01.11.2006 · Werder Bremen hat seine momentan herausragende Form auch am vierten Spieltag der Champions League unter Beweis gestellt: Die Elf von Trainer Schaaf gewann 3:0 in Sofia. Überschattet wurde die Partie von schweren Krawallen. Der FC Bayern kam über ein 0:0 gegen Lissabon nicht hinaus.
Werder Bremen hat das Minimalziel erreicht und darf weiter auf das Achtelfinale in der Champions League hoffen. Mit drei Toren im Zwei-Minuten-Takt ebnete der Bundesliga-Spitzenreiter am Dienstag abend vor 25.368 Zuschauern den Weg zum souveränen 3:0-Erfolg bei Levski Sofia und kann zumindest im Uefa-Pokal überwintern (Siehe auch: Champions League: HSV versagt im Charaktertest). Überschattet wurde die Partie von Ausschreitungen der Levski-Fans, die sich vor dem dem Anpfiff Schlägereien mit der Polizei lieferten.
Nach dem peinlichen Eigentor von Sofias Keeper Nikolaj Mihailow (33. Minute) sowie den Treffern von Frank Baumann (35.) und Torsten Frings (37.) wollen die Bremer den Verbleib in der Fußball-Königsklasse in den beiden letzten Partien der Gruppe A gegen den FC Chelsea (22. November) und Titelverteidiger FC Barcelona (5. Dezember) sichern. „Man spielt ja nicht Champions League, um den Uefa-Cup zu erreichen“, sagte Trainer Thomas Schaaf (Siehe auch: Ergebnisse Champions League).
Lachnummer beim 0:1
Werder startete selbstbewußt mit der selben Aufstellung wie beim 6:1-Kantersieg in Mainz. Aber neben Nationalspieler Tim Borowski fehlten weiterhin auch die gleichfalls verletzten Christian Schulz, Mohamed Zidan und Patrick Owomoyela. Sofia mußte auf Angreifer Valeri Domowtschijski und kurzfristig auch Georgi Petkow verzichten. Der Stammkeeper wurde von Nikolaj Mihailow ersetzt, der schon ein Länderspiel gemacht hat und es seinem berühmten Vater und Großvater damit gleichgetan hat.
Werder zaubert auch in Sofia - Bayerns Nullnummer
Doch der 18jährige wurde zum Schwachpunkt der Gastgeber und zur Lachnummer. In der 33. Minute rutschte ihm ein eigentlich harmloser Rückpaß von Lucio Vagner über den Spann ins eigene Tor. Und auch beim dritten Bremer Treffer durch Frings (37.) machte der Youngster nicht den sichersten Eindruck, was ihm Pfiffe der eigenen Fans und die Auswechslung gegen den ein Jahr älteren Mitrew einbrachte.
Diego trieb Werder an
An Baumanns Treffer nur zwei Minuten nach der Führung freilich konnte Mihailow nichts ändern. Der Werder-Kapitän stand allein und vollendete die Eckball-Hereingabe von Frings eiskalt. Der „heimliche Kapitän“ hatte schon die erste Chance herausgearbeitet, die Aaron Hunt allerdings in der 10. Minute nicht nutzen konnte. Auch Vranjes (28.) traf nur das Außennetz. Auf der anderen Seite spielte sich der Tabellenführer der bulgarischen Liga nur langsam frei und schien nach 25 Minuten der Führung ganz nah zu sein. Zunächst konnte Werders Keeper Tim Wiese einen mächtigen Weitschuß des Nigerianers Richard Eromoigbe zur Ecke abwehren. Und der folgende Kopfball des freistehenden Igor Tomasic ging über das Tor.
Sofias neuer Keeper hatte den Ball noch nicht ein Mal berührt, da hätte es nur zwei Minuten nach dem Wechsel fast schon wieder im Tor der Bulgaren eingeschlagen. Doch Diegos Schuß nach feiner Einzelleistung prallte vom Innenpfosten zurück ins Feld. Bremens wieder starker Spielmacher ist von Brasiliens Nationalcoach Dunga nach gut eineinhalb Jahren Pause wieder für die „Selecao“ nominiert worden, die am 15. November in Basel gegen die Schweiz spielt.
Im Schongang brachte Werder den Sieg nach Hause und schonte Kraft für das Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen Cottbus. Wiese rettete in der 68. Minute noch ein Mal gegen Cedric Bardon - viel mehr Aufregung gab es nicht, weil auch Kloses Schuß (84.) zu schwach war. Ärgerlich allerdings war das unnötige Foul von Baumann, das ihm die Gelbe Karte und eine Sperre für das Spiel gegen Chelsea brachte.
Bayern: nicht schön, aber erfolgreich
Auch der FC Bayern bewegt sich auf internationalem Parkett weiter mit sicheren Schritten. Der deutsche Rekordmeister steht nach drei Siegen und dem ersten Unentschieden in der Vorrunde der Champions League bereits vorzeitig im Achtelfinale. Nach dem 0: 0 gegen Sporting Lissabon haben die Münchner außerdem den Gruppensieg mit einem Vorsprung von vier Punkten auf Verfolger Inter Mailand (1:0 bei Spartak Moskau) weiter fest im Visier. Als Erster der Gruppe B wäre der FC Bayern für die K.o.-Spielen gesetzt und könnten zudem erst auswärts antreten.
Um alle Zweifel am Gruppensieg zu beseitigen, benötigt der FC Bayern, der den vierten Sieg im vierten Spiel und damit einen neuen Startrekord für deutsche Klubs in der Champions League verpaßte, aus den beiden ausstehenden Gruppenspielen bei Spartak Moskau (22. November) und gegen Inter (5. Dezember) noch einen Sieg.
Verletzungssorgen
Zwei Wochen nach dem 1:0-Erfolg in Lissabon mußte der FC Bayern in der mit 66.000 Zuschauern ausverkauften Arena abermals ohne eine ganze Reihe von Stammspielern auskommen. Neben dem gesperrten Bastian Schweinsteiger, der im Hinspiel noch den Siegtreffer erzielt hatte und danach vom Platz gestellt wurde, fehlte kurzfristig auch Mark van Bommel wegen Muskelproblemen. So blieb im Mittelfeld des deutschen Double-Siegers vieles Stückwerk. Der Abschlußschwäche der Portugiesen, die in der 76. Minute bei einem Freistoß von Joao Moutinho nur die Latte trafen, war es zu verdanken, daß der FC Bayern angesichts eklatanter Abwehrschwächen auch im vierten Vorrundenspiel ohne Gegentreffer blieb. Für den verletzten van Bommel rückte zunächst Willy Sagnol ins Mittelfeld vor. Die Position des Franzosen in der Viererkette nahm Christian Lell ein, der so zu seinem ersten Einsatz in der Champions League kam. Für Schweinsteiger spielte Hasan Salihamidzic.
Aufgrund der zahlreichen Verletzten saßen auf der Münchner Bank diesmal vier Spieler, die sonst im Regionalliga-Team zum Einsatz kommen: Mats Hummels, Stefan Maierhofer, Stephan Fürstner und Christian Saba. Sportings Trainer Paulo Bento ließ derweil Nachwuchsstar Nani ebenso wie Angreifer Alecsandro zunächst nur auf der Bank.
Sagnol erwies sich durchaus als geschickter Ballverteiler im Mittelfeld und eröffnete Roy Makaay mit einem Traumpaß durch die gesamte Lissaboner Abwehr auch die große Chance auf einen frühen Führungstreffer: Der Niederländer allerdings schoß den Ball aus aussichtsreicher Position knapp am langen Pfosten vorbei (11.). Kurze Zeit später zielte Lissabons Angreifer Liedson ebenfalls nur um Zentimeter neben das Münchner Tor, nachdem Philipp Lahm nicht an einen hohen Ball gekommen war (14.).
Beängstigende Abwehrlücken
Trotz der zahlreichen Ausfälle gewannen die Bayern von 66.000 Zuschauern in der heimischen Arena die Oberhand - ohne dabei aber immer souverän zu wirken. Die sehr quirligen Portugiesen versteckten sich keineswegs, im Strafraum aber erwies sich die junge Mannschaft meist als ausgesprochen harmlos - zum Glück für die Münchner, in deren Abwehr sich doch beängstigende Lücken auftaten, die aber kurz vor der Pause durch Makaay noch zwei gute Möglichkeiten besaßen, in Führung zu gehen. Der Niederländer zielte zudem in der 74. Minute knapp über das Tor.
Die Defensivprobleme der Münchner blieben auch „Kaiser“ Franz Beckenbauer nicht verborgen. „Gott sei Dank sind die Portugiesen sehr unentschlossen im Ausnutzen ihrer Torchancen, sonst hätte es einige Male gescheppert. Bei uns gab es einige eklatante Abwehrschwächen“, kommentierte der Vereinspräsident zur Pause. Trainer Magath blieb nicht untätig, nahm Lell aus dem Spiel, zog Sagnol wieder nach hinten und schickte Julio dos Santos neu ins Mittelfeld. Außer einer gefährlichen Flanke von Makaay, die Salihamidzic zudem nur knapp verpaßte, brachten die Münchner aber wenig zu Stande (70.).
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |