel Schmelzer indes fand nicht, „dass das eine Rolle gespielt hat.“ Die Partie begann mit fünf Minuten Verspätung.

          Schon nach drei Minuten lag die Borussia zurück. Roman Bürki ließ einen Fernschuss von Benjamin Mendy nach vorne abprallen und Frankreichs neue Sturmhoffnung Kylian Mbappé staubte ab. Eine knappe Viertelstunde später kam Matthias Ginter zu spät, Radamel Falcao köpfte zum 2:0 ein. Pech kam dazu: Nuri Sahins Freistoß flog kurz zuvor vom Innenpfosten nicht ins Tor, sondern zurück ins Feld. „Wir haben sehr fehlerhaft begonnen. Und mit jedem Fehler geht Vertrauen flöten“, sagte Tuchel. Dass Monaco das eiskalt nutzte, tat ihr übriges. „Da war der ganze Glauben wieder dahin.“

          Zu aller emotionalen Belastung auf den Schultern und in den Köpfen kam die falsche Taktik. Tuchel probierte es wie schon im Hinspiel mit einer Dreierkette in der Abwehr, korrigierte die falsche Wahl nach nicht einmal einer halben Stunde und nahm Erik Durm vom Platz. Für ihn kam Ousmane Dembélé und sorgte für neuen Schwung. Doch da war es fast schon zu spät. Nach der Halbzeit kam durch das 1:2 von Reus (48. Minute) auf Vorlage des schnellen Dembélé neue Hoffnung auf, doch ein Fehlpass von Lukasz Piszczek und der anschließende Treffer von Valère Germain entschieden das Viertelfinale endgültig (81.).

          Marc Bartra wurde extra für das Rückspiel aus Dortmund eingeflogen. Bilderstrecke
          Marc Bartra wurde extra für das Rückspiel aus Dortmund eingeflogen. :

          Lange aufhalten mit dem Aus wollten sich die Dortmunder nicht mehr mit dem Duell – das ob der Umstände sowieso eher eines wie keines war. „Das Hinspiel war das überflüssigste Spiel der Champions-League-Geschichte“, sagte Tuchel noch und nannte die Saisonbilanz in der Königsklasse „top“, wobei er die beiden Spiele gegen Monaco ausklammerte. „Wir haben uns bis vor acht Tagen komplett bereit gefühlt, dieses Viertelfinale zu gewinnen. Die Vorzeichen haben sich aber auf dramatische Weise geändert“, sagte Tuchel. „Man muss aufpassen, dass man diese beiden Spiele nicht zu hoch bewertet und die Leistung der Spieler als alleinigen Maßstab nimmt.“ Somit steht nach dem dramatischen Aus des FC Bayern in Madrid am Vortag erstmals seit 2009 kein deutscher Verein im Halbfinale der Champions League. In der Europa League hat Schalke noch die Chance auf ein Weiterkommen, muss dafür aber an diesem Donnerstag (21.05 Uhr / Live bei Sport1, Sky und im Ticker bei FAZ.NET) gegen Ajax Amsterdam ein 0:2 wettmachen.

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          Viel Zeit, das Geschehene zu verarbeiten, lässt der Spielplan den Dortmundern nicht. Am Samstag geht es zum Namensvetter nach Mönchengladbach, am Mittwoch geht es in München um den Einzug ins DFB-Pokal-Endspiel. „Ich glaube, dass der Druck für die Bayern nun wesentlich größer ist als für uns“, sagte Kapitän Schmelzer, der in Monaco zunächst auf der Bank saß. „Es bleibt wenig Zeit zum Verschnaufen“, sagte auch Sportdirektor Michael Zorc in Monaco. „Aber wir müssen uns den Aufgaben stellen, es nützt ja nichts.“ In der Bundesliga kämpft der BVB, derzeit auf Platz vier, noch um die Direktzulassung für die Champions League. Dafür müssen die drittplazierten Hoffenheimer überholt werden. Bei diesem Unternehmen will auch Marc Bartra mithelfen. Auf dem Rasen. In kurzer Hose. In etwa vier Wochen soll er wieder Fußballspielen können.

          Quelle: FAZ.NET

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