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Champions League Noch ein Rekord mit Ewigkeitswert

07.11.2007 ·  Vor zwei Jahren gewann der FC Liverpool nach 0:3-Rückstand noch das Finale. Diesen Dienstag schaffte es der Club von der Anfield Road als erstes Team, ein Champions-League-Spiel mit acht Toren Differenz zu gewinnen.

Von Christian Eichler
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Es gibt Trainer, die hüpfen jubelnd auf und ab, wenn ihr Team ein Tor erzielt hat. Und es gibt Trainer, die die halbe Minute, in der vorn der Torschütze gefeiert wird, dazu nutzen, ihrer Defensive praktische Hinweise zu geben. So tat es auch Rafael Benitez am Dienstagabend, als Peter Crouch eine Flanke von Yossi Benayoun per Kopf verwertet hatte und mit den Fans an der Anfield Road feierte. Benitez blieb auf der Bank sitzen und gab den Abwehrspielern Signale in seiner seltsamen Zeichensprache. Sie schienen so etwas zu sagen wie: beim Verschieben dichter aneinander bleiben. Es war gewiss noch viel zu verbessern. Es war das 8:0 in der 89. Minute.

Der englische Rekordmeister wartet in der vierten Saison mit dem spanischen Trainer immer noch auf den heimischen Hauptgewinn, den ersten Meistertitel seit 1990. Doch in Europa haben die „Reds“ mit „Rafa“ schon den zweiten Rekord mit der Chance auf Ewigkeitswert aufgestellt. Beide Rekorde sind mit dem Namen Istanbul verbunden. Vor zwei Jahren gelang es Liverpool in der türkischen Metropole, gegen den AC Mailand als erstes Team ein Europapokalfinale nach 0:3-Rückstand zu gewinnen. Und diesen Dienstag schaffte man es, erstmals ein Champions-League-Spiel mit acht Toren Vorsprung abzuschließen. Die alte Bestmarke stammte von Juventus Turin (7:0 gegen Piräus 1993) und war erst vor zwei Wochen vom FC Arsenal (7:0 gegen Slavia Prag) eingestellt worden.

Das Ende der Anfield Road

Drei Tore erzielte der Israeli Benayoun, je zweimal trafen Crouch und der Niederländer Ryan Babel, einen Treffer steuerte Steven Gerrard bei. Die Fans an der legendären Anfield Road – deren Ende am Tag des 8:0 besiegelt wurde, denn die Stadt stimmte einem 600 Millionen Euro teuren Neubau zu – waren aus dem Häuschen. Allerdings sähen sie es wohl lieber, wenn ihr Team die Tore ökonomischer verteilen könnte. In den ersten drei Champions-League-Partien hatte es nur zwei Tore und einen Punkt erzielt.

Benitez hofft nun, mit dem Kantersieg gegen Besiktas auch Wirkungstreffer gegen die beiden anderen Gegner erzielt zu haben. „Porto wird sich Sorgen machen“, glaubt Benitez im Hinblick auf das nächste Heimspiel. „Auch der Rest Europas wird mitkriegen, was wir hier gezeigt haben. Aber immer noch müssen wir die beiden letzten Spiele gewinnen, egal wie viele Tore wir diesmal geschossen haben.“

„Selbstloses Spiel“ von Woronin

Benitez braucht Siege gegen Porto und Marseille nicht nur, um als Finalist der Vorsaison nicht schon in der Vorrunde zu scheitern. Er braucht sie auch, um das wachsende Murren im Umfeld zu beruhigen. Zuletzt hat er sich sogar mit Kapitän Gerrard angelegt, als er ihn im Derby gegen Everton auswechselte. Begründung: Er habe in jenem Moment jemanden gebraucht, „der mit Hirn spielt und nicht nur mit Leidenschaft, und Steven hörte nicht mehr auf meine Anweisungen“.

Benitez’ zahlreiche Zukäufe und Aufstellungswechsel haben nicht geholfen, dem Team stabile Form zu geben. In der Premier League ist man zwar noch ungeschlagen, hat jedoch selten überzeugt und steht nur auf Rang sieben. Im Sommer kamen gleich 19 neue Spieler, am erfolgreichsten von ihnen ist bisher noch der Ukrainer Andrij Woronin, der ablösefrei aus Leverkusen kam und von Benitez für sein „selbstloses Spiel“ gegen Istanbul gelobt wurde.

„Das Leben geht weiter“

Benayoun, für rund sechs Millionen Euro geholt, und Babel, der 17 Millionen kostete, hatten bis zu ihren fünf Toren gegen Besiktas nicht überzeugen können. Der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, der für rund 38 Millionen erworbene Spanier Fernando Torres, hat es immer noch nicht.

Pech für Torres, dass er am Dienstag verletzt war. Es war ein Abend, um in Form zu kommen. Die Türken standen beim Torreigen so brav Spalier, dass Trainer Ertugrul Saglam, der tags darauf seinen Rücktritt anbot, erklärte, man könne sich „dafür nur entschuldigen“. Ansonsten weigerte er sich, Fragen zu beantworten, und zitierte lediglich einen Satz des serbo-hessischen Fußballphilosophen Dragoslav Stepanovic: „Das Leben geht weiter.“

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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