16.03.2011 · Die Senderechte der Champions League stehen zum Verkauf: Sat.1 und das ZDF wollen bieten. Doch die Mainzer müssten wohl rechtlich tricksen, um zum Zug zu kommen, denn der Rundfunkstaatsvertrag hat seine Tücken. Die Sache wird jedenfalls teuer.
Von Michael HanfeldHeute Abend rollt bei Sat.1 wieder der Ball. Nicht nur der im Senderlogo, sondern der aus Leder bei der Champions League. Real Madrid gegen Lyon – die Partie garantiert dem Sender beste Einschaltquoten. Doch wie für so manchen Trainer in der Bundesliga sind für Sat.1 die Tage des sicheren Ballbesitzes gezählt: Die Fernsehrechte an der Champions League für die Jahre 2012 bis 2015 sind ausgeschrieben, am 22. März endet die Frist, zu der Interessierte ihre Gebote einreichen können. Danach entscheidet sich, ob Sat.1 am Ball bleibt oder – das ZDF die Partie zu seinen Gunsten entscheidet. Die Sender haben beim europäischen Fußballverband Uefa in den vergangenen Tagen vorgesungen.
Wie immer beim Fußball geht es um Geld, viel Geld. Mindestens fünfundvierzig, wenn nicht fünfzig Millionen Euro pro Jahr, so wird in der Branche geschätzt, muss ein frei empfangbarer Sender mitbringen, um die Uefa und deren Vermarktungsagentur „Team“ zu überzeugen, fürs Bezahlfernsehen fällt das Doppelte an. Das sind Summen, die ein Privatsender nicht so schnell mit Werbung refinanziert, und das ist eine Summe, für die ein öffentlich-rechtlicher Sender andere Sportrechte fahrenlassen muss.
Die Vertreter der „kleineren“ Sportarten können ein Lied davon singen, im Augenblick liegt der Deutsche Leichathletik-Verband mit ARD und ZDF im Clinch, weil die Sender nach Ansicht der Verbandsleute nur „Peanuts“ für die Übertragung der nächsten beiden Leichtathletik-Weltmeisterschaften aufbringen wollen. Statt geforderter zwölf oder zehn Millionen Euro sollen sie nur deren sechs übrig haben. Und für die nächsten beiden Runden der Olympischen Spiele wollen ARD und ZDF auch nicht die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geforderten 180 Millionen Euro, sondern „nur“ hundert Millionen Euro bezahlen. Beim Boxen sieht das ganz anders aus: In diesen Sport investiert die ARD in den nächsten Jahren satte 54 Millionen Euro.
Sämtliche Rechte sind auf dem Markt
Was den Fußball anbelangt, gilt im deutschen Fernsehen bislang eine Raumaufteilung: Die ARD hat die Erstrechte an der Bundesliga, ARD und ZDF haben gemeinsam den DFB-Pokal, die Spiele der Nationalmannschaft sowie die Europa- und Weltmeisterschaften, RTL ist bei der WM mit ein paar Spielen am Rande dabei, Sat.1 konzentriert sich auf die Champions und die Europa League, im Abofernsehen zieht Sky die Rechte an sich, die Telekom mischt im Abofernsehen und im Internet mit. Das ist der Status quo, doch bei diesem muss es nicht bleiben im Superfußballrechtejahr 2011: Sämtliche Übertragungsrechte sind auf dem Markt, mit der Champions League geht es los.
Und bei dieser läuft es auf den Zweikampf zwischen Pro Sieben Sat.1 und dem ZDF hinaus. „Sat.1 ist der ChampionsLeague-Sender in Deutschland. Natürlich interessieren wir uns also für die Rechte ab 2012 – aber nicht zu jedem Preis. Wir hoffen jetzt auf einen fairen Bieter-Wettbewerb“, sagt der Pro-Sieben-Sat.1-Sprecher Julian Geist. Sat.1 ist mit der Champions League in der Tat gut gefahren, mit der Europa League weniger. Interesse hat die Gruppe auch an der Bundesliga, der Chef der deutschen Sender, Andreas Bartl, sagte kürzlich, die Bundesliga sei bei Sat.1 vorstellbar. Auch dem DFB-Pokal gegenüber dürfte der Sender nicht abgeneigt sein.
Das ZDF wiederum, das vom Fußball im Vergleich vor allem zur ARD recht wenig hat, scheint gewillt, groß einzusteigen. Die Champions League, sagt der ZDF-Sprecher Walter Kehr, sei „ein interessantes Produkt, sie könnte unser Fußballangebot sicher sinnvoll ergänzen. Wir prüfen aktuell eine Beteiligung an der Ausschreibung.“ Nur muss der Sender dafür eine rechtliche Hürde überwinden und – den Gegner wohl deutlich überbieten. Das lässt sich mit Gebührengeld – Stichwort „fairer Wettbewerb“ – leicht bewerkstelligen, hat aber in diesem Fall auch einen besonderen Grund: Von 2013 an gilt der 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag. Und der sieht nicht nur die neue Totalgebühr vor, den „Rundfunkbeitrag“, der pro Haushalt und Betriebsstätte erhoben wird. Er hält ebenfalls ein – eingeschränktes – Sponsoringverbot für ARD und ZDF fest.
Die Sponsoren der UEFA als rechtliches Problem
Bislang verfahren die Sender mit dem Sponsoring lax, wie jedem Zuschauer auffallen kann – im Abendprogramm der öffentlich-Rechtlichen wird gesponsert, was das Zeug hält, für die Zuseher ist das von Werbung nicht zu unterscheiden. Damit soll von 2013 an Schluss sein, außer bei der Übertragung mancher Großereignisse, die zwingend Sponsoring mit sich bringen – beim Fußball sind das die Spiele der Nationalmannschaft, die EM und die WM, sie werden im 4. Rundfunkänderungsstaatsvertrag eigens genannt. Aber gilt das für die Champions League? Wohl kaum.
Diese hat aber ihre eigenen, festen Sponsoren, welche den Sendern aufgedrückt werden. Wenn bei Sat.1 der Hinweis erfolgt, die Champions League werde präsentiert von Mastercard, Unicredit, Ford und anderen, ist das keine Werbung, die der Sender einstellt und daran verdient, sie stammt direkt von der Uefa und muss mitgesendet werden.
Das aber dürfte dem ZDF dem neuen Rundfunkstaatsvertrag zufolge nicht erlaubt sein. Was macht man also? Genau: Man kauft sich von den Sponsorhinweisen frei. Dafür würden, meinen Insider, pro Saison noch mal fünfzehn Millionen Euro zusätzlich fällig, das macht sechzig Millionen Euro pro Jahr, 180 Millionen Euro insgesamt – bei dem Gebot sähe die private Konkurrenz alt aus.
Das Gesamtvolumen liegt bei einer Milliarde Euro
Ob der Deal dem ZDF möglich wäre oder ob er den Gedanken des Sponsoringsverbots in unzulässiger Weise aushebelte, ist umstritten. Denn der Rundfunkstaatsvertrag hält auch fest, dass auf Sponsoren – so sie in den genannten Ausnahmefällen erlaubt sind – aus Gründen der Transparenz hinzuweisen ist. Man könnte aber auch argumentieren, mit dem zusätzlichen Gebühreneinsatz werde der Kommerzialisierung des Sports eine Grenze gesetzt.
Die Frage ist, ob das bei einer Kommerzveranstaltung wie dem internationalen Vereinsfußball sinnvoll und gebührenwirtschaftlich vertretbar ist. Ist die Champions League, ist Boxen, wäre die Formel 1 (die RTL im Programm hat) „Grundversorgung“, mit der sich alles rechtfertigen lässt? Bei ARD und ZDF und in einigen Staatskanzleien wird man so denken. Und die Gebührenzahler haben keine Stimme. Den Fußballverbänden ist es einerlei: Ihr Spiel gewinnt, wer am meisten zahlt.
Das Gesamtvolumen der in diesem Jahr in Deutschland zum Verkauf stehenden Sportrechte wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt, der Sportetat der Öffentlich-Rechtlichen auf rund achthundert Millionen Euro, für die Bundesliga, die im Herbst neu ausgeschrieben wird, zahlen alle beteiligten Sender im Augenblick 412 Millionen Euro. Für den ZDF-Intendanten Markus Schächter, der im nächsten Jahr aufhört, wäre der Deal über die Champions und vielleicht auch die Europa League ein schönes, wenn auch teures Abschiedsgeschenk.
Nein
Gregor Keuschnig (GregorKeuschnig)
- 16.03.2011, 13:06 Uhr
Champions League - Pay-TV
Alex Dell (dellax)
- 16.03.2011, 13:37 Uhr
Wenn schon, denn schon!
Anna Schuster (Anna_Schuster)
- 16.03.2011, 14:19 Uhr
ChampionsLeague ist keine Grundversorgung!
Claus Behrens (chipin)
- 16.03.2011, 14:26 Uhr
Sat1 ist Grundversorgung
markus wagner (mrttt)
- 16.03.2011, 14:53 Uhr