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Champions League Lustreise nach Lissabon - 5:0-Sieg bei Sporting!

26.02.2009 ·  Im Hinspiel des Achtelfinales der Champions League siegten die Münchner Bayern mit 5:0 bei Sporting Lissabon. Ribéry und Toni trafen doppelt, Klose einmal. „Das war schön anzuschauen“, freute sich Trainer Klinsmann. Und selbst Manager Hoeneß strahlte: „Heute hat einfach alles gepasst.“

Von Roland Zorn, Lissabon
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Der FC Bayern München hat sich fürs erste eindrucksvoll von seiner hausgemachten Krise befreit und die große Bühne Champions League zum Befreiungsschlag genutzt. Gleich mit 5:0 gewann der deutsche Fußballmeister sein Achtelfinalhinspiel bei Sporting Lissabon vor 35.000 Zuschauern im Estadio José Alvalade. Gegen einen allerdings schwachen Gegner schossen Ribéry (42./63. Minute per Foulelfmeter), Klose (57.) und Toni (84./90.) die Treffer zum überraschend deutlichen und nie gefährdeten Sieg.

Der Einzug in die Runde der letzten Acht ist damit so gut wie geschafft, das Rückspiel am 10. März in München vermutlich nur noch Formsache. (siehe auch: Champions League: Alle Achtelfinal-Hinspiele im Überblick). „Wir sind mit mindestens eineinhalb Beinen im Viertelfinale. Es war schön anzuschauen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir dieses Resultat heute nicht überbewerten“, sagte Trainer Klinsmann. Auch Uli Hoeneß war sichtlich erleichtert. „Als das 2:0 gefallen war, hat die Mannschaft wie aus einem Guss gespielt. Heute hat einfach alles gepasst. Bei 5:0 gehe ich für das Rückspiel davon aus, dass wir einen gemütlichen Abend haben werden“, meinte der Bayern-Manager.

Wieder einmal überzeugte bei den in der Bundesliga nach zuletzt drei Niederlagen gebeutelten Münchnern die linke Seite mit dem spielstarken Zé Roberto, dem unermüdlichen Kämpfer Lahm und dem Gelegenheitsmagier Ribéry. Der Rest agierte solide und kontrolliert an einem Mittwochabend, der auch der Restaurierung alter Qualitäten und der zuletzt verloren gegangenen Stabilität diente.

Champions League: FC Bayern glänzt beim 5:0-Sieg in Lissabon

In der Nahtstelle litt der FC Bayern an Gleichgewichtsstörungen

Die Rückkehr in die Champions League als erstbeste Möglichkeit zur Wiedergutmachung: Die Münchner Dienstreise in den portugiesischen Frühsommer barg Chance und Risiko zugleich. „Dieses Spiel“, hatte der wieder einmal umstrittene Trainer Jürgen Klinsmann vorher gesagt, „bietet die Möglichkeit, das vergessen zu machen, was vor einigen Tagen passiert ist. Ich bin guter Dinge, dass wir heute besser spielen.“ Tief saß der Stachel der blamablen 1:2-Heimniederlage im Bundesligaheimspiel gegen den 1. FC Köln (siehe auch: Bayern München: Jürgen Klinsmann und das verlorene Ziel).

„Die ganze Mannschaft“, hatte Kapitän Mark van Bommel versprochen, „ist gefragt, eine Reaktion zu zeigen.“ Die richtige, wohlgemerkt, und das konnte nur eine Vorstellung sein, in der sich Leidenschaft und Organisationskraft, Siegeswillen und taktisches Geschick, Cleverness und eine passende Balance zwischen Offensive und Defensive paaren würden. Genau da, an der Nahtstelle zwischen Angriff und Verteidigung, litt der FC Bayern bei seinen drei Liga-Niederlagen in der Rückrunde an Gleichgewichtsstörungen.

Klinsmann ließ wie so oft die Elf seines Vertrauens beginnen

Sie so schnell wie möglich los zu werden, war die Aufgabe, die Klinsmanns Mannschaft im Estadio José Alvalade als erstes lösen musste - gegen einen Widersacher, dem allseits gutes, aber kein europäisches Spitzenformat attestiert wird. Von vornherein froh konnte Klinsmann darüber sein, dass sein italienischer Stoßstürmer Luca Toni die Achillessehnenreizung, die ihn gegen Köln taten- und fassungslos zusehen ließ, leidlich auskuriert hatte. Auch Lucio, der knorrige brasilianische Innenverteidiger, war nach der von Klinsmann verordneten Pause am vergangenen Samstag gegen den Tabellendritten der portugiesischen Liga wieder dabei.

Klinsmann ließ also wie so oft die Elf seines Vertrauens beginnen - in der Hoffnung, dass sie an bessere Zeiten aus dem vergangenen Herbst anknüpfen werde. Das tat sie zwar zunächst nicht, doch ging es dem deutschen Fußballmeister in der ersten Hälfte ja vor allem darum, den eigenen Laden in Ordnung zu halten. Eine nicht allzu schwere Übung gegen eine mäßig inspirierte portugiesische Mannschaft, in der nur Kapitän Joao Moutinho hier und da ein kleines Glanzlicht setzte.

Ribéry überkommt die Lust auf ein bisschen Fußballzauberei

Dennoch hatten die Bayern einmal Glück, dass Philipp Lahm auf der Torlinie stand und dort einen Kopfball von Polga nach einem Eckball für Sporting abwehren konnte (12.). Offensivaktionen der Münchner waren nur sporadisch zu sehen, und sie waren auch meistens halbherzig vorgetragen. Das Spiel mutete zäh an und zog sich in die Länge wie so viele Champions-League-Hinspiele der K.o.-Runde. Schließlich aber hatte der bis dahin im unscheinbaren Kollektivbemühen mitwerkelnde Franck Ribéry doch noch seinen Soloauftritt.

Kurz vor der Pause überkam ihn plötzlich die Lust auf ein bisschen Fußballzauberei, und so schüttelte Ribéry bei seinem Sprint aufs Tor drei Verteidiger ab und schob danach Torhüter Tiago den Ball durch die Beine zur verblüffenden 1:0-Führung für die Münchner (42.). Die Party hatte ihren ersten Action-Helden. Dass er Ribéry hieß, war nicht so überraschend. Effektiv wie an ihren besseren Tagen blieben die Bayern auch nach dem Wechsel.

Die Champions League hilft manchmal Wunden zu heilen

Als Sporting gerade entschlossen schien, mehr Druck auf das Münchner Tor auszuüben, schlug das Team von Klinsmann kühl zurück. Oddo hatte geflankt, Toni bekam den Kopf an den Ball, und Klose war der Endabnehmer. Per Oberschenkel erzielte der deutsche Nationalspieler sein sechstes Champions-League-Tor in dieser Saison (57.). Klose führt damit die Schützenliste in dieser europäischen De-luxe-Konkurrenz an. Sechs Minuten später stießen die Münchner das Tor zum Viertelfinale sperrangelweit auf. Lahm war nach schönem Zusammenspiel mit Zé Roberto von Rochemback im Lissabonner Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht worden. Der anschließende Elfmeter war ein Fall für Ribéry (63.), der Tiago verlud und zum 3:0 traf.

Aus der Rehabilitierungstour nach Portugal war nun so etwas wie eine Lustreise geworden, die Tonis Kopfballtor zum 4:0 (84.) und sein Flachschuss zum 5:0 in der Schlussminute abrundeten. Die von daheim mitgebrachte Krise löste sich in der lauen Luft von Lissabon erst einmal auf. Dennoch warnte Klinsmann: „Der hohe Sieg hört sich super an, aber wir bleiben konzentriert. Wir wurden schon häufiger für unsere Sorglosigkeit bestraft. Wir werden das Spiel nicht überbewerten. Bei uns ist Bescheidenheit angesagt. Ich muss nur die Tabelle in der Kabine aufhängen, dann wissen alle, was los ist.“

Ernst wird es für den Meister erst wieder am Sonntag in Bremen. Nach dem 5:0 bei Sporting jedoch können die Münchner dem Duell mit dem selbst notleidenden alten Rivalen Werder wesentlich gelassener und vor allem selbstbewusster entgegensehen. Die Champions League hilft manchmal Wunden zu heilen - zumindest für ein paar Tage.

Sporting Lissabon - Bayern München 0:5 (0:1)
Lissabon:
Tiago - Abel (61. Pereirinha), Tonel, Anderson Polga, Marco Caneira - Rochemback - Ismailow (61. Vukcevic), Joao Moutinho - Romagnoli - Liedson, Derlei (72. Yannick Djalo). - Trainer: Paulo Bento
München: Rensing - Oddo (67. Lell), Lucio (78. van Buyten), Demichelis, Lahm - Schweinsteiger (71. Altintop), van Bommel, Ze Roberto, Ribery - Toni, Klose. - Trainer: Klinsmann
Schiedsrichter: Bertrand Layec (Frankreich)
Tore: 0:1 Ribery (42.), 0:2 Klose (57.), 0:3 Ribery (63., Foulelfmeter), 0:4 Toni (84.), 0:5 Toni (90.)
Zuschauer: 35.163
Gelbe Karten: Pereirinha, Tonel (2) - van Bommel (2)

Quelle: F.A.Z.
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