26.08.2010 · AS Rom, Inter Mailand und Olympique Lyon: So heißen die prominentesten Gegner für die drei deutschen Champions-League-Teilnehmer. Bayern und Schalke haben gute Chancen aufs Weiterkommen, Bremen trifft auf den Titelverteidiger.
Von Roland Zorn, Monte CarloEinmal ging ein Stöhnen durch den Festsaal des Forum Grimaldi in der luxuriösen Spielerstadt Monte Carlo: Als das Los bestimmte, dass sich der europäische Fußballadel, personifiziert in den Mannschaften von AC Mailand, Real Madrid und Ajax Amsterdam plus AJ Auxerre demnächst in der Gruppe G der Champions League aneinander zu messen hat.
Nicht nur die drei zusammen zwanzig Mal im europäischen Meister- und Königswettbewerb erfolgreichen Klubs haben ein schweres Paket zu schultern, auch Werder Bremen ging am Donnerstagabend aus der am heißesten ersehnten europäischen Fußball-Lotterie nicht wie ein Hauptgewinner hervor. Der Dritte der vergangenen Bundesliga-Spielzeit bekommt es in der Gruppe B mit Titelverteidiger Inter Mailand, den Tottenham Hotspurs aus der englischen Premier League und dem niederländischen Meister FC Twente Enschede zu tun.
Rummenigge gibt den Mahner
Da steht dem deutschen Meister und Champions-League-Finalisten Bayern München ein mutmaßlich leichterer Weg durch die Gruppenphase bevor. AS Rom, hinter Inter die Nummer zwei in Italien, könnte der härteste Brocken sein; der FC Basel ist zumindest ein reizvoller Gegner in der Gruppe E, weil der frühere Bayern-Meisterspieler Thorsten Fink die Schweizer zum Titel geführt hat; der CFC Cluj, Rumäniens Champion, ist für die Münchner eine unbekannte Größe.
Schließlich die Schalker: Der Meisterschaftszweite der vergangenen Saison steht in der Gruppe B vor zumindest tückischen Aufgaben gegen die französische Spitzenmannschaft Olympique Lyon, den portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon und den israelischen Titelträger Hapoel Tel Aviv. Für alle Teams beginnt die lukrative Reise durch Europa am 14. und 15. September.
Allofs lässt sich die Laune nicht verderben
„Ich warne davor, diese Gruppe als Selbstläufer anzusehen“, mahnte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der Bayern übermütige Naturen. „Es hätte viel schlimmer kommen können“, sagte dagegen Trainer Louis van Gaal, der das Bayern-Los für erträglich hält.
Klaus Allofs, der Bremer Geschäftsführer, ließ sich beim Blick auf die harten Widersacher den schönen Abend im Fürstentum Monaco nicht verderben. Die Grün-Weißen sind ja auch gewohnheitsmäßige Wunderlieferanten im Europapokal. Auf die Frage „Sind das schwere Spiele für Werder?“ antwortete der Manager: „Schwer für die anderen.“ Natürlich sei Inter der „große Favorit“, was sich am Donnerstag auch darin zeigte, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) bei ihren Ehrungen für die besten Spieler der vergangenen Champions-League-Runde ausnahmslos Inter-Stars (Julio Cesar, Maicon, Sneijder und Milito) auszeichnete. Doch die Spurs aus Londons Norden, Vierter der vorigen Premier-League-Saison, und auch Twente glaubt Werder besiegen zu können. „Wir sind die Nummer neun im Uefa-Ranking“, sagt Allofs, „dieser Einstufung wollen wir gerecht werden.“
Glänzende Perspektiven für alle drei - auch finanziell
Realistisch schätzte der Schalker Trainer Felix Magath die europäischen Prüfungen für die „Königsblauen“ ein. „Es war klar, dass wir eine schwere Gruppe bekommen würden. Lyon hat im Vorjahr Real Madrid ausgeschaltet (und das Halbfinale der Champions League erreicht), Benfica ist in Portugal überlegen Meister geworden, Tel Aviv ist ein Team, das wir schlagen können.“
Erst einmal verheißt die Liga der Spektakel allen deutschen Klubs glänzende Perspektiven - auch finanziell. Die Bayern, der deutsche Fußballkrösus, verdienten in der zurückliegenden Champions-League-Spielzeit gleich 60 Millionen Euro. Da lohnte es sich, lange dabei zu bleiben. Für die Münchner zumindest ist das Finale am 28. Mai im Londoner Wembley-Stadion ein großes Ziel, denn wer im Mai Zweiter war will im kommenden Mai möglichst Erster werden.