http://www.faz.net/-gtl-7b8ez

Champions League : Ganz unten

  • -Aktualisiert am

Die Mannschaft des EB Streymur aus Färöer bestreitet ihre Heimspiele im Torsvollur-Stadion Bild: picture-alliance/ dpa

Ins Finale der Champions League werden die Teams aus Andorra oder Färöer nie kommen. In der ersten Runde der Königsklasse nehmen die Spieler sogar Urlaub. Ein Besuch bei den ganz kleinen Fußballmeistern.

          Während das Wohnmobil langsam auf den Campingplatz rollt, eröffnen direkt nebenan der FC Lusitanos und EB Streymur gleich die neue Champions-League-Saison. Nur 38 Tage nach dem Finale von Wembley, dem Sieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund, beginnt das Milliardenspiel um Europas Fußball-Krone aufs Neue. In den Pyrenäen, im Kleinstaat Andorra, wo die Heimstätte des FC Lusitanos zwar stolz Nationalstadion genannt wird, aber eher an eine Bezirkssportanlage erinnert. Zum angrenzenden Campingplatz gibt es nicht einmal einen Zaun. Den Auftakt in die Königsklasse bestreiten wie immer die Abc-Schützen.

          „Wir haben unser erhofftes Glückslos“, sagt Lusitanos-Präsident Antonio Cerqueira, „gegen den armenischen Verein hätten wir keine Chance gehabt, aber mit den Färingern haben wir einen Gegner auf Augenhöhe bekommen. Es gibt keinen Goliath, sondern nur David gegen David.“ Vor den Umkleidekabinen begrüßt Cerqueira das aus Kroatien angereiste Schiedsrichter-Team und die drei Uefa-Delegierten. Der vom Europäischen Fußballverband (Uefa) vorgesehene Ablauf gleicht auf die Minute dem Zeitplan des Finales von Wembley.

          Mit dem Unterschied, dass es hier keine Bandenwerbung und keine Fernsehübertragung gibt und dass die Spieler Amateure sind. Pünktlich um 18.45 Uhr, zwei Stunden vor dem Anpfiff, fährt die Auswärtsmannschaft im Bus vor. Von den Färöer, der kleinen Inselgruppe im Atlantik, ist der EB Streymur am Vortag über Kopenhagen und Barcelona nach Andorra gereist. „Zwölf Stunden haben wir für diesen Trip hierhin gebraucht“, sagt Mittelstürmer Levi Hansen, der nach der Ankunft erst einmal eine Zigarette raucht, „für fünf Tage haben wir uns alle Urlaub nehmen müssen. Aber wir lieben eben Fußball, und für die Champions League machen wir das gerne.“ Schließlich geht es um viel.

          Durch Sponsoreneinnahmen und den Verkauf von Fernsehrechten erzielt die Uefa pro Saison einen Gewinn in Höhe von etwa 1,2 Milliarden Euro, 950 Millionen davon werden an die Vereine weitergeleitet. Der FC Lusitanos und EB Streymur bekommen für die erste Runde jeweils 15.000 Euro, wovon die Reise zum Auswärtsspiel und die Hotelübernachtungen bezahlt werden müssen. „Abzüglich aller Kosten, bleibt nach der ersten Runde meistens kein Geld übrig“, erklärt Sigvald Zachariasen, der Vorsitzende des EB Streymur, ein Mann mit Schnauzbart und Goldkettchen, der im Hauptberuf einen Fischereibetrieb auf den Färöer führt. „Die Zukunft unseres Vereins hängt vom Ausgang der Spiele gegen Lusitanos ab. Fürs Weiterkommen gibt es von der Uefa eine Prämie von 100.000 Euro, das ist das Dreifache unseres normalen Jahresetats, das wäre phantastisch.“

          In den Pyrenäen: Der FC Lusitanos empfängt seine Gegner vor Bergpanorama
          In den Pyrenäen: Der FC Lusitanos empfängt seine Gegner vor Bergpanorama : Bild: IMAGO

          Die Vertreter der Verbände, die in der Uefa-Fünfjahreswertung auf den letzten vier Plätzen liegen, müssen in der ersten von vier Qualifikationsrunden antreten. Dieses Mal sind das die Meister aus Armenien, Andorra, San Marino und von den Färöer. In der vierten Runde steigen dann auch der FC Schalke oder der AC Mailand in den Wettbewerb ein. Die Auslosung hat ergeben, dass neben dem Duell zwischen den Titelträgern Armeniens und San Marinos die Champions von Andorra und der Färöer aufeinandertreffen.

          Aus alten Lautsprecherboxen dröhnt die Stimme des Stadionsprechers. Am Spielfeldrand dient ihm eine Biomülltonne als Ablage für den Spielberichtsbogen. Während er die Aufstellung verliest, versammeln sich auf der einzigen Tribüne im Stadion langsam die Zuschauer. Nur 200 sind gekommen, darunter sieben mitgereiste Fans aus Streymur, Familienangehörige der Spieler. Den Eintritt von fünf Euro haben die Campingfreunde nebenan gespart, die es sich in Liegestühlen mit bestem Blick ins Stadion gemütlich machen. Als die Mannschaften einlaufen, ist die Champions-League-Hymne nicht zu hören, die lässt die Uefa erst ab der vierten Qualifikationsrunde erklingen. Zur Feier des Tages hat sich der Trainer des FC Lusitanos kurz vor dem Anpfiff extra einen Anzug angezogen, die rote Krawatte akkurat gebunden.

          Weitere Themen

          Deutsch-italienische Duelle

          Europa League : Deutsch-italienische Duelle

          Der aus der Champions League abgestiegene BVB trifft in der Europa League auf Bergamo. „Ich fahre gern in den Süden“ sagt Trainer Hasenhüttl über das „Knallerlos“ für RB Leipzig.

          Schwierige Aufgabe für Armin Veh Video-Seite öffnen

          1. FC Köln : Schwierige Aufgabe für Armin Veh

          Am Montag wurde der 56-jährige als neuer Geschäftsführer Sport beim Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln vorgestellt. Veh hat einen Vertrag bis Juni 2020 unterschrieben. Vermutlich wird er sich zunächst mit der 2. Bundesliga befassen müssen.

          Topmeldungen

          Vergewaltigung als Kriegswaffe : Das Ende der Ignoranz

          Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Angelina Jolie wollen Frauen vor sexueller Gewalt im Krieg schützen. Ihre Initiative stellt der Nato nachträglich ein Armutszeugnis aus.

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Heuchelei als Geschäftsmodell

          Abbau von Arbeitsplätzen bei Siemens, miserable Arbeitsbedingungen von Paketzustellern: Bei Frank Plasberg werden Konzerne als vaterlandslose Gesellen beschimpft. Es geht aber auch um die Verantwortung der Konsumenten.

          Schneeschmelze : Meteorologen warnen vor Hochwasser

          Der Wintereinbruch hat deutschen Straßen zum Wochenstart chaotische Zustände beschert. Nun taut der Schnee. Es droht Hochwasser. Ein Castor-Transport muss verschoben werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.