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Champions League Weder Form noch Klasse: Schalke vor dem Aus

02.04.2008 ·  Die Schalker haben nach dem 0:1 gegen Barcelona zwei Optionen: Treten sie im Rückspiel so ängstlich wie in der ersten Halbzeit auf, droht ein Desaster; kämpfen sie sich so zurück wie in der zweiten Hälfte, ist noch nicht alles verloren.

Von Roland Zorn, Gelsenkirchen
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Vom Halbfinale in der Champions League ist der FC Schalke 04 nach dem Viertelfinalhinspiel sehr weit entfernt. 0:1 verlor der Bundesligaklub am Dienstag in der heimischen Arena gegen den europäischen Fußballriesen FC Barcelona, der sich zuletzt in der heimischen Liga allerdings ziemlich klein gemacht hat. Krkic (12. Minute) schoss das Tor des Abends gegen ein Schalker Team, das erst nach der Pause couragiert seine Chance suchte.

Beim Rückspiel in einer Woche werden die Gelsenkirchener krasse Außenseiter im Camp-Nou-Stadion sein. Treten sie dort so ängstlich wie am Dienstag vor dem Wechsel auf, droht ein Desaster; kämpfen sie sich so zurück wie in der zweiten Hälfte, ist noch nicht alles verloren. „Ich hätte aber nicht gedacht, dass wir so großen Respekt haben. In der zweiten Halbzeit hatten wir viele hochkarätige Chancen, die wir leider nicht genutzt haben“, sagte Trainer Mirko Slomka im Anschluss. „Vor Situationen wie beim 0:1 haben wir gewarnt. Manuel Neuer hat den Ball leider nicht festgehalten, aber es war eine Fehlerkette.“

„Form schlägt Klasse“ als Mutmacher

Vorher hatten sich die Schalker noch einmal aufgemuntert, als sie auf dem großen Videowürfel der Arena Bilder aus Porto einspielten und Torhüter Manuel Neuer bei dieser für ihn heldenhaften Gelegenheit flugs zum „Fußballgott der Neuzeit“ ausriefen. Es wurde dann auch noch mit Ausschnitten aus der damaligen Hörfunkreportage an den Uefa-Pokalsieg der Schalker „Eurofighter“ 1997 erinnert.

Champions League: Schalke verliert 0:1 gegen Barcelona

Große Momente der Vereinsgeschichte, so versuchte die Stadionregie eine Stimmung zu schaffen, die auf den Rängen westfälischen Mut vor Fußball-Königsthronen herbeiführen sollte. Ausgeblendet war fürs erste die Wirklichkeit, in der die Schalker trotz guter Bundesliga-Ergebnisse zuletzt vergeblich nach spielerischem Glanz suchten, in der Barca in der Primera División seine Anhänger regelmäßig mit Überraschungspleiten enttäuscht.

Katalanische Kreativität und weltläufige Arroganz

Es begegneten sich am Dienstag der Dritte der ersten deutschen und der Dritte der ersten spanischen Spielklasse - und beide hatten sich geschworen, auch ohne ein paar ihrer Stars den Weg heraus aus ihrer Sinnkrise zu finden. Schalke musste auf den verletzten Rakitic und den gesperrten Jones verzichten, Barcelona hatte die Stars Ronaldinho, Messi und Deco aus unterschiedlichen Gründen erst gar nicht mitgenommen.

Trotzdem brachte der längst heftig umstrittene Trainer Frank Rijkaard eine veritable Weltauswahl auf die Beine mit Klassekickern wie Eto'o, Henry, Iniesta und dem jungen Himmelsstürmer Krkic vorneweg. „Form schlägt Klasse“, hatte der Schalker Manager Andreas Müller vorher keck behauptet. Doch Schalke zeigte zunächst weder Form noch Klasse gegen die in ihrem Selbstwertgefühl nicht wirklich verletzten Fußball-Künstler aus Katalonien.

Bojan Krkic als steter Unruhestifter

Das spanische Kombinationskollektiv musste sich nur selten gestört fühlen bei seinen langen Ballpassagen zwischen Abwehr und Angriff. Hinten verbrachte die von Puyol angeführte Defensive einen gemütlichen Abend, im Mittelfeld behielten Xavi und der exzellente Iniesta jederzeit die Kontrolle über das Geschen, und im Angriff war der 17 Jahre alte Wunderknabe Bojan Krkic ein steter Unruhestifter.

Dem Spanier serbischer Herkunft glückte folgerichtig auch der Führungstreffer (12.), als Neuer, diesmal erdenschwer, ein Schüsschen von Henry so abprallen ließ, dass der Schütze den Ball im zweiten Versuch locker zum Junior passen konnte. Der musste dann nur noch den Fuß hinhalten, und es stand 1:0 für die unterforderten Katalanen. Da die Schalker auch danach mit Ausnahme des gelegentlich forschen Nationalspielers Westermann nie den Mut aufbrachten, etwas auf eigene Faust zu riskieren, stand westfälischer Krampf gegen gedrosselte katalanische Kreativität, gepaart mit einem Hauch von weltläufiger Arroganz.

Der Traum nimmt spät reale Konturen an

54.000 Zuschauer machten aus ihrem Unmut bei Halbzeit keinen Hehl. Wenn ihr Team schon eine Klasse schlechter als der Gegner war, dann sollte wenigstens Kampf und Herzblut mit im vergeblichen Spiel sein. Davon aber war in dem übervorsichtigen Ensemble von Trainer Mirko Slomka 45 Minuten lang nichts zu sehen.

Der Traum, mit Europas Größen Schritt halten zu können, nahm erst nach dem Wechsel reale Konturen an. Da wagten Altintop (49.) und Pander (50.) endlich auch herzhafte Schüsse aus der zweiten Reihe, da war etwas häufiger der Wille zur Wende zu sehen. Barca, daheim nicht für konzentrierte Deckungsarbeit bekannt, zog sich weit zurück und übte sich minutenlang nur in der Kunst der Selbstverteidigung.

Schlussakkord macht den Schalkern Mut

Slomka bewies nun auch mehr Mut bei seiner Personalauswahl, als er endlich den mit dieser Aufgabe überforderten Nationalspieler Kuranyi gegen Sanchez auswechselte (60.). Schalke drängte nun gegen die über ihre eigene Überheblichkeit fast stolpernden Spanier auf den Ausgleich. Asamoah verpasste das 1:1 nach Vorarbeit von Pander und Ernst (70.) ebenso knapp wie eine Minute darauf der couragierte Zweikämpfer Altintop mit einem raffinierten Drehschuss, der sein Ziel ganz knapp verfehlte.

Zumindest das königsblaue Selbstverständnis war für den Augenblick wieder in der Balance, auch wenn Larsens (78.) und Bordons Kopfball-Attacken (90.) nicht zum Tor führten. Mit Mühe behielten die Katalanen ihren dünnen Vorsprung und mussten darüber am Ende sogar heilfroh sein. Der Schlussakkord zumindest hat den Schalkern Mut gemacht, es in Barcelona noch einmal von vorn, dann aber auch von vornherein mutig zu versuchen.

Viertelfinale, Hinspiel

FC Schalke 04 - FC Barcelona 0:1 (0:1)
FC Schalke 04: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Asamoah (73. Larsen), Ernst, Kobiaschwili, Pander - Kuranyi (60. Sanchez), Altintop (89. Lövenkrands)
FC Barcelona: Valdés - Zambrotta, Puyol, Milito, Abidal - Xavi, Touré (74. Márquez), Iniesta - Eto'o (82. Giovani), Bojan Krkic (86. Sylvinho), Henry
Schiedsrichter: Vassaras (Griechenland)
Zuschauer: 53.951 (ausverkauft)
Tor: 0:1 Bojan Krkic (12.)
Gelbe Karten: Krstajic, Ernst, Larsen, Pander / Puyol, Márquez, Giovani, Milito Beste Spieler: Westermann, Pander / Xavi, Iniesta, Bojan Krkic

Quelle: FAZ.NET
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