Die Situation in der 26. Minute des Champions-League-Spiels zwischen Nordsjaelland und Donezk war eindeutig: Nach einer Spielunterbrechung gab es Schiedsrichterball. Donezk-Spielmacher Willian spielte den Ball hoch und weit in die gegnerische Hälfte, wo ihn der Torwart der Dänen aufnehmen sollte. So sehen es die Gepflogenheiten des Fairplay vor.
Doch Luiz Adriano sah das anders: Der Stürmer des ukrainischen Spitzenklubs rannte dem Ball von Willian hinterher, umkurvte den verdutzten Torwart Hansen und schob zum 1:1-Ausgleich ein. Ein Skandaltor. Die Dänen bedrängen den Torschützen, sie protestieren wild beim Schiedsrichter, dem allerdings gemäß den Regeln nichts anderes übrig bleibt, als das Tor anzuerkennen. Der Brasilianer hat schließlich nicht gegen Regeln verstoßen, sondern allein den Fairplay-Gedanken mit Füßen getreten.
So sah es offenkundig auch sein Trainer Mircea Lucescu. Dessen Anweisungen am Spielfeldrand konnte man in den Fernsehbilden nur so interpretieren, dass er seine Mannschaft aufforderte, Nordsjaelland ohne Gegenwehr abermals die Führung erzielen zu lassen.
Luiz Adriano feuert seine Verteidiger an
Der Großteil seiner Mannschaft folgte dieser Vorgabe freilich nicht. Während einige Spieler Nordsjaellands Kapitän Stokholm vom Anstoßpunkt weg widerstandslos in Richtung des eigenen Tores dribbeln ließen, verteidigten andere Spieler ernsthaft und trennten ihn vom Ball. Dabei wurden sie zu allem Überfluss an Unsportlichkeit von Luiz Adriano auch noch lautstark angefeuert, nachdem der Brasilianer zuvor noch das Unschuldslamm gemimt und gegenüber den protestierenden Dänen Ahnungslosigkeit vorgetäuscht hatte.
Nordsjaelland ging zwar weitere zwei Minuten später doch noch einmal durch Lorentzen in Führung, letztlich gewann Donezk das Spiel allerdings mit 5:2. Der Skandaltorschütze Adriano erzielte dabei als „Lohn“ für seine Missetat zwei weitere Treffer. Die Ungerechtigkeit hat also gewonnen am Dienstagabend, zumal Donezk sich auch auf Kosten von Titelverteidiger Chelsea bereits vorzeitig dank der Tabellenkonstellation die Qualifikation fürs Achtelfinale gesichert hat.
Ajax und Wenger waren fairer
In der jüngeren Fußballgeschichte gibt es zwei prominente Beispiele dafür, wie Mannschaften mit einem Treffer wie von Adriano umgegangen sind. Ajax Amsterdam ließ vor einigen Jahren einmal nach einem versehentlich im Tor gelandeten Fairplay-Pass zum gegnerischen Torhüter den Pokalgegner Cambuur Leeuwarden ohne Gegenwehr einen Treffer erzielen.
In England setzte Arsenal-Coach Arsene Wenger gar einmal die Wiederholung eines gewonnenen Ligapokalspiels gegen Sheffield United durch, weil sein niederländischer Stürmer Marc Overmars den Siegtreffer ohne Gegenwehr erzielt hatte. Die United-Spieler hatten nach einer Verletzungsunterbrechung erwartet, dass Arsenal den Ball per Einwurf zu ihnen zurückwürfe. Wie nun Luiz Adriano hatte damals Marc Overmars das Erstaunen der Gegenspieler schamlos ausgenutzt. Damals ging es freilich jeweils nicht um so viele Millionen Euro wie nun im Fall der Achtelfinal-Teilnahme von Donezk. In beiden Fällen ging es freilich um Fragen des sportlichen Anstands. Und der hat am Dienstag eine bittere Niederlage hinnehmen müssen.
Schiedsrichter: Gautier (Frankreich)
Zuschauer: 17 054
Tore: 1:0 Nordstrand (24.), 1:1 Luiz Adriano (26.), 2:1 Lorentzen (29.), 2:2 Willian (44.), 2:3 Willian (50.), 2:4 Luiz Adriano (53.), 2:5 Luiz Adriano (81.)
Gelbe Karten: Adu, Parkhurst / Kutscher, Luiz Adriano
Schiedsrichterball
Georg Richter (G_Richter)
- 22.11.2012, 09:40 Uhr
Kollektiver Tiefschlaf
H. Kohler (Camaron)
- 21.11.2012, 20:50 Uhr
@ Nikolaus: Sie und Adriano
Friedrich Zenteisch (EinHyperboreer)
- 21.11.2012, 20:02 Uhr
Ein Skandaltor? Nein Das war Helmers Phantomtor 1994
nikolaus neugrodda (eifelstar)
- 21.11.2012, 15:50 Uhr
Das habe ich selbst mal erlebt.
Richard Schessner (schessman)
- 21.11.2012, 11:54 Uhr