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Champions-League-Finale Der argentinische Floh

 ·  Lionel Messi ist das größte Juwel, das der FC Barcelona je hatte: Zirkusreife Schnellkraft, unwiderstehliche Dribblings - und eine robuste Natur. Im August wurde er Olympiasieger, jetzt will er die Saison mit der Champions-League-Sieg krönen.

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Die größten Eigentore der Popkultur? Da wäre die Plattenfirma Ariola, die 1962 die Beatles ablehnte. Oder das Basketballteam Portland Trail Blazers, das 1984 Michael Jordan verschmähte. Und dann waren da die Newell's Old Boys, die 2001 an der falschen Stelle sparten. Nämlich bei einem Fußballkind mit Wachstumsstörung, dem der argentinische Klub die jährliche Rechnung von rund 1200 Euro für die nötige Hormonzufuhr nicht mehr erstatten wollte.

Der kleinwüchsige Knabe namens Lionel Messi beschloss, es in Europa zu versuchen. Er reiste nach Katalonien, wo er Verwandte hatte, machte ein Probetraining, und Trainer Carlos Rexach brauchte keine zehn Minuten, um zu wissen, dass er den Jackpot geknackt hatte - ohne dafür ein Los kaufen zu müssen. Es war der Tag, an dem der FC Barcelona zu seinem größten Juwel kam - und das für eine Medikamentenabrechnung.

„Ich lernte, den Ball am Boden zu halten“

In der Jugendakademie von Barça war Messi angeblich der Einzige, dessen Beine von der Bank nicht auf den Boden reichten. Sie nannten ihn „la pulga“, der Floh. Seitdem ist er gewachsen, bis auf 1,69 Meter, auch Maradona ist nicht größer. Die zirkusreife Schnellkraft des Flohs ist ihm geblieben. Messi sagt, die Kleinwüchsigkeit habe sein heutiges Spiel geprägt - „ich lernte, den Ball am Boden zu halten“. Das und seine Angewohnheit, auf kleinstem Raum Platz für seine Antritte und Dribblings zu finden - etwa in den Zimmern seines Elternhauses -, machen ihn heute für die eine Hälfte der Fußballwelt zum besten Spieler der Welt. Für die andere ist es Cristiano Ronaldo (siehe: Cristiano Ronaldo: Der launische Gigolo).

Im Gegensatz zum Portugiesen hat der Argentinier sein Image als netter Junge gewahrt. Auch das Vermögen, das ihm Manchester City geboten haben soll, konnte ihn vergangene Woche nicht aus Barcelona weglocken. Statt nach Manchester flog er nach Nürnberg, um dort (nach dem Pflichtbesuch bei Adidas zur Entgegennahme seines speziell gestalteten Final-Schuhs) in der „Osteria del Centro“ einzukehren, mit deren Wirt er befreundet ist. Mit am Tisch saßen Vater Jorge, die Brüder Rodriguez und Matthias und Vetter Emanuel Biancucchi, der bei 1860 München in der Junioren-Auswahl spielt.

Im August wurde er in Peking schon Olympiasieger

Messi war schon als Achtzehnjähriger 2006 mit Barcelona Champions-League-Sieger, fehlte damals aber verletzt im Finale gegen Arsenal. Inzwischen sind die Altstars Ronaldinho und Deco abgeschoben worden, Messi hat deren Rolle mühelos übernommen. Er zeigt eine körperliche Robustheit, die ihn auch am Ende einer langen Saison, in der er schon im August in Peking Olympiasieger mit Argentinien wurde, in bester Verfassung dastehen lässt.

Barça braucht ihn mehr denn je. Im Finale in Rom fehlen nicht nur die Verteidiger Marquez, Alves und Abidal, auch der Einsatz der Offensivkönner Iniesta und Henry ist gefährdet. „Es ist das wichtigste Spiel meines Lebens“, sagt Messi. Für ihn kann es nur einen Sieger geben: „Viele Menschen, die nicht Barça-Fans sind, bewundern uns für unsere Art, Fußball zu spielen. Für diesen Fußball verdienen wir den Champions-League-Titel.“

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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