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Champions League-Finale Ein französischer Gentleman unter britischen Haudegen

17.05.2006 ·  „Wir müssen im Champions-League-Finale gegen Barcelona nicht unbedingt gewinnen“, sagt Arsene Wenger, der Trainer von Arsenal London lässig. Wenger ist kühl, sachlich und so gar nicht britisch und kommt dennoch gut auf der Insel an.

Von Ulrich Friese, London
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Seinen Spannungszustand läßt sich Arsene Wenger nicht anmerken: „Wir müssen im Finale gegen Barcelona nicht unbedingt gewinnen“, sagt der Trainer von Arsenal London lässig, „denn wir sind ja mit unserem vierten Platz in der englischen Liga ohnehin für die nächste Saison der Champions League qualifiziert.“ Die Masche, bewegende Momente seines Berufslebens kühl und sachlich zu umschreiben, gehört bei Wenger zum System.

Dabei steht außer Zweifel, daß der 56 Jahre alte Franzose in seinem zehnten Berufsjahr beim FC Arsenal den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht: Der Traditionsklub aus dem Londoner Norden, der unter seiner Ägide dreimal englischer Meister und viermal Pokalsieger wurde, steht an diesem Mittwoch zum ersten Mal in seiner 113jährigen Vereinsgeschichte im Endspiel der europäischen Königsklasse, der Champions League.

Kreativität, Weitsicht und Akribie

Gehen die „Gunners“ (“Kanoniere“) beim Finale in Paris als Sieger vom Platz, wäre Wenger nicht nur die endgültige Anerkennung in Großbritanniens Fußballgemeinde, sondern auch der Stammplatz im internationalen Trainer-Olymp sicher. In dieser elitären Runde sind bislang nur die englischen Vereinstrainer Alex Ferguson (Manchester United) und Rafael Benitez (FC Liverpool) vertreten.

Daß ausgerechnet einem weltläufigen Spitzentrainer wie Wenger der Erfolg auf der internationalem Fußballbühne bislang versagt blieb, ist für Fachleute ein Rätsel. Denn wie kaum ein anderer Kollege in den europäischen Spitzenklubs geht der in Straßburg geborene Elsässer bei seiner Arbeit mit Kreativität, Weitsicht und Akribie vor. Bei der Suche nach Fußballtalenten durchforstet er systematisch einschlägige Archive oder verläßt sich auf sein weltweites Netzwerk von Zuträgern und Informanten. „Das Schönste ist für mich, über Jahre eine Mannschaft aufzubauen und zur organischen, spielerischen Einheit zu formen“, lautet das Credo des Arsenal-Trainers.

„Hauptsache, es stehen die Besten auf dem Platz“

Zu Wengers Glücksgriffen zählte die frühzeitige Verpflichtung von langjährigen Vereinsstützen wie Patrick Viera, Thierry Henry oder Dennis Bergkamp. Das eingespielte Trio verkörperte über Jahre das Herzstück des international buntgemischten Arsenal-Kaders. Bis auf die englischen Nationalspieler Sol Campbell und Ashley Cole bestückt Wenger die übrigen Teile seiner Mannschaft mit Spitzenkräften, die aus sieben verschiedenen Ländern kommen. Bis heute ist daher der Vorwurf in England zu hören, Wenger setze zu einseitig auf Akteure aus dem Ausland. „Mir ist egal, welche Nationalität ein Spieler hat“, kontert er solche Kritik, „ Hauptsache, es stehen bei uns die Besten auf dem Platz.“

Respekt in der heimischen Fußballwelt mußte sich der unkonventionelle Coach, der 1996 nach mehrjährigen Trainerstationen bei „AS Monaco“ und dem japanischen Erstligaklub „Nagoya Grampus Eight“ zu Arsenal stieß, anfangs hart erarbeiten. Denn weder äußerlich noch vom Arbeitsstil her entspricht er dem gängigen Bild der Branche, das in der englischen Spitzenliga immer noch von typischen Haudegen dominiert wird. Im Gegensatz zum eher grobschlächtig auftretenden Schotten Ferguson, der sein Team bei „ManU“ gern mal mit Standpauken in der Umkleidekabine zu Höchstleistungen anspornt, verkörpert sein Gegenspieler aus London das Kontrastprogramm: Der bodenständige Elsässer, der fünf Fremdsprachen beherrscht und am liebsten bei klassischer Musik entspannt, tritt wie ein Gentleman der alten Schule auf: höflich, bescheiden, aber - wenn es um die Sache geht - stets entschieden.

Um seine Dienste hatten sich vor Jahren auch deutsche Bundesligavereine bemüht. Doch den Unterhändlern aus München, Berlin oder Dortmund erteilte der Franzose mit dem Verweis auf seinen bestehenden Arbeitsvertrag eine klare Absage. Für Wenger sei Loyalität gegenüber Spielern und Arbeitgebern keinesfalls eine Sekundärtugend, sagen Vertraute.

Quelle: F.A.Z., 17.05.2006, Nr. 114 / Seite 32
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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