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1:3 bei Tottenham : Wembley bleibt für den BVB ein Ort der Niederlagen

Frustrierender Auftakt: Aubameyang und der BVB verlieren gegen Tottenham Bild: dpa

Missglückte Rückkehr an den Endspielort von 2013: Borussia Dortmund startet mit einer Niederlage in die Gruppenphase der Champions League – und hätte sich den Videobeweis aus der Bundesliga gewünscht.

          Etwas mehr als vier Jahre ist es erst her - und doch eine lange Zeit im Fußball. Damals, 2013, scheiterten die Dortmunder Borussen im Wembley-Stadion beim allerletzten Schritt auf dem Weg zum europäischen Fußballthron, im deutschen Endspiel gegen Bayern München. Bei der Rückkehr ins englische Nationalstadion am Mittwochabend war es ein erster Schritt, der getan werden sollte - Richtung Achtelfinale der Champions League. Bei Tottenham Hotspur allerdings mussten sich die Borussen zum Auftakt 1:3 geschlagen geben.

          Heung-Min Son (4. Minute) und Harry Kane (15. und 60.) trafen in einem energiegeladenen und oft rasanten Spiel für den Vorjahres-Zweiten der Premier League, für den BVB hatte Andrij Jarmolenko zwischenzeitlich zum 1:1 ausgeglichen. (11.). Schmerzliche Schwächen in der Abwehr, vor allem auf der rechten Seite, und auch eine Portion Pech verdarben den Borussen einen spielerisch durchaus gelungenen Auftritt im Wembley-Stadion, wo die Spurs wegen des Neubaus an der White Hart Lane ihre Heimspiele austragen.

          BVB vermisst Videobeweis

          Besonders ärgerlich aus Dortmunder Sicht war, dass der vermeintliche Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang zum 2:2 fälschlicherweise wegen Abseits nicht gegeben wurde. Kurz danach machte Kane mit seinem zweiten Treffer die Sache klar. „Solche Fehlentscheidungen beeinflussen so ein Spiel dann auch“, sagte der sichtlich verärgerte BVB-Abwehrspieler Ömer Toprak. Einen Videobeweis, der anders als in der Bundesliga in der Champions League nicht genutzt wird, wollte er zwar nicht fordern, sagte jedoch: „Der Videobeweis hätte uns wahrscheinlich geholfen.“ Trainer Bosz zeigte sich gleichfalls enttäuscht: „Da war weit mehr für uns drin. Bei der Szene mit Aubameyang war der Linienrichter auf gleicher Höhe. Das muss er sehen."

          Nun steht der BVB in seiner Gruppe bereits unter einem gewissen Druck. Schließlich dürfte Real Madrid einen der beiden Plätze im Achtelfinale für sich reklamieren, gegen Apoel Nikosia gelang am Mittwoch ein standesgemäßer Sieg. In zwei Wochen, am 26. September, steht für die Borussen das Duell mit dem Titelverteidiger an, dann im eigenen Stadion.

          In London hatte es schon die erste Viertelstunde in sich - als wäre die Champions-League-Abwesenheit für beide Teams eine Art Entzug gewesen. Allerdings waren es die Dortmunder, die dabei etwas aus der Balance gerieten. Gleich zwei Mal ließen sie sich auf Piszczeks rechter Abwehrseite mit Kraft und Tempo überrumpeln. Beim ersten Mal stürmte Son nach Kanes perfektem Pass in die Tiefe Richtung Tor. Im Strafraum angekommen, versetzte er Sokratis in Schwindel und schoss trocken ins kurze Eck - ein Volltreffer für den früherem Hamburger und Leverkusener Bundesligaprofi, wobei Bürki im Dortmunder Tor den entscheidenden Spaltbreit offenließ. Nummer zwei gehörte dann Kane selbst, der zwei Borussen abschüttelte und dann ebenfalls den direkten Weg nahm. Diesmal hatte Bürki, anders als beim 1:0, ein größeres Feld abzudecken.

          Dieser zweite Treffer der Londoner war dennoch höchst ärgerlich für den BVB, weil er den Rückstand gut weggesteckt hatte. Wenn die Borussen den Ball hatten, lief er gut - und einmal nahm er auch eine spektakuläre Kurve: als Jarmolenko, nach Zusammenspiel mit Kagawa, mit links abzog und, von knapp jenseits der 16-Meter-Linie, genau in den Winkel traf.

          Champions-League-Premiere für Bosz

          Jarmolenko, der 30-Millionen-Einkauf von Dynamo Kiew, stand zum ersten Mal in der Startelf. Eine Premiere war es auch für Peter Bosz. Der Trainer hatte zuvor in seiner Karriere noch keine Champions-League-Atmosphäre genießen dürfen. Nun, mit 53, war es so weit. Und er hatte gleich einige Umbauten vorzunehmen. Beim 0: 0 in Freiburg hatte er Kapitän Schmelzer und Bartra wegen Verletzungen früh verloren, für sie rückten Toprak und Toljan auf die Positionen auf der linken Seite der Viererkette. Etwas überraschend variierte Bosz auch im Mittelfeld. Castro und Götze saßen nur auf der Bank, für sie spielten Dahoud und Kagawa, das aber durchaus mit Effekt, auch wenn es, wie zuletzt gewohnt, Sahin war, der das Dortmunder Spiel aus der Zentrale heraus sortierte.

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          Nach dem 1:2 brauchten die Dortmunder etwas länger, um sich wieder zu straffen, zumal die Spurs ihre Fünfer-Abwehrkette nun voll zur Geltung brachten. Doch der BVB bewies Geduld und kam wieder zu Chancen. Erst rettete Vertonghen im allerletzten Moment vor Aubameyang (30.), dann übernahm der Gabuner die Vorarbeit, doch Pulisic fehlten zur erfolgreichen Verwertung der Hereingabe ein paar Zentimeter (36.). In die Pause gingen die Borussen mit dem bitteren Gefühl, das Spiel im Großen und Ganzen bestimmt zu haben und doch - mit eigenem Zutun - entscheidend überrumpelt worden zu sein.

          Die zweiten 45 Minute brauchten nicht lang, um wieder Fahrt aufzunehmen. Wieder waren es die Wirbelwinde Kane und Son, die den BVB in Verlegenheit brachten, doch diesmal verfehlte der Südkoreaner das Tor. In der 57. Minute machte es Aubameyang besser, sein Schuss passte perfekt, aber das Gespann um den italienischen Schiedsrichter Rocchi war nicht im Bilde und entschied auf Abseits. Kane, dem besten Mann des Abends, war das egal: Sein Flachschuss war es, der dem BVB - trotz aller folgenden Bemühungen - den Rest gab.

          Quelle: F.A.Z.

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