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Champions League Deutsche Klubs so schlecht wie nie

08.11.2007 ·  Nach zwei Dritteln der Gruppenspiele der Champions League steht Deutschlands Fußball-Eliteklasse so schlecht da wie nie zuvor. „Man muss sich ernsthaft Gedanken machen“, sagte Bundestrainer Löw. Franz Beckenbauer befürchtet, dass die deutschen Teams weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

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England marschiert, die Bundesliga blamiert - nach zwei Dritteln der Gruppenspiele der Champions League steht Deutschlands Fußball-Eliteklasse im internationalen Vergleich so schlecht da wie nie zuvor. Während Manchester United und der FC Arsenal am Mittwochabend als erste Clubs das Achtelfinal-Ticket lösten, setzte Meister Stuttgart mit dem 2:4 in Lyon die Serie deutscher Enttäuschungen fort und verpasste als Gruppenletzter sogar den Trostpreis Uefa-Cup.

Ganze sieben Punkte sammelte das DFB-Trio mit dem VfB, Werder Bremen und Schalke 04 aus zwölf Spielen, 34 dagegen heimsten die vier englischen Clubs in 16 Partien ein. Auf je 30 kommen die ebenfalls vierfach vertretenen Italiener und Spanier. „Das ist im internationalen Vergleich schon sehr enttäuschend, darüber muss man sich ernsthaft Gedanken machen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Den Nationaltrainer ärgert mit Blick auf die EM-Endrunde 2008 vor allem, dass Stuttgart vorzeitig seine Chancen auf die weitere Teilnahme am internationalen Wettbewerb verspielt hat. „Erfreut sind wir natürlich nicht. Das ist gerade für unsere Nationalspieler wie Mario Gomez und Thomas Hitzlsperger oder Talente wie Serdar Tasci und Sami Khedira nicht von Vorteil, wenn sie international nicht mehr dabei sind“, sagte der 47-Jährige.

Heldt: „Die ganze Sache hinkt“

Für Experten ist diese Entwicklung kein Wunder und die Champions League längst zu einem Kampf mit ungleichen Waffen geworden. „Unser entscheidendes Handicap: Wir können finanziell nicht mithalten“, sagte Günter Netzer der „Bild“-Zeitung. „Was sich der FC Bayern in diesem Jahr ausnahmsweise finanziell an neuen Stars leisten konnte, ist für andere Top-Klubs normal. Die haben die Kraft, sich jedes Jahr neu zu verstärken. Und so wird die Kluft zu den deutschen Teams immer größer.“ Auch Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt vermisst die Chancengleichheit: „Wenn ein Aufsteiger in die Premier League 40 Millionen Euro aus TV-Einnahmen erhält und der VfB als Meister 26 Millionen, dann ist da eine Disbalance da. Die ganze Sache hinkt.“ (Siehe auch: VfB-Sportdirektor Heldt: „Unser Niveau hat für diesen Wettbewerb nicht gereicht“)

Für Franz Beckenbauer ist Besserung vorerst nicht in Sicht. „Bei den TV-Einnahmen läuft Deutschland weit hinter England, Spanien und Italien her“, sagte er in „Bild“. Wenn Anfang nächsten Jahres der neue Glücksspiel-Staatsvertrag in Kraft trete, werde die Lage für die Klubs noch schlechter. „Der Staat besitzt dann das Wettmonopol und verbietet private Anbieter. In den Stadien und auf Trikots darf nicht mehr für die Unternehmen geworben werden. Da gehen geschätzte 200 bis 300 Millionen verloren“, rechnete Beckenbauer vor und mahnte Gespräche zwischen Liga, DFB und Politik an, um „eine bessere Lösung zu finden, damit der Staatsvertrag nicht in Kraft tritt“. Der deutsche Fußball brauche den Markt, forderte der „Kaiser“.

Nach den Begegnungen in der Champions League am Dienstag und Mittwoch belegt Deutschland in der Fünf-Jahres-Wertung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) nach wie vor nur den sechsten Platz mit 40,293 Punkten und rangiert knapp hinter Rumänien (40,399). Weit enteilt sind die führenden Nationen Spanien (68,266), England (64,874), Italien (55,785) und Frankreich (49,811).

„Die Bundesliga ist von außen gesehen ein Top-Produkt und schön verpackt. Aber diese goldene Verpackung nützt nichts. Wir müssen zeigen, dass der Inhalt auch stimmt“, sagte Bayern-Kapitän Oliver Kahn. Die mageren Ergebnisse würden „langsam zum Problem“. „Wir müssen uns fundamentale Gedanken machen. Es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland in der Uefa-Rangliste immer weiter abrutscht und hinter einem Land wie Rumänien zurückliegt.“

Lehmann wieder nur auf der Bank

Während im Land des WM-Dritten die Klagen über mangelnde Konkurrenzfähigkeit immer lauter werden, herrscht in England eitel Sonnenschein. Mit dem 4:0 gegen Dynamo Kiew baute Manchester United seine makellose Bilanz auf zwölf Punkte aus und buchte dank Toren von Gerard Pique, Carlos Tevez, Wayne Rooney und Cristiano Ronaldo vorzeitig seinen Platz in der K.o.-Runde.

Dazu reichte dem FC Arsenal im 100. Champions-League-Spiel von Trainer Arséne Wenger ein torloses Remis bei Slavia Prag. „In Europa auswärts zu gewinnen ist immer schwierig. Noch schwieriger ist es, wenn du den Gegner kurz zuvor mit 7:0 gedemütigt hast“, sagte der Franzose, der abermals Manuel Almunia zwischen den Pfosten den Vorzug vor Nationaltorwart Jens Lehmann gab.

Inter mit furioser Aufholjagd

Zum „blau-roten Monolog“ („Sport“) geriet der 2:0-Sieg des FC Barcelona gegen die harmlosen Glasgow Rangers, den Thierry Henry und Lionel Messi schon vor der Pause sicherstellten. „Die schottischen Fans nahmen Barcelona ein, aber als sie ins Camp-Nou-Stadion kamen, schliefen sie angesichts der schwachen Darbietung der Rangers ein“, beschrieb „El Pais“ das einseitige Geschehen. Obwohl sich mehr als 10.000 Rangers-Fans ohne Karten in Barcelona aufhielten, blieben die befürchteten Zwischenfälle aus.

Eine furiose Aufholjagd zum 4:2 gegen ZSKA Moskau hielt Inter Mailand auf Achtelfinal-Kurs. „Inter - was für ein Meisterwerk, ein Geniestreich“, bejubelte die „Gazzetta dellos Sport“ eine Partie, in der Esteban Cambiasso und Zlatan Ibrahimovic mit jeweils zwei Toren nach 0:2-Rückstand für die Wende gesorgt hatten. Für den Schweden Ibrahimovic war es bereits der zweite Doppelpack im Wettbewerb. „Der macht Tore wie einst ich“, lobte ihn Trainer Roberto Mancini.

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