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Champions League Mourinhos Denkaufgabe für Chelsea

25.02.2010 ·  Wiedersehen macht nicht jedem Freude: Michael Ballack und Chelsea verlieren im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei José Mourinhos Inter Mailand. Der beeilte sich, den Spielern seines früheren Klubs noch etwas mehr an mentalem Reisegepäck mitzugeben.

Von Christian Eichler
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José Mourinho liebt so etwas: dem Gegner eine Denkaufgabe mitzugeben. Der Psycho-Maestro aus Portugal will nicht nur in den Strafraum des Gegners - er will auch in dessen Kopf. Nach dem 2:1 im Hinspiel der Champions League wusste der Inter-Trainer, dass sein altes, Team, der FC Chelsea, einiges an Frust und an Fragen zu verarbeiten hatte über ein Spiel, aus dem es mehr aus Mailand hätte mitnehmen müssen. Mourinho beeilte sich, ihnen noch etwas mehr an mentalem Reisegepäck mitzugeben.

Es war eine Botschaft fürs Rückspiel, von der man bei Chelsea aus drei glorreichen Jahren unter Mourinho nur zu gut weiß, dass sie stimmt. Er sprach den Satz, als handele es sich um einen allgemeingültigen Lehrsatz, von sich selber in der dritten Person: „An der Stamford Bridge hat Mourinho Glück.“ Er will seine „Gefühle kontrollieren“ im Rückspiel am 16. März.

Im Hinspiel gelang es ihm. Nach zahlreichen Verhaltensauffälligkeiten gegenüber Presse und Schiedsrichtern, die ihm Geldstrafen und eine Sperre für drei Spiele in der Serie A einbrachten, blieb Mourinho am Mittwoch abend betont unbewegt. Selbst der frühe Treffer seines argentinischen Torjägers Diego Milito entlockte ihm kaum eine Regung. Milito reichte ein kurzer Haken, um den behäbigen John Terry aussteigen zu lassen. Der Engländer, lange einer der besten Verteidiger der Welt, zeigt seit Bekanntwerden seiner Affäre mit der Lebensgefährtin des Nationalteam-Kollegen Wayne Bridge und dem Verlust der Kapitänsrolle in der Nationalelf ungewohnte Unkonzentriertheiten.

Aber auch bei Inter trug das muntere Privatleben eines Spielers zu einem Gegentor bei. Bei Chelseas verdientem Ausgleich durch einen eher zahmen Schuss von Salomon Kalou nach 51 Minuten sah Julio Cesar nicht gut aus - so wenig er schon bei Anpfiff gut ausgesehen hatte. Der Inter-Torwart trug in Folge eines Autounfalls, bei dem er am Montag seinen neuen Lamborghini gegen eine Wand gefahren hatte, zwei blutunterlaufene Augen und einige Schrammen mit sich herum und schien nicht immer auf der Höhe. Chelsea schien das Spiel nun im Griff zu haben. Doch nur fünf Minuten später gelang Inter das Siegtor durch einen wuchtigen Dropkick des starken Mittelfeld-Abräumers Esteban Cambiasso.

Ballack mit ordentlicher Partie

Wie konnte der englische Tabellenführer, der 18:8 Schüsse und 56 Prozent Ballbesitz verzeichnete, das Spiel verlieren? Frank Lampard wusste nur: „Wir hatten mehr verdient. Wir waren das bessere Team.“ Allerdings blieb der italienische Meister immer gefährlich, und Chelsea-Trainer Carlo Ancelotti fand, Inter sei „weniger vorhersehbar als vor einem Jahr“. Ancelotti haderte mit dem ausgebliebenen Pfiff Ende der ersten Halbzeit, als Walter Samuel den allein aufs Tor zulaufenden Kalou an der Ferse erwischte. „Es war ein Elfmeter“, räumte sogar der Übeltäter ein und ergänzte: „Ich mag den Schiedsrichter.“

Mourinho lobte „die große Leistung meiner Verteidiger“. Sie bestand darin, die Überlegenheit von Chelsea am Strafraum zu beenden. So endeten viele Angriffe der Engländer mit eher ungefährlichen Weitschüssen. Vor allem Lucio spielte überragend. Der Brasilianer, zu Beginn der Saison von Bayern-Trainer Louis van Gaal ausgemustert und bei Inter sofort zu einer Stütze geworden, löste die vielleicht undankbarste Abwehr-Aufgabe im europäischen Fußball mit Bravour - die, gegen Didier Drogba zu spielen. Lucio war dem kraftvollen Ivorer fast immer um einen Schritt voraus. Drogba brauchte einen Freistoß, um einmal unbedrängt zum Abschluss zu kommen. Sein wuchtiger Schuss in der 15. Minute knallte an die Latte.

Der andere Alt-Bayer, Michael Ballack, zeigte eine ordentliche Partie für Chelsea. Er kam auf zwei halbe Gelegenheiten: einen zu unplazierten Weitschuss und einen Nachschuss, den er nach einer Ecke in der Nachspielzeit nicht kontrollieren konnte. Nach einem hohen Fuß Thiago Mottas trug Ballack eine dicke Augenbraue davon. So verließ er am Ende das Feld als Abbild des FC Chelsea zur Halbzeit dieses tückischen Duells: aufrecht, aber gezeichnet.

Champions League, Achtelfinale, Hinspiel:
Inter Mailand - FC Chelsea 2:1 (1:0)
Zuschauer: 65.000
Tore: 1:0 Milito (3.), 1:1 Kalou (51.), 2:1 Cambiasso (55.)

ZSKA Moskau - FC Sevilla 1:1 (0:1)
Zuschauer: 15.000
Tore: 0:1 Negredo (25.), 1:1 Gonzalez (66.)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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