15.08.2007 · Warum es Torwart Georg Koch zum kroatischen Meister Dinamo Zagreb verschlagen hat, verrät er im FAZ.NET-Interview: „Hier riecht es noch nach Fußball.“ Mit allen Konsequenzen: „Schweiß, Rauch, Urin von Generationen. Das ist halt auch was Feines.“
Der ehemalige Bundesliga-Torwart Georg Koch tritt mit dem kroatischen Fußball-Meister Dinamo Zagreb im Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League bei Werder Bremen (20.30 Uhr/live im ZDF) an. Warum es ihn nach Zagreb verschlagen hat und was ihm an Dinamo gefällt, erklärt er im Gespräch mit FAZ.NET.
Vom Bundesliga-Aufsteiger zum kroatischen Meister: Ist das ein Abstieg?
Nein. Mit Zagreb wollen wir in der Champions League überwintern oder zumindest im Uefa-Cup. Es war mein großes Ziel, international zu spielen. Gegen Bremen stehen wir vor der Haustür, wir müssen sie nur noch aufstoßen.
Was hat Sie nach Zagreb verschlagen?
Ausschlaggebend war Dinamos Sportdirektor Zoran Mamic, der früher in Leverkusen und Bochum gespielt hat. Er hat mich angerufen und wollte unbedingt einen haben, der dieser jungen Truppe von der deutschen Mentalität und Disziplin so ein bisschen was mitgibt.
Aber gutes Geld lässt sich in Kroatien inzwischen auch verdienen?
Ich weiß nicht, was Sie meinen mit inzwischen. Ich glaube, man verdient sein Geld hier genauso wie in Deutschland auch. Bei uns wird mehr trainiert und intensiver als in Deutschland. Das ist hier kein Zuckerschlecken.
Bedeutet der Wechsel nach Kroatien nicht einen Kulturschock für einen altgedienten Bundesligaprofi?
Nein. Die Stadien sind zwar alle etwas älter hier, vielfach so eine Art St.-Pauli-Verschnitt, aber das hat was.
Inwiefern?
Ich habe immer gern auf St. Pauli gespielt. Da riecht man noch den Dreck, das Gras und den Schweiß, das hat noch was mit Fußball zu tun. Nicht so wie in den modernen Stadien, wo man kaum raus ist aus der Kabine, und schon kommt eine Kolonne mit dem Wischmopp und putzt alles wieder auf Hochglanz. Auch hier bei uns riecht es noch nach Fußball. Wenn man im Stadion auf die Toilette geht, riecht man den Schweiß, den Rauch, den Urin von Generationen. Das ist halt auch was Feines.
Sie mögen die modernen deutschen Stadien nicht?
Es ist ja schön, wenn man in diese Arenen reinkommt, ob in Schalke, Hamburg oder Frankfurt. Aber ich vermisse ein bisschen dieses Ursprüngliche, wo man auch mal den Bierbecher wegschmeißen kann oder die Bratwurst, die nicht mehr schmeckt, vor lauter Ärger. Und überall muss man sitzen. Die Hooligans sind heute teilweise Bankangestellte, aber der einfache Fan von der Straße, der sein letztes Geld für ein Trikot oder eine Eintrittskarte zusammenkratzt, der riecht eben nach Schweiß.
Aber die Menschen nehmen den Komfort an, wie die Besucherzahlen in der Bundesliga zeigen.
Ja, das ist natürlich alles Geschmacksache. Klar ist auch, dass diese modernen Stadien dazugehören, für Merchandising und was da alles dranhängt, keine Frage. Ich mache eben gern Urlaub auf dem Bauernhof, andere gehen lieber ins Ritz-Carlton und lassen sich von oben bis unten bedienen. Das ist im Fußball inzwischen genau das Gleiche.
Auch in Duisburg bei Ihrem vorherigen Verein gibt es ein neues Flair. Verfolgen Sie die Entwicklung des MSV noch?
Klar interessiert mich das. Ich habe drei Jahre dort gespielt und eine Riesenaufbauarbeit mitgeleistet. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Jungs in Dortmund gewonnen haben, das kam ja sehr überraschend. Ich hoffe nur, die Leute, die dort das Sagen haben, wissen, dass es nur ein kleiner Schritt war. Sie haben ja gesagt, dass sie die dritte Kraft werden wollen im Westen und in ein paar Jahren international spielen wollen. Ich denke, da sollte man erst mal vorsichtig sein.
Waren Sie denn vorsichtig genug in Duisburg? MSV-Präsident Walter Hellmich sagt, Sie könnten sich nicht benehmen.
Das Kapitel Duisburg ist für mich erledigt. Der Verein hat gesehen, dass er den Vertrag auflösen musste und mit seiner fristlosen Kündigung nicht durchkam. Ich rede nur noch über Zagreb, nicht mehr über Duisburg. Ich habe eine neue Herausforderung gefunden und will jetzt versuchen, in die Champions League reinzukommen. Ich hoffe, dass ich so was zum Ende meiner Karriere noch mal erleben darf.
Wie lebt es sich, wenn man kein hofierter Bundesligastar mehr ist?
Ich bin ein Junge aus dem Leben, ich mache mir nicht so viel aus dem Status Fußballprofi wie andere, die zum Beispiel sagen, ich brauche so und so viel Rabatt, damit ich einen Fernseher kaufe.
Sind Sie durch das Fernsehen auch über die Schwierigkeiten bei Werder Bremen informiert?
Wir wohnen hier ja nicht hinter dem Mond. Wir haben uns das Spiel Bochum gegen Bremen komplett angucken können. Ich glaube, wir sind sehr schlau hier, und deshalb wissen wir, dass Werder eine gute Mannschaft hat. Das Spiel in Bochum sollte man nicht als Maßstab nehmen.
Aber es ist schon günstig, dass bei Bremen ein paar Leute ausfallen?
Natürlich kommt es uns gerade recht, dass Frings, Borowski und einige andere Spieler fehlen. Darin liegt unsere Chance. Aber Sanogo hat einen guten Lauf, und Diego müssen wir auch erst mal ausschalten. Insgesamt hat Bremen mehr Klasse und mehr Erfahrung als wir und ist Favorit. Wir haben nicht alle Tage solche Spiele. Werder dagegen hat Europapokalgeschichte geschrieben.
Das klingt, als hätten Sie nicht sehr viel Hoffnung.
Doch. Wir haben ja auch gesehen: Bremen hat in Bochum 2:0 geführt und noch 2:2 gespielt. Das wäre ihnen in Topform nicht passiert.
Und Zagreb ist stärker als Bochum?
Ich denke schon. Viele unterschätzen den Fußball, der hier gespielt wird. Aber da täuscht man sich. Wir haben überragende Trainingsbedingungen und eine professionelle Vereinsführung. Die Nationalmannschaft spaziert durch die EM-Qualifikation, und Dinamo könnte in der Bundesliga unter den ersten acht mitspielen. Der Nachteil hier ist: Wir haben nicht jedes Wochenende diesen Wettbewerb wie in der Bundesliga, wo man sich jedes Mal voll reinhängen muss, weil fast jeder jeden schlagen kann.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |