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Champions-League-Kommentar Finale ohne Maß

 ·  Den Bayern wird eingeredet, sie seien die allergrößten Verlierer, wenn sie auch das Finale der Champions League verlören. Das ist eine Maßlosigkeit - wie vieles rund um das Duell mit Chelsea. Es gibt aber noch eine ganz andere Sorge.

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© dapd Es ist angerichtet: In München steigt am Samstagabend das Finale der Champions League

Es ist das Spiel des Jahres, ach was, es ist des Spiel des Jahrzehnts, des Jahrhunderts. Aber reicht das überhaupt: das Spiel des Jahrhunderts, wenn das Jahrhundert noch so jung ist? Das Finale der Champions League zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea soll an diesem Samstag (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) alles in den Schatten stellen, was der Fußball in München bisher gesehen und erlebt hat.

Für Uli Hoeneß gibt es ohnehin längst kein größeres Spiel in seinem Leben, da kommt nicht einmal der WM-Sieg vor fast vierzig Jahren in München mit, damals, als der Fußball nur Fußball war. München jedenfalls ist seit Tagen wie elektrisiert von diesem Endspiel, und die Vorfreude, die Begeisterung, der Rausch ist so groß, dass der 19. Mai 2012 bestimmt noch zum bayerischen Nationalfeiertag ausgerufen wird - wenn am Ende auch noch die letzte Kleinigkeit stimmt, das Ergebnis.

Die Jubel- und Fallhöhe dieses Endspiels ist jedenfalls so hoch wie lange nicht, und dass man damit dem Spiel und den Spielern keinen Gefallen tut, versteht sich von selbst.

Die verpasste Meisterschaft und das verpatzte Pokalfinale werden den Bayern-Profis schon jetzt wie eine Schmach entgegengehalten, um ihnen einzureden, sie wären in dieser Saison die allergrößten Verlierer, wenn sie jetzt auch noch das Champions-League-Finale verlören, noch dazu im eigenen Stadion. Der FC Bayern scheint das mittlerweile selbst zu glauben. Auch das ist eine Maßlosigkeit, die in diesem Finale der Champions mitspielt.

Dazu aber gibt es noch eine ganz andere Sorge, sie betrifft die Nationalmannschaft, die ja auch noch an einem netten Sommerturnier in Polen und der Ukraine teilnimmt. Der Bundestrainer, der mit seinem Restteam die erste Etappe seiner holprigen Vorbereitung auf Sardinien gerade hinter sich gebracht hat, drückt zusammen mit den Nationalspielern im Trainingscamp in Südfrankreich dem FC Bayern die Daumen wie wohl noch nie.

Er fürchtet, dass die bei einer Niederlage ins riesenhafte gesteigerte Enttäuschung bei den acht Münchner Nationalspielern - der Kern seines Teams, das nach 16 Jahren auch mal wieder einen Titel gewinnen will - zu einem ganz unliebsamen Begleiter bei der Europameisterschaft werden könnte.

Dass bei negativem Ausgang der vielleicht größte Münchner Fußball-Feiertag zu einem „Tiefschlag“ (Löw) für die Nationalelf werden wird, davon ist der Bundestrainer jedenfalls überzeugt. Es ist eben etwas ganz anderes, ob Bayer Leverkusen wie vor der WM 2002 ebenfalls die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League verspielt (und dann mit Teamchef Völler Zweiter bei der WM wird) - oder eben die erfolgsverwöhnten Bayern.

Der EM-Gewinn als Trostpreis, das wäre dann zumindest jenseits der bayerischen Fußballwelt noch ein ganz wunderbares Finale. Aber vielleicht spendieren die Bayern ihren Nationalmannschaftskollegen gegen Chelsea an diesem Samstag eine kostenlose und motivierende Trainingsstunde: wie man den europäischen Hauptpreis mit nach Hause nimmt. So weit haben sie es ja nicht.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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