Home
http://www.faz.net/-gtm-vdye
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Champions-League-Qualifikation Es hakt überall: Der geschwächte Werder-Jahrgang '07

16.08.2007 ·  Am Ende waren sie froh, wenigstens mit 2:1 gegen Zagreb gewonnen zu haben. Die Probleme bei Werder Bremen jedoch waren unübersehbar. Trainer und Manager bleiben vor dem Spiel gegen den FC Bayern dennoch gelassen.

Von Frank Heike, Bremen
Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (0)

Thomas Schaaf hatte fast die ganze erste Halbzeit stehend betrachtet, und schon nach 15 Minuten war ihm klar: Es musste etwas passieren. Werder spielte einen schlimmen Rumpelfußball. Fehlerketten zogen sich durch das Bremer Spiel, im Mittelfeld, der Heimat gepflegten Kombinierens, wurde gerackert und gestümpert, und eine unglaubliche Nervosität war bis in die letzten Reihen der Arena zu spüren.

Das 1:0 zur Pause für Dinamo Zagreb durch den Treffer von Balaban in der 45. Minute drückte die Überlegenheit des kroatischen Meisters unzureichend aus - hätten Balaban und der starke Spielmacher Modric ihre großen Chancen verwertet, wäre Werder schon zur Pause so gut wie ausgeschieden gewesen.

„Können im Moment keinen Zauberfußball anbieten“

Schaaf reagierte. Er tauschte den schwachen Dänen Andreasen und den hilflosen Jungstürmer Schindler aus und brachte Jensen und Almeida. Das waren die entscheidenden Griffe an diesem ungewöhnlichen Europapokal-Abend vor 26 000 Zuschauern: Almeida traf gleich nach dem Wechsel zum Ausgleich, Jensen in der 85. Minute mit einem wuchtigen Weitschuss zum glücklichen Sieg. Das 2:1 lässt Werder Bremen alle Möglichkeiten, sich zum vierten Mal hintereinander für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren und etwa 15 Millionen Euro einzunehmen.

Doch wie ächzend und knirschend dieser Sieg zustande gekommen war, bemüßigte den ernst dreinschauenden Schaaf später zu einer Art Entschuldigung: „Wir können im Moment keinen Zauberfußball anbieten. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Spiel noch gebogen und uns einen kleinen Vorteil verschafft haben.“ Dass es tatsächlich nicht mehr als eine passable Ausgangslage für das Rückspiel in zwei Wochen sein dürfte, unterstrichen die selbstbewussten Aussagen der Kroaten. Sie hatten Respekt vor den Bremern, der sich im Laufe des Spiels aber mehr und mehr pulverisierte und am Ende von Enttäuschung abgelöst wurde, diese zittrige deutsche Mannschaft nicht besiegt zu haben.

„Wir spielen ja nicht zum ersten Mal auswärts“

„Zagreb wird in die Champions League einziehen, weil ich Werder heute gesehen habe und nicht glauben kann, dass man in nur zwei Wochen so viel ändern kann“, sagte Torwart Georg Koch. Genau wie Trainer Branko Ivankovic hofft Koch auf die fanatische Unterstützung der kroatischen Anhänger im Stadion Maksimir - einen Vorgeschmack gab es am Mittwochabend, als die 2000 mitgereisten Fans der Kroaten zwei Stunden nonstop sangen. „Werder erwartet die Hölle“, sagte Ivankovic.

Der mögliche Druck von den Rängen interessierte die Bremer nicht sonderlich, sie hatten genug mit sich selbst und ihrer von Verletzungen geplagten Mannschaft zu tun. „Wir spielen ja nicht zum ersten Mal auswärts“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs. Die Bremer Entwicklungsmöglichkeiten sieht er naturgemäß ganz anders als Georg Koch. Allofs sagte: „Wir werden in 14 Tagen eine andere Mannschaft sehen. Wir suchen ja noch nach der richtigen Besetzung. Dieses Spiel kam einfach zu früh.“

Formschwäche, Verletzungen, ungewisse Aussichten

Ohne die verletzten Frings, Borowski, Fritz und Womé war vor allem das Bremer Defensivgerüst wacklig, im Mittelfeld weiß Carlos Alberto noch gar nicht, wie er spielen soll, und vorn stand Schindler dem Sturmkollegen Sanogo meistens im Weg. Allofs versprach Besserung: „Einige Verletzte kehren zurück, andere wie Naldo werden körperlich besser drauf sein.“

Angesichts der misslichen Umstände war man in Bremen doch eher froh und auch ganz zufrieden, dieses Spiel überhaupt gewonnen zu haben. Formschwäche, Verletzungen, ungewisse Aussichten und die Meinung vieler Beobachter, dies sei ein schwächerer Werder-Jahrgang als zuletzt - es hakt bei den Bremern, doch auch am Mittwoch wurde eine der großen Stärken dieses Vereins sichtbar: Schaaf und Allofs bleiben gelassen.

Allofs: „Es ist nicht plötzlich alles in Ordnung“

Dabei rückte einer spät in den Mittelpunkt, auf den man in Bremen zuletzt nicht gut zu sprechen war: Daniel Jensen. Der 28 Jahre alte Däne spielt seit 2004 bei Werder, konnte sich aber nie so richtig durchsetzen. Jensen war der Edel-Joker für das Mittelfeld. Seine Unzufriedenheit äußerte er in dänischen Zeitungen - er wolle weg. Unfug, sagte Jensen am Mittwoch nach seinem wichtigen Siegtreffer: „Ich bin da falsch zitiert worden. Ich habe nie gesagt, dass ich wegwill. Ich habe gefragt, ob ich hier eine Zukunft habe, und Klaus Allofs hat sich ganz klar positioniert. Ich werde jetzt alles dafür tun, Spielpraxis zu bekommen, und mich auf dem Platz zeigen.“

Nach überstandener Leistenverletzung gab der Däne dem Bremer Spiel nach der Pause zumindest etwas Schub. Aufgelöst haben sich die Unstimmigkeiten zwischen ihm und Allofs indes nicht: „Es ist nicht plötzlich alles in Ordnung, nur weil einer den Ball in den Winkel haut“, sagte Allofs und fügte grinsend an: „Es sei denn, er macht es am Samstag gegen die Bayern wieder.“

Werder Bremen - Dinamo Zagreb 2:1 (0:1)
Bremen: Wiese - Pasanen, Mertesacker, Naldo, Schulz - Baumann, Andreasen (46. Jensen) - Carlos Alberto (75. Harnik), Diego - Sanogo, Schindler (46. Hugo Almeida). - Trainer: Schaaf
Zagreb: Koch - Cale, Drpic, Schildenfeld, Pokrivac - Vukojevic, Etto, Modric, Sammir (89. Guela) - Balaban (81. Vrdoljak), Sokota (38. Mandzukic). - Trainer: Ivankovic
Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco (Spanien)
Tore: 0:1 Balaban (45.+1), 1:1 Hugo Almeida (46.), 2:1 Jensen (85.)
Zuschauer: 26.136
Gelbe Karten: Naldo - Balaban, Cale, Pokrivac

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1