27.04.2006 · Für den AC Mailand war der Schuldige nach dem Ausscheiden in der Champions League beim FC Barcelona schnell gefunden. Den deutschen Schiedsrichter Markus Merk, der ein Milan-Tor nicht anerkannte, traf der Zorn. Barcelona freut sich dagegen auf ein Finale gegen Arsenal London.
Auf dem Rasen im Estadio Nou Camp feierten Ronaldinho und Co. mit Freudentänzen den größten internationalen Erfolg des FC Barcelona seit zwölf Jahren - in den Katakomben gifteten dagegen die Verantwortlichen des geschlagenen AC Mailand gegen den deutschen Schiedsrichter Markus Merk.
„Merk hat uns das Finale geklaut. Ein Experte wie er darf so einen Fehler nicht machen. Das Tor war gültig. Ich weiß nicht, was der Schiedsrichter gesehen hat“, echauffierte sich Milan-Coach Carlo Ancelotti nach dem torlosen Remis beim spanischen Meister, der damit am 17. Mai in Paris das Champions-League-Endspiel gegen den Lehmann-Klub Arsenal London bestreitet.
Fernsehbilder untermauern Kritik nicht
Die strittige Szene ereignete sich in der 67. Minute. Der deutsche WM-Referee verweigerte einem Kopfballtor des ukrainischen Stürmerstars Andrej Schewtschenko die Anerkennung und entschied statt dessen auf Freistoß für Barcelona. Die Fernsehbilder zeigten eine Berührung des Torjägers gegen Verteidiger Carles Puyol und konnten damit die harsche Kritik der Italiener keineswegs untermauern.
Champions League: Ronaldinho führt Barcelona ins Finale
In Italien wurde die Szene freilich anders gewertet. „Der Schiedsrichter drängt Milan aus der Champions League. Das Tor von Schewtschenko war regulär“, titelte die „Gazzetta dello Sport“ am Donnerstag und der „Corriere dello Sport“ schrieb: „Protest gegen Merk. Der Schiedsrichter streicht ein Tor, was regulär erscheint. Ein trauriges Ende für die letzte italienische Mannschaft in der Champions League.“
Milan als schlechter Verlierer
Einmal in Rage, legte Vizepräsident Adriano Galliani weiter nach: „Nicht nur das Tor war gültig, Merk hat auch noch das Spiel drei Minuten zu früh abgepfiffen.“ Der sechsmalige Gewinner der europäischen „Königsklasse“ erwies sich als schlechter Verlierer. Daß die Katalanen beim 1:0-Sieg im Hinspiel dies bessere Mannschaft und auch am Mittwoch abend mindestens gleichwertig waren, wollte auch Milan-Mittelfeldspieler Clarence Seedorf nicht wahrhaben: „Wir hatten die besseren Chancen. Unser Weiterkommen wäre verdient gewesen.“
So stand Merk wie schon vor vier Jahren unmittelbar vor der Fußball-WM bei einem brisanten Champions-League-Spiel ungewollt im Blickpunkt. Am 10. April 2002 hatte der Unparteiische aus Kaiserslautern die Viertelfinal-Partie zwischen Manchester United und Deportivo La Coruna (3:2) geleitet. Dabei hatte David Beckham nach einem rüden Foul von Aldo Duscher einen Mittelfußbruch erlitten. Merk zeigte damals zur Verärgerung der Briten dem La-Coruna-Verteidiger lediglich die Gelbe Karte.
Klinsmann: „Erste Güteklasse“
Den Großteil der Barca-Fans waren die Diskussionen über das vermeintliche Tor freilich egal. Überschwenglich wurde der erstmalige Final-Einzug seit 1994 gefeiert. „Ja, ja, ja, wir fahren nach Paris“, schrieb die Sporttageszeitung „AS“ und im Radiosender „Cadena Ser“ hieß es: „Nix Real, nix Bayern, nix Milan, nix Chelsea - Barca ist die Nummer eins in Europa.“
Soweit ist das Team von Frank Rijkaard, der 1989 und 1990 als Spieler den Landesmeister-Pokal mit Mailand geholt hatte, aber noch nicht. „Wir sind unserem großen Saisonziel ein Stück näher gekommen. Jetzt fehlt das i-Tüpfelchen“, sagte Ronaldinho, der sich nicht immer wie gewohnt in Szene setzen konnte. Und Ludovic Giuly, der im Hinspiel das „goldene Tor“ erzielt hatte, ergänzte: Wir haben bewiesen, daß wir eine große Mannschaft sind.“
Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte auf der Tribüne seine helle Freude an der Partie („War erste Güteklasse“) und blickte bereits nach Paris: „Barcelona gegen Arsenal ist allemal ein würdiges Finale. Beide Mannschaften haben es sich verdient. Das waren gerade über die beiden letzten Spiele hinweg die besten Mannschaften in diesem Wettbewerb. Wir würden es Jens Lehmann aber gönnen, daß er nach sieben Spielen in Folge ohne Gegentor noch das i-Tüpfelchen draufsetzt.“
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |