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Champions-League-Kommentar Dortmunder Droge, bayrisches Business

Die beiden deutschen Teilnehmer am spanisch-deutschen Champions-League-Halbfinale hätten nicht unterschiedlicher in die Runde der besten Vier vordringen können. Das Viertelfinale hat aber vor allem bewiesen, dass die Königsklasse eine Sache von Zentimetern ist.

© AP Vergrößern Knapp im Abseits ist eben auch Abseits: Felipe Santana bei einer der Zentimeterentscheidungen des Viertelfinals.

Selten gab es in einer einzigen Spielrunde so viele deutliche Fehlentscheidungen wie nun im Viertelfinale der Champions League. In den Hinspielen fielen Tore von Paris Saint-Germain und Bayern München aus Abseitsstellung. Dass der norwegische Schiedsrichter ein Foul am Türken Burak Yilmaz beim Spiel Real Madrid gegen Galatasaray Istanbul nicht mit Elfmeter ahndete, sondern mit Gelb wegen angeblicher Schwalbe für den bis dahin besten Torschützen des Wettbewerbs und damit einer Sperre für das Rückspiel, war eine groteske Mehrfachbestrafung für das Opfer der Szene.

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Und am Dienstag fiel das 3:2-Siegtor der Dortmunder gegen Malaga ebenso irregulär wie die vormalige 2:1-Führung von Malaga - wodurch sich die Ungerechtigkeit dank der Sehstörungen beider schottischer Linienrichter wenigstens gerecht ausglich.

Sind die Zentimeterentscheidungen, wann Foul oder kein Foul, wann Abseits oder nicht vorliegt, im immer schnelleren Fußball für das menschliche Auge nicht mehr verlässlich zu treffen? Es ist eine Frage, deren Aktualität noch zunehmen wird. Keine Frage ist jedoch, dass ungeachtet dieser Begleitumstände die richtigen Mannschaften das Halbfinale erreicht haben - jene vier Teams, die den schnellsten, technisch besten Fußball spielen.

Erstmals zwei deutsche Teams

Dass dabei 58 Jahre nach Begründung des Europapokals der Landesmeister erstmals zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale des wichtigsten europäischen Wettbewerbs stehen, und das „absolut verdient“, wie Bayern-Kapitän Philipp Lahm zu Recht sagte, ist eine großartige Neuigkeit. Präsident Uli Hoeneß fand, im Moment seien „der deutsche und spanische Fußball eindeutig die Nummer eins in Europa“.

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In dieser Hinsicht spiegelt der Vereinsfußball die Entwicklung bei den Nationalteams - begünstigt dadurch, dass sich zuletzt die meisten englischen Klubmannschaften den Leistungen ihrer Nationalelf angepasst haben und dass deren beste, Manchester United, im Achtelfinale gegen Real Pech mit dem Schiedsrichter hatte.

Selten mehr Potential und Qualität

Dabei hätte die Art und Weise, wie Bayern München und Borussia Dortmund den letzten Schritt ins spanisch-deutsche Traumquartett mit Barca und Real machten, nicht unterschiedlicher ausfallen können. Die Dortmunder zitterten bis in die letzten Sekunden des Rückspiels, ehe sie gegen einen Außenseiter erstmals vorn lagen und mit letzter Not weiter kamen. Die Münchner lagen gegen einen Geheimfavoriten von der ersten Minute des Hinspiels an vorne und hatten das Duell in jeder weiteren Sekunde im Griff.

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© Impire AG, F.A.Z. Vergrößern Torvideo: Santana stochert im Glück

Während die Borussen am Ende einen emotionalen Ausnahmezustand auslebten, gewannen die Bayern, als wäre es das Normalste der Welt, und konnten nach Schlusspfiff nicht mal sagen, ob gefeiert werde: Das komme darauf an, „was Feiern ist“, sagte Thomas Müller und scherzte: „Drogen wird‘s keine geben“.

Was nun bessere Aussichten für den weiteren Wettbewerb bietet - Fußball als Dortmunder Droge oder als bayrisches Business -, ist nicht seriös vorherzusagen. Beeindruckend war beides: die Wende der Borussia ebenso wie die Fähigkeit der Bayern, dem Gegner nicht mal den Ansatz einer Wende in Aussicht zu stellen. Selten gab es ein Halbfinale mit mehr Potential und Qualität. Nie gab es aus deutscher Sicht eins mit mehr Vorfreude und Spannung. Jetzt muss es nur noch so verlaufen, dass danach über Spieler, nicht über Schiedsrichter geredet wird.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.04.2013, 15:46 Uhr

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