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Champions League „Dieses Spiel kann uns keiner mehr nehmen“

23.02.2006 ·  Es war wieder einer dieser unvergeßlichen Abende im Bremer Weserstadion. Johan Micoud krönte das Spektakel mit dem späten 3:2 gegen Juventus Turin. Trotz der beiden Gegentore geriet selbst Trainer Thomas Schaaf ins Schwärmen.

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So glückselig war Thomas Schaaf seit dem Gewinn des Doubles 2004 nicht mehr. Aber angesichts des atemberaubenden Fußball-Spektakels bei der 3:2-Aufholjagd gegen Juventus Turin geriet sogar der sonst so spröde Bremer Trainer ins Schwärmen. „Die Mannschaft hat uns einen fantastischen Abend geboten. Sie hat sich berauscht am eigenen Spiel“, jubilierte Schaaf nach dem fast schon ganz normalen Werder-Wahnsinn. Und er gestand: „Da denkst du auf der Bank: Bist du verrückt?“

Ähnlich dürften viele der 36.500 Zuschauer im Weserstadion gedacht haben. Sie erlebten eine dieser magischen Nächte, wie es sie in dieser Häufigkeit und Intensität nur in Bremen gibt. Ungeachtet des Risikos, im Rückspiel in Turin am 7. März das Viertelfinale der Champions League noch zu verpassen, sagte Schaaf nach dem Abenteuer-Fußball seines Teams auch den wichtigsten Satz dieses einmaligen Abends: „Dieses Spiel kann uns keiner mehr nehmen.“

„Märchen mit dem Titel 'Scheiße und Juchhu!'“

Die Eckdaten der Partie sind schnell zusammengefaßt, geben das Erlebnis der rauschenden Ballnacht jedoch nur unvollkommen wieder. Nach Werders Weltklasse-Leistung in der ersten Halbzeit mit dem Treffer von Christian Schulz (39.) drehte das Star-Ensemble des italienischen Rekordmeisters durch Pavel Nedved (73.) und David Trezeguet (81.) die Partie - ehe die späten Tore von Tim Borowski (87.) und Johan Micoud (90.+2) das ohnehin schon gute Spiel zu einem unvergeßlichen Ereignis machten, das Werder-Stürmer Ivan Klasnic als „Märchen mit dem Titel 'Scheiße und Juchhu!'“ bezeichnete.

Werder: „Dieses Spiel kann uns keiner mehr nehmen“

Das Spiel war so mitreißend, daß Schaaf sogar einen seltenen Einblick in seine Gedanken während der Partie gab. „Ich war selbst überrascht, daß die Mannschaft so gut ins Spiel zurückgefunden hat“, berichtete er über seine Zweifel auf der Bank. Die Energieleistung gegen eine der besten Klubmannschaften der Welt war für Werder jedoch mehr als nur Unterhaltung auf höchstem Fußball-Niveau.

„Jetzt haben wir da einiges gerade gerückt“

Sie war knapp ein Jahr nach den beiden Debakeln gegen Olympique Lyon, deren zehn Gegentore beim 0:3 und beim 2:7 viele Bremer immer noch schmerzen, Reifeprüfung und Rehabilitation zugleich. „Die Mannschaft hat dazugelernt“, kommentierte Manager Klaus Allofs. Das Spiel habe gezeigt, „daß in unserer Mannschaft das Sieger-Gen steckt“. Die Bremer seien auf die Schlappe gegen Lyon immer wieder angesprochen worden. „Jetzt haben wir da einiges gerade gerückt.“

Schaaf lobte: „Die Art und Weise, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt, kombiniert, uns bewegt, die Bälle nach vorn gebracht und den Abschluß gesucht haben, war großartig.“ Anders als gegen Lyon stürmte Werder dieses Mal aber nicht ins Verderben, sondern zeigte - abgesehen von wenigen Szenen - eine deutlich konzentriertere Defensivleistung.

„Unsere Maschine läuft langsam wieder an“

Während Schaaf die Partie mit leuchtenden Augen kommentierte, wirkte sein Turiner Kollege mürrisch. „Ich kann mich nicht erinnern, daß ich in einem so wichtigen Spiel in den letzten Minuten mit solchen Toren noch verloren habe“, sagte Fabio Capello. Trotzig erklärte er: „Es gibt keinen Komplex gegen deutsche Mannschaften. Wir haben gegen die Bayern zu Hause gewonnen, und wir werden auch Bremen im Rückspiel besiegen.“

Doch den Hanseaten, denen in Turin schon ein Unentschieden reicht, hat der Kraftakt weiteres Selbstvertrauen gegeben. „Mit unserer Mannschaft ist sehr, sehr viel möglich“, sagte Miroslav Klose, der bei seinem Comeback nach einer Schulterverletzung bis zur Erschöpfung kämpfte und mit einem Krampf ausgewechselt werden mußte. Und Sturmpartner Klasnic ergänzte: „Unsere Maschine läuft langsam wieder an.“

Werder Bremen - Juventus Turin 3:2 (1:0)
Bremen: Wiese - Owomoyela, Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Baumann - Frings, Borowski - Micoud - Klose (67. Valdez), Klasnic. - Trainer: Schaaf
Turin: Buffon - Blasi, Thuram, Cannavaro, Balzaretti - Camoranesi (74. Zalayeta), Emerson, Vieira, Nedved - Ibrahimovic (59. Del Piero), Trezeguet. - Trainer: Capello
Schiedsrichter: Mejuto Gonzales (Spanien)
Tore: 1:0 Schulz (39.), 1:1 Nedved (73.), 1:2 Trezeguet (82.), 2:2 Borowski (87.), 3:2 Micoud (90.+2)
Zuschauer: 36.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schulz - Nedved, Trezeguet, Balzaretti, Vieira

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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