18.03.2010 · Katalanen reisen ungern in die kastilische Hauptstadt Spaniens. Am 22. Mai könnte das anders sein: Der FC Barcelona träumt nach der leichten Achtelfinal-Übung gegen den VfB Stuttgart von einer Titelverteidigung im Stadion des Erzrivalen Real.
Von Peter Penders, BarcelonaDie Fans des FC Barcelona hatten ihren Spaß. „Si, Si, Si, nos vamos a Madrid“ - vermutlich gibt es keinen Anfeuerungsruf, den die Anhänger des katalanischen Vereins derzeit lieber und lauter in die weite Fußballwelt hinausrufen. Ob sie wirklich am 22. Mai zum Finale nach Madrid fahren, steht zwar noch nicht fest, aber dass der VfB Stuttgart sie nicht daran hindern würde, daran hatte es bei . Nachdem der spanische Erzrivale Real in dieser Achtelfinal-Runde in der Champions League schon ausgeschieden war, könnte den Katalanen ein besonderer Coup gelingen. Noch nie hat eine Mannschaft den Titel in der Champions League verteidigt, und der FC Barcelona täte nichts lieber, als ausgerechnet dort für eine Premiere zu sorgen, wo es Real besonders schmerzen würde - im Estadio Santiago Bernabeu inmitten der kastilischen Hauptstadt Spaniens.
„Bloß nicht gegen Barcelona, der Rest ist egal“, hatten die Spieler des FC Bayern zuletzt unisono gesagt, als es um einen möglichen Gegner im Viertelfinale ging, das am Freitag (12 Uhr/ live in Eurosport) ausgelost wird. Die Gründe für diese Abneigung kennen die Münchner nach ihrem 0:4-Desaster aus dem Vorjahr (siehe: 0:4 in Barcelona: Bayern demontiert - nach allen Regeln der Kunst) noch genau, und nun war der VfB Stuttgart nicht nur mit dem gleichen Ergebnis unter die Räder gekommen, selbst die Aussagen der Betroffenen waren danach fast deckungsgleich. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen“, „wir waren nicht aggressiv genug“, „wir hätten härter spielen müssen“, „wir hatten zuviel Respekt“ - all das hatte man auch vor einem Jahr von den Bayern gehört.
Selbst das Gerede vom Kindergarten-Fußball, diesmal ausgesprochen von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, war nicht neu - vor einem Jahr hatten Franz Beckenbauer und Bayerns Vorstandvorsitzender Karlheinz Rummenigge ähnlich getobt.
Es fehlt den deutschen Mannschaften an Klasse
Der Verdacht liegt nahe, dass es den deutschen Mannschaften gegen Barcelona gar nicht an der richtigen Einstellung mangelt, sondern an der Klasse, um gegen einen Gegner dieses Niveaus mithalten zu können. Sie konnten nicht in die Zweikämpfe kommen, weil der Ball immer schon weg war, vermutlich konnten sie nicht einmal foulen, weil der auch Gegner immer schon weg war.
Mit Messis Führungstreffer (13. Minute) hatte der FC Barcelona die Partie frühzeitig in die ihn richtigen Bahnen gelenkt, nach dem sehenswert herausgespielten 2:0 durch Pedro (22.) war die restliche Spielzeit nur noch ein einziges Schaulaufen, bei dem der Gegner fast immer mindestens einen Schritt zu spät kam. Abermals Messi (60.) und der gerade eingewechselte Krkic (89.), drückten die Überlegenheit auch im Ergebnis halbwegs richtig aus. Dass es nicht noch ärger kam, lag an Torwart Jens Lehmann, der nachher zwar wortlos im Bus verschwand, aber trotz vier Gegentreffern bester Stuttgarter gewesen war.
Gute Behandlung des Balles
Es war der eine Satz des Stuttgarter Trainers Christian Gross, der punktgenau erklärte, wie solche Ergebnisse zustande kommen: „Barcelona war individuell und kollektiv besser, gedanklich viel schneller.“ Einem Gegner beizukommen, der Ausnahmekönner wie Lionel Messi in seinen Reihen hat, ist schwierig genug, aber der Titelverteidiger spielte auch als Mannschaft auf einem viel höheren Niveau, als es die Stuttgarter selbst an ihren besten Tagen zeigen können. An solchen Abenden macht es nicht nur den vom Fußball ihres Teams verwöhnten Zuschauern in Barcelona besonderen Spaß, ihren Lieblingen zuzuschauen, was für eine einzigartige Atmosphäre im Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona, sorgte.
Auch Trainer Pep Guardiola war überaus angetan von dem, was seine Spieler da auf den Rasen gezaubert hatten. „Wir haben den Ball sehr gut behandelt“, sagte er - und kann man bildlicher ausdrücken, wie ästhetisch schön Fußball sein kann? Das Video dieser Partie können deutsche Mannschaften in die Wiedervorlagemappe zum Bayern-Mitschnitt des vergangenen Jahres legen, wenn Anschauungsunterricht zum Thema Spielkultur- und Organisation gefragt ist. „Die Qualität der einzelnen Spieler ist wichtig, aber noch wichtiger ist, dass sie sich auch im Kollektiv zeigt“, sagte Guardiola - ein Satz, der vor allem die Misere von Real Madrid beschreibt.
Gross hebt Messi auf eine Stufe mit Maradona
Gegen Stuttgart musste Zlatan Ibrahimovic zunächst zuschauen, dazu war Spielmacher Xavi wegen einer Zerrung ausgefallen, aber der FC Barcelona ist eben mehr als eine Ansammlung von guten Spielern - er hat eine Spielidee, die über allem steht.
Einer ragte trotzdem weit hinaus: Lionel Messi. „Er war der entscheidende Mann, und er ist deutlich die Nummer eins der Welt. Das ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass er erst 22 Jahre alt ist“, sagte Gross über den Argentinier, dessen beste Fußballjahre ja eigentlich noch vor ihm liegen müssten.
Schon jetzt aber stellt Gross ihn auf eine Ebene mit einem anderen argentinischen Superstar. „Die Vergleiche mit Maradona bestehen absolut zurecht“, sagte der Schweizer, wobei Messi bislang jedwede Exzentrik auf und neben dem Platz abgeht.
Kampf um Europapokalplatz
Vielleicht war es der Fluch der guten Tat aus dem Hinspiel, die dem VfB reichlich Sand in die Augen streute. „Da haben wir doch gesehen, dass wir mithalten konnten“, meinte Christian Träsch, was sicher ein Trugschluss war. Sie konnten daheim beim 1:1 mithalten, weil es Barcelona zuließ, nicht umgekehrt.
Für den VfB geht es nach der Lehrstunde nun darum, irgendwie noch einen Platz im internationalen Fußball zu ergattern, was bei sieben Punkten Rückstand auf Platz sechs in der Bundesliga nicht einfach wird. „Ich werde an die Ehre der Spieler appellieren“, sagte Gross. Auch das ist nicht neu nach Auftritten deutscher Mannschaften im Camp Nou.
Bei Licht betrachtet war es toll
Norbert Schiefer (nobbl63)
- 18.03.2010, 20:00 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |