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Champions League Owen zerstört die Wolfsburger Träume

09.12.2009 ·  Wolfsburg muss nach der 1:3-Niederlage gegen Manchester United in der Europa League weiterspielen. Nach den drei Owen-Toren hofft der deutsche Meister vergeblich auf Schützenhilfe aus Istanbul.

Von Christian Kamp, Wolfsburg
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Dieser verpassten Chance dürfte man in Wolfsburg noch lange nachtrauern. Gegen Manchester United hatte der VfL am Dienstagabend alle Möglichkeiten, in seiner Premierensaison in der Champions League gleich einen Platz im Achtelfinale zu erobern. Doch nach der unglücklichen, wenngleich selbstverschuldeten 1:3-Niederlage geht es für den deutschen Meister im neuen Jahr international eine Nummer kleiner weiter: in der Europa League. Es ist allemal ein schwacher Trost angesichts der hervorragenden Ausgangsposition, die sich die Wolfsburger in der Vorrundengruppe B schon erarbeitet hatten.

Doch wie schon vor zwei Wochen beim 1:2 in Moskau fehlte den Niedersachsen auch gegen den englischen Meister in den entscheidenden Augenblicken der kühle Kopf, um auf diesem Niveau zu bestehen. „Ich habe keine Ahnung, woran es lag. Wir hatten wieder eine Chance und haben auch diese nicht genutzt. Das ist schade für alle hier“, sagte Wolfsburgs Torschütze Edin Dzeko.

Owen schießt Wolfsburg ab

Michael Owen erzielte alle drei Treffer für die Engländer (44., 83., 90.+1. Minute), Edin Dzeko gelang mit seinem vierten Treffer im Wettbewerb nur noch der zwischenzeitliche Ausgleich (56.) - zu wenig, um ZSKA Moskau, das in Istanbul mit 2:1 gewann, das zweite Achtelfinal-Ticket noch zu entreißen.

Bitter war das Aus in doppelter Hinsicht. Zum einen hatte United-Trainer Alex Ferguson angesichts der bereits vollbrachten Qualifikation für das Achtelfinale eine bessere Reserveelf aufgeboten - eine größere Chance, eine echte Marke auf der europäischen Fußballkarte zu setzen, wird sich dem VfL so schnell nicht wieder bieten. Zum anderen erspielte sich der VfL durchaus genügend Möglichkeiten, um als Sieger den Platz zu verlassen. Doch im Abschluss erreichte die Mannschaft von Trainer Armin Veh an diesem Abend einfach kein europäisches Spitzenformat. „Wir werden momentan schwer gebeutelt. Wir haben eine gute Leistung gezeigt, sind aber nicht belohnt worden“, sagte Wolfsburgs Trainer Armin Veh nach der bitteren Niederlage. „Die Mannschaft hat alles gegeben. Du kannst ihr keinen Vorwurf machen.“

Komplizierte Ausgangsposition

Für die Wolfsburger war vor dem Anpfiff klar: Nur ein Sieg würde den Einzug ins Achtelfinale garantieren. In allen anderen Fällen war man auf Unterstützung von Besiktas Istanbul im Spiel gegen Moskau angewiesen. Es war somit keine leichte Aufgabe für Veh und seine Mannen. Ein gewisses Maß an Risiko und Offensivgeist musste sein, um auf einen vollen Erfolg hoffen zu dürfen. Zugleich war jedem in Wolfsburg klar, dass die Engländer selbst über stürmendes Personal verfügen, das jederzeit für einen Treffer gut ist - auch wenn Alex Ferguson unter anderem seinen Stars Wayne Rooney und Ryan Giggs sowie Dimitar Berbatow eine Ruhepause zugestand. „Leidenschaft und Disziplin“ - das, so Armin Veh, sollte die Mischung sein, mit der die europäische Reifeprüfung bestanden werden sollte. Weil Grafite nach abgelaufener Rot-Sperre in der Champions Legaue wieder zur Verfügung stand, konnte der Trainer die gleiche Elf beginnen lassen wie beim 2:2 gegen Freiburg in der Bundesliga.

Und es war ein ausgesprochen schneidiger Auftakt der Wolfsburger. Zweimal sorgte Grafite in den Anfangsminuten für Unruhe vor dem Tor der Engländer. Etwas später war Makoto Hasebe der Störenfried im United-Strafraum. Verteidiger Michael Carrick holte ihn recht humorlos von den Beinen, der Elfmeterpfiff vom holländischen Schiedsrichter Kuipers aber blieb aus (13.). Mit so viel Raum zur eigenen Entfaltung hätten die Wolfsburger wohl nicht gerechnet. Die Engländer, denen auch in der Defensive namhafte Kräfte fehlten (O'Shea, Ferdinand, Neville, Brown), waren entweder nicht gut aufeinander abgestimmt oder einfach nicht ganz bei der Sache. Jedenfalls gaben sie sich in der Abwehr keine große Mühe, allzu nah am Mann zu stehen. Allein, was der VfL daraus machte, war für die Ansprüche in der Königsklasse zu wenig. Sowohl Andrea Barzagli (18.) als auch Zvjezdan Misimovic (22.) kamen völlig unbedrängt aus kurzer Distanz zum Kopfball, beide Male setzten sie zu hoch an.

Und immer wieder Owen

Die Strafe folgte kurz vor der Pause. Auf der linken Seite kam Nani ungestört zum Flanken, und vor dem Tor kümmerten sich Barzagli und Marcel Schäfer herzlich wenig um Owen. Der wiederum zeigte, wie man einen Kopfstoß richtig - und für die Wolfsburger äußerst schmerzhaft - setzt. Es war die erste echte Chance für United in diesem Spiel. Sollte es das für den VfL schon gewesen sein? Die Wolfsburger Fans wirkten jedenfalls nicht sonderlich zuversichtlich, als es in die Pause ging. Ihre Mannschaft aber wollte es noch einmal wissen. Entschlossen und zielstrebig ging der Bundesliga-Achte die zweiten 45 Minuten an - und wurde bald belohnt. Schäfer flankte präzise von links, und Dzeko köpfte den Ball wuchtig ins Tor.

Danach spielte fast nur noch Wolfsburg, große Möglichkeiten aber boten sich nicht mehr. Sieben Minuten vor Schluss erteilte Manchester den Deutschen eine weitere Lektion in Sachen Cleverness und Abgebrühtheit. Wieder war es die erste Chance in 45 Minuten, wieder traf Owen. „Er hat wieder bewiesen, wie er sich bewegt und die Chancen nutzt, dass er unvergleichlich ist“, lobte ManUnited-Coach Alex Ferguson. Als die englischen Fans schon Weihnachtslieder sangen, bescherte er United auch noch den dritten Treffer.

VfL Wolfsburg - Manchester United 1:3 (0:1)
VfL Wolfsburg: Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Barzagli, Schäfer - Josué - Hasebe (72. Ziani), Gentner - Misimovic - Grafite(72. Dejagah), Dzeko
Manchester United: Kuszczak - Fletcher, Carrick, Evra - Park,Scholes, Nani (74. Valencia) - Gibson, Anderson - Owen, Welbeck (74.Obertan)
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)
Zuschauer:
26 490 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Owen (44.), 1:1 Dzeko (56.), 1:2 Owen (83.), 1:3 Owen (90.+1)

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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