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Champions-League-Halbfinale Kleiner Mann, großes Leid

Der FC Chelsea hat mit zehn Mann dem FC Barcelona getrotzt und durch ein 2:2-Unentschieden im Halbfinal-Rückspiel das Endspiel der „Königsklasse“ erreicht. Tragische Figur des Abends ist Lionel Messi, der zuerst einen Elfmeter gegen die Latte und dann einen Schuss an den Pfosten setzt.

© dapd Millionen Blicke auf einen Mann: Messi verschießt den Elfmeter kurz nach der Pause

Der FC Chelsea hat den Traum des FC Barcelona von der historischen Titelverteidigung in der Champions League zerstört. Trotz 55-minütiger Unterzahl konnten die Engländer sechs Tage nach dem 1:0-Sieg in London dank der genialen Auswärtstore von Ramires (45.+1) und Fernando Torres (90.+1) jubeln. Zum zweiten Mal nach 2008 steht die Mannschaft von Interimstrainer Roberto di Matteo im Finale der „Königsklasse“.

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Ausgerechnet „Barcas“ Weltfußballer Lionel Messi versagten an diesem Dienstagabend die Nerven: In der 49. Minute hämmerte der Superstar aus Argentinien einen Strafstoß an die Latte - es wäre sein 15. Saisontreffer in der Champions League gewesen. Die Hausherren hatten druckvoll begonnen. Barca drängte die Engländer an deren Sechzehnmeterraum, Chelsea fand kaum ein Mittel, um sich aus der fußballerischen Umklammerung zu befreien. Die Abwehr der Londoner verteidigte zunächst geschickt, doch nach 35 Minuten patzte sie kollektiv: Der kurz zuvor eingewechselte Dani Alves zog einen kurzen Sprint in den Sechzehnmeterraum an und passte den Ball im Rücken der Chelsea Abwehr quer auf Sergio Busquets, der völlig freistehend nur noch den Fuß hinhalten musste.

Barca erhöhte die Schlagzahl: Andrés Iniesta (45.) baute die Führung vor 94.000 Zuschauern im ausverkauften Camp Nou zehn Minuten nach dem ersten Tor weiter aus. Doch der Tabellen-Sechste der Premier League behielt selbst die Nerven, als Kapitän John Terry nach 37 Minuten wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen war. Terry hatte abseits des Spielgeschehens Alexis Sánchez von hinten mit dem Knie getreten. Eine klare Tätlichkeit.

Traumtor von Ramires

Doch unmittelbar vor der Pause brachte sich Chelsea ins Spiel zurück. Ramires traf mit einer herrlichen Bogenlampe zum 1:2. Lampard hatte den Brasilianer mit einem gut getimten Pass in die Gasse frei gespielt, Puyol stand zu weit weg von seinem Gegenspieler. Ramires zeigte seine ganze Klasse, indem er den Ball gefühlvoll über den herausstürmenden Barca-Keeper Victor Valdés ins Tor lupfte. Die Ausgangssituation war zur Halbzeit wieder umgekehrt - einer einseitigen Halbzeit. Schon nach knapp drei Minuten hätte Barca das 0:1 vom Hinspiel wettmachen können - Messi jagte den Ball aus zehn Metern aber ans Außennetz. Wenig später vertändelte Alexis Sanchez eine gute Chance in bester Position. Die Spanier waren hellwach: Drei Tage nach der bitteren 1:2-Heimniederlage im Clásico gegen Real Madrid und der de facto verspielten Meisterschaft war der Siegeswille spürbar. Trainer Josep Guardiola hatte sein Team im Vergleich zum Gipfeltreffen in der Primera Division auf vier Positionen verändert. Offensive war Trumpf.

Bild 1 Ramires Finale wir kommen: Ramires jubelt nach seinem Treffer zum 1:2 © dapd Bilderstrecke 

Aber selbst das Powerplay gegen das dicht gestaffelte Mittelfeld und den Abwehrriegel der Londoner wurde zur Geduldsprobe. Als Superstar Messi sogar eine „Hunderprozentige“ vergab, stöhnten die Fans: Nach Hackentrick von Cesc Fabregas kam der Argentinier frei zum Schuss - Chelseas Keeper Petr Cech parierte mit dem Fuß (19.). Chelsea kam kaum an den Ball, setzte aber „Nadelstiche“. Ein Schuss des Hinspiel-Torschützen Didier Drogba landete am Außennetz (25.). Kurz darauf musste Guardiola bereits wechseln: Abwehrspieler Gerard Piqué war bei einem Zusammenprall mit seinem eigenen Torwart Valdés fast k.o. gegangen und kam nicht mehr richtig auf die Beine. Mit Verdacht auf Gehirnerschütterung musste er ins Krankenhaus.

Torres setzt den Schlusspunkt

Nach 35 Minuten war der Londoner Defensivriegel geknackt, als Busquets nach Vorlage des überraschend von Beginn an aufgestellten Isaac Cuenca traf. Weltmeister Iniesta legte nach, Ramires schockte den Titelverteidiger mit seinem Konter-Traumtor. Nach dem Platzverweis für Kapitän John Terry mussten die Londoner aber rund 55 Minuten lang mit neun Feldspielern auskommen und hatten Glück, als Pechvogel Messi vom Punkt nach einem klaren Foul von Drogba an Fàbregas erst die Latte und in der 83. Minute dann per Distanzschuss nur den Pfosten traf. Barcelona zeigte beim Torabschluss weiter Nerven. Javier Mascherano vergab in der Schlussminute die Siegchance. Anders die Gäste: Als alle Feldspieler in den blau-rot gestreiften Trikots in die Londoner Hälfte aufgerückt waren, ergaben sich Möglichkeiten für Konter. Und Chelsea nutzte diese im Stille einer Spitzenmannschaft: Fernando Torres setzte den Schlusspunkt, indem er ein Solo alleine vor Valdés nicht überhastet abzuschließen versuchte, sondern den Ball am brasilianischen Schlussmann der Katalanen vorbeilegte und überlegt zum 2:2 einschob. Das Tor zum Champions-League-Finale in München.

FC Barcelona - FC Chelsea 2:2 (2:1)

FC Barcelona: Valdés - Piqué (26. Dani Alves), Puyol, Mascherano - Busquets - Xavi, Iniesta, Fàbregas (74. Keita) - Cuenca (68. Tello), Messi, Alexis Sánchez
FC Chelsea: Cech - Ivanovic, Cahill (12. Bosingwa), Terry, Cole - Mikel, Raul Meireles - Mata (58. Kalou), Lampard, Ramires - Drogba (80. Torres)
Schiedsrichter: Cakir (Türkei)
Zuschauer: 95.845
Tore: 1:0 Busquets (35.), 2:0 Iniesta (43.), 2:1 Ramires (45.+1), 2:2 Torres (90.+2)
Besonderes Vorkommnis: Messi (FC Barcelona) verschießt Foulelfmeter (49.)
Gelbe Karten: Iniesta, Messi / Cech, Ivanovic, Lampard, Mikel, Ramires, Raul Meireles
Rote Karten: - / Terry (37./Tätlichkeit)
 

Quelle: dpa

 
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