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Champions League Vorboten der neuen Zeit

04.10.2007 ·  Die jüngsten Triumphe der Außenseiter sind im Sinne Michel Platinis, der mehr Meister aus mehr Ländern in der Champions League mitspielen lassen will. Ein Reformvorhaben für die Kleinen, das fürs große Ganze belebend wirken könnte.

Von Roland Zorn
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Auch für Fußball-Klassiker gibt es ein Revival – man muss nur lange genug warten können. Der 1971 am Mönchengladbacher Bökelberg von einem Büchsenwurf angeblich schwer getroffene Italiener Roberto Boninsegna hat 36 Jahre später einen – wenn auch im Vergleich zum Original nur dilettierenden – Nachfolger gefunden: Dida, den brasilianischen Torhüter des AC Mailand legte es nach dem Schulterwischer eines fehlgeleiteten Fans von Celtic Glasgow genauso nieder wie einst den Stürmerstar des Lokalrivalen Inter.

Auf ein Déjà vu, also ein billig erworbenes Wiederholungsspiel jedoch, darf und will das große Milan nach der 1:2-Niederlage beim schottischen Meister anders als Inter damals nicht spekulieren. Seinerzeit, beim später annullierten 7:1-Triumph von Günter Netzers Borussia, war das Fernsehen ausgeblendet; diesmal war Didas Schmierenkomödie zwischen Rachegelüsten, also der Versuchung zur Täterschaft, und plötzlichem Umfaller, also der Kehrtwende zum bös getroffenen Opfer, bestens ausgeleuchtet. Für einen Fußball-Oscar wird der spontane Rollentausch nicht reichen. (Siehe: Champions League: Daneben gegriffen und simuliert).

Frische Sieger tun gut

Der Zwischenfall zum Ende eines Champions-League-Gruppenspiels, das der Titelverteidiger überraschend verlor, illustrierte am zweiten Spieltag der „Königsklasse“ den kurzfristigen Realitätsverlust mancher Meister und Möchtegern-Champions.

So sah Olympique Lyon beim 0:3 gegen die bisher auf der europäischen Großbühne zum Statistenchor gezählten Glasgow Rangers kein Land, konnte der FC Liverpool das 0:1 daheim gegen die als kleine Größe falsch eingeschätzte Mannschaft von Olympique Marseille so wenig fassen wie Werder Bremen das 1:3 gegen den nach 31 vergeblichen Versuchen erstmals auswärts in der Champions League erfolgreichen griechischen Meister Olympiakos Piräus.

Ein Reformvorhaben für die Kleinen

Frische Sieger, die ihr Glück noch aus vollem Herzen genießen, tun der Champions League gut. Bekannt routinierte Gewinner auf hohem Niveau sieht man in der frühen Phase der Champions League eh oft genug. Die jüngsten Triumphe der Außenseiter sind auch Wasser auf die Mühlen von Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union. Platini will in Zukunft mehr Meister aus mehr europäischen Ländern in der Champions League mitspielen lassen.

Ein Reformvorhaben für die Kleinen, das fürs große Ganze belebend wirken könnte. Die Vorboten der neuen Zeit waren am Dienstag und Mittwoch unterwegs. Sie haben das europäische Fußball-Establishment ein wenig aufgemischt und damit dem unvoreingenommenen Publikum Spaß gemacht. Das Spektakel war kunterbunt – es konnte sogar einen Hauptdarsteller mit bescheidener Schauspielkunst verkraften.

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