13.09.2006 · „Ich wollte ein Zeichen setzen“, begründete Bayern-Trainer Magath seine Entscheidung, im ersten Spiel der Champions League gegen Spartak Moskau mit drei Stürmern aufzulaufen. Nach 45 torlosen Minuten fruchtete seine Maßnahme endlich. Die Münchner präsentierten sich wie ausgewechselt.
Von Elisabeth Schlammerl, MünchenEs gibt immer wieder reichlich Spekulationen, was manchmal in der Pause eines Fußballspiels hinter verschlossenen Türen so alles passiert. Vor allem dann, wenn Halbzeit eins so gar nichts mit Halbzeit zwei zu tun hat, wenn eine Mannschaft wie der FC Bayern München am Dienstag abend mit der Laufbereitschaft einer hundertjährigen Schildkröte in die Kabine verschwindet, eine Viertelstunde später beschwingt wieder herauskommt und fortan temperamentvoll über den Rasen tollt.
Natürlich lag nach dem 4:0 des deutschen Meisters im ersten Champions-League-Spiel der Saison gegen Spartak Moskau die Vermutung nahe, daß es um kurz nach halb zehn Uhr abends ziemlich laut geworden war in den Katakomben der Allianz Arena, fast so laut wie zuvor im Stadion, als die Zuschauer die Mannschaft mit gellenden Pfiffen bedacht hatten.
Drei Stürmer waren „ein Risiko“
Aber Felix Magath beteuerte, ganz ruhig geblieben zu sein, und tatsächlich kann man sich den Bayern-Trainer nur schwer als tobenden Wüterich vorstellen. Dabei ging es in diesem Spiel auch ein wenig um sein Image, das im Umfeld des Vereins trotz der beiden national sehr erfolgreichen Jahre zuletzt ein wenig gelitten hat. Magath hatte gegen Moskau das seltene Experiment gewagt und mit Lukas Podolski, Claudio Pizarro und Roque Santa Cruz drei Stürmer auf den Platz geschickt. „Ich wollte ein Zeichen setzen, daß es nach vorne gehen soll.“
Aber er wußte auch:. „Es war ein Risiko.“ Wäre es nicht gutgegangen, hätte die Mannschaft nicht nach 45 Minuten die Wende zum Guten geschafft, wäre Magath der große Verlierer gewesen - auch deshalb, weil er Roy Makaay auf die Bank gesetzt hatte. Der Holländer hat die meisten Tore für die Münchner in der Champions League erzielt, in 24 Spielen fünfzehn Mal getroffen, eine Quote, an die weder Santa Cruz noch Pizarro auch nur annähernd herankommen. „Aber er hat keine gute Phase im Moment“, sagt Magath, der die Strafversetzung vor allem als Motivationshilfe für Makaay zu verstehen scheint. „Ich hoffe, daß er den Rhythmus bald wieder findet, denn er ist ein Klassestürmer, den wir schon noch gut gebrauchen können in dieser Saison.“
Elf Manndecker in Hälfte eins
Magath fiel es am Ende nicht sehr schwer, gute Gründe für den verkorksten Beginn zu finden. Zum einen die Veränderungen in der Mannschaft, die ja nicht nur den Angriff betrafen, sondern auch das Mittelfeld mit Neuzugang Mark van Bommel - und zum anderen den stark defensiv orientierten Gegner. „Die standen in der ersten Halbzeit ja mit elf Mann in der eigenen Hälfte. Unglaublich“, fand auch Manager Uli Hoeneß. Aber daß die Bayern sich einem Abwehrbollwerk gegenübersahen, es mit einer Mannschaft zu tun hatten, deren Bestreben es in erster Linie ist, kein Tor zu kassieren, kam nicht zum ersten Mal vor und auch nicht, daß sie sich damit schwergetan haben.
„So eine Halbzeit kann uns immer wieder passieren, wenn der Gegner nicht mitspielen will“, weiß Magath. In zwei Wochen bei Inter Mailand müssen die Bayern eine derartige Defensivtaktik allerdings nicht befüchten, denn die Italiener werden sich nach ihrer Auftaktniederlage bei Sporting Lissabon (0:1) wohl nach vorne orientieren. „Die stehen als Favorit in der Gruppe gegen uns schon mächtig unter Druck“, sagt Magath.
Sicherheit nach dem ersten Tor
Natürlich zeugt die Spielweise der Russen auch von gehörigem Respekt dem deutschen Meister gegenüber, und sie zeigt, daß der Ruf der Bayern in weiten Teilen Europas offensichtlich besser ist, als die Ergebnisse der vergangenen vier Jahre vermuten lassen würden. Man habe gesehen, sagte Moskaus Trainer Wladimir Fedotow, „daß man nur mit Erfahrung in der Champions League bestehen kann. Die hat uns heute gefehlt.“ Die Bayern kennen sich aber als Dauergast in der europäischen Königsklasse nicht nur im internationalen Wettbewerb bestens aus, sondern vor allem auch mit derartigen Geduldsspielen. „Wir haben in der ersten Halbzeit häufig Probleme“, stellte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge fest. Das erste Tor hat für Magath deshalb „die Erlösung gebracht. Dann haben wir Sicherheit bekommen.“ Dem 1:0 von Pizarro folgte schnell der zweite Treffer von Santa Cruz und später noch die Tore von Schweinsteiger und Salihamidzic. „Da haben wir phasenweise phantastisch gespielt“, findet Magath.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |