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Champions League Inter stützt sich auf Lucio

16.03.2010 ·  Im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea (20.45 Uhr) herrscht kollektive Verunsicherung bei Inter Mailand. Selbst der sonst so routinierte Verteidiger Lucio lässt sich vom Nervenflattern der Kollegen anstecken.

Von Tom Mustroph, Mailand
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Vor dem Spiel der Spiele gegen den FC Chelsea (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker), in dem es um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League geht, herrscht bei Inter Mailand Verunsicherung. Zwar geht Inter mit einem 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel in die Partie in London, doch die Form stimmt nicht mehr. Der komfortable Vorsprung von elf Punkten auf den Stadtrivalen AC Mailand ist in der Seria A auf einen einzigen Zähler zusammengeschrumpft. Vier Unentschieden und eine Niederlage in den vergangenen sechs Spielen sind die Ursache.

Der letzte Teil der schwarzen Serie koinzidiert mit der Verbannung von Trainer José Mourinho auf die Tribüne. Der Portugiese wurde wegen seiner provozierenden Handschellengeste an die Adresse des Schiedsrichters der Begegnung gegen Sampdoria Genua für drei Spieltage gesperrt. Dem unmittelbaren Einfluss von Mourinhos Rufen und Gesten entzogen, geriet erst Inters Sturmabteilung in eine Schaffenskrise. Am vergangenen Freitag bröckelte nun auch die Abwehr. Die Mannschaft verlor gegen Catania Calcio 1:3. Mittendrin im Abwärtsstrudel befindet sich Lucimar da Silva Ferreira, genannt Lucio.

Das kommt überraschend. Denn Inters Verteidigung galt bisher als ein nahezu perfekter Verriegelungsmechanismus. „Eine Abwehr, in der Julio Cesar, Maicon und Lucio stehen, ist ganz schwer zu überwinden“, schwärmt etwa Carlos Dunga. Der als Defensivapostel bekannte brasilianische Nationaltrainer setzt für Südafrika auf dieses eingespielte Mailänder Trio.

Die Tifosi schrien seinen Namen mit Inbrunst

Lucios Chef im Alltagsgeschäft spart ebenfalls nicht mit Komplimenten. Mourinho schätzt den im Sommer vom FC Bayern gekommenen Abwehrhünen als einen ebenso wichtigen Neuzugang wie den Mittelfeldlenker Wesley Sneijder und die beiden Weltklassestürmer Samuel Eto’o und Diego Milito ein. „Lucio ist der Innenverteidiger, der uns fehlte. Er ist großgewachsen und stark im Kopfballspiel. Mit ihm sind wir den Anforderungen des modernen Fußballs noch besser gewachsen“, sagte Mourinho vor dem Hinspiel gegen Chelsea.

Der clevere Portugiese hatte die rechten Worte gewählt. Lucio lieferte tags darauf eine außerordentliche Vorstellung ab. Er setzte seine Athletik und seine Willensstärke erfolgreich gegen den nicht minder kraftvollen Didier Drogba ein. Lucio wirkte stärker, schneller, aufmerksamer und von noch mehr Adrenalin durchtost als der Ivorer. Dank der Leistung des Brasilianers geschah an diesem Abend etwas Besonderes mit Inter Mailand: Die Truppe präsentierte sich nach Jahren der Ängstlichkeit nicht nur gleichauf mit einer der großen europäischen Mannschaften, sie war sogar Herr des Geschehens. Und an Lucio hatte sich Inter aufgerichtet. Die Tifosi brachen darüber in Begeisterung aus. Sie schrieen den Namen des Innenverteidigers mit einer Inbrunst, mit der sie sonst nur Offensivhelden beehren.

Balance aus Aggressivität und Abgeklärtheit

Zu seiner eigenen Genugtuung stellte Lucio auch noch seinen Gegenüber bei Chelsea, Ricardo Carvalho, in den Schatten. Der portugiesische Innenverteidiger galt im Sommer als Wunschkandidat Mourinhos. Die beiden Landsleute arbeiteten schon bei Porto und Chelsea zusammen. Spätestens seit dem 24. Februar 2010 trauert niemand mehr in Mailand diesem geplatzten Transfer hinterher. Lucio ist nach einem halben Jahr Dienstzeit einer der Motoren des FC Internazionale Mailand.

Aber auch der Modellathlet aus Brasilia hat sich von der Formschwäche seiner Kollegen anstecken lassen. Am vergangenen Freitag tanzte ihn der noch nicht einmal zu Nationalmannschaftsehren gekommene Uruguayer Jorge Martinez an der rechten Strafraumseite aus und erzielte den 3:1-Siegtreffer für Catania. Lucio wirkte hüftsteif wie in seinen schlechteren Zeiten beim FC Bayern. Frustriert schlich er vom Rasen. Mit der Presse musste er nicht reden, weil sich das Team aus Protest gegen die Bestrafung Mourinhos weiterhin in einem offiziellen Interviewstreik befindet. Erst nach dem Spiel in Chelsea reden die Mailänder wieder. Ob sie das Weiterkommen oder das Scheitern kommentieren werden, entscheidet sich heute Abend. Von Lucio wird erwartet, wiederum die richtige Balance aus Aggressivität und Abgeklärtheit zu finden. Angesichts des unerfreulichen Spiels in Catania ist das keine leichte Aufgabe.

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