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Champions League Der Abend des Mißvergnügens für Michael Ballack

23.11.2006 ·  So hatte sich Michael Ballack seinen ersten Auftritt in der Heimat mit Chelsea nicht vorgestellt. Von den Bremer Fans gab es Pfiffe, die Werder-Profis bekämpften ihn mit harten Bandagen und der Trainer übte offene Kritik.

Von Roland Zorn, Bremen
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Dieser Abend tat Michael Ballack weh. Zunächst körperlich, da der deutsche Star im Mittelfeld des FC Chelsea nach 77 Minuten an der Wade blutend ausgewechselt wurde. Der Tritt eines Bremer Gegenspielers hatte ihm eine schmerzende Fleischwunde beschert.

„Nichts Besonderes“, befand Ballacks abgehärteter Trainer Jose Mourinho später, „normalerweise ist er am Sonntag wieder fit.“ Dann steht für den englischen Meister das wichtigste Spiel der Woche an: der Premier-League-Gipfel bei Tabellenführer Manchester United. Am Mittwoch in Bremen erfüllte die teuerste Mannschaft der Welt bei Werder nur ihre Minimalpflicht, als sie sich trotz der 0:1-Niederlage im vorletzten Spiel der Gruppe A für das Achtelfinale qualifizierte.

Dabei wäre Ballack gern mit einer Kür aufgefallen, die seine erste Rückkehr nach Deutschland im Dress seines neuen Klubs verziert hätte. Statt dessen aber kickte er nur uninspiriert mit, handelte sich eine Verletzung ein und wurde bei der Auswechslung gegen Shaun Wright-Phillips auch noch mit einem Pfeifkonzert und einschlägigen Schmährufen von einem Teil der 37.000 Zuschauer im Weserstadion vom Platz gebuht. Im deutschen Norden genießt der Kapitän der Nationalmannschaft, obwohl er seine Knochen längst nicht mehr für den in Bremen besonders ungeliebten FC Bayern hinhält, nach wie vor keinerlei Bonus. Daran hat wohl auch die landesweit gefeierte Weltmeisterschafts-Sommerparty nichts geändert.

„Glaube nicht, daß Ballack ein gutes Spiel gemacht hat“

Der sächsische Modellathlet hat den Mittwoch abend, wie es seine freundliche Art ist, dennoch überlächelt. Wohl wissend, daß dies nicht sein Tag gewesen war. Entsprechend kommentierte auch dessen Trainer Mourinho die erste Saison-Niederlage des FC Chelsea in der Champions League. „Ich glaube nicht, daß Ballack ein gutes Spiel gemacht hat“, sagte Mourinho ohne Umschweife, „aber das passiert schon mal und ist kein Problem.“

Was er dann sagte, machte jedoch überdeutlich, daß der in Deutschland als internationaler Superstar angesehene Görlitzer nur einer unter vielen Profis von Welt beim FC Chelsea ist. „Heute haben wir (den gesperrten) Frank Lampard vermißt. Er bestimmt unser Mittelfeldspiel und hat großen Einfluß auf die Leistungen seiner Kollegen.“ Mit anderen Worten: Lampard ist und bleibt neben Kapitän und Abwehrchef John Terry Chelseas Boss auf dem Platz, Ballack gehört zur Gilde der Zuarbeiter.

Am Mittwoch bildete er die offensive Spitze in der Mittelfeldraute des englischen Champions und verpaßte es dabei, diesem Abend des Mißvergnügens einen für Chelsea positiven Schub zu geben. Das war, als er Joe Coles Flanke (33. Minute) zu schwach mit dem Oberschenkel weiterleitete, so daß der überragende Bremer Torwart Wiese ohne große Mühe parieren konnte. Zuvor war Michael Ballack auch noch an der Entstehung des Bremer Führungstreffers beteiligt, als er Mertesacker nach Frings' Eckstoß nicht bei dessen Kopfball zum 1:0 attackierte (27.). „Ich war nicht für Mertesacker eingeteilt“, sagte er zwar zu Recht, da Drogba seinen Spezialauftrag verfehlte, doch weil Ballack neben Mertesacker Posten bezogen hatte, wäre ein eigenes Eingreifen nicht zu viel verlangt gewesen.

„Werder hatte fünf Riesen um die zwei Meter“

„Ballack war da wie jeder andere von uns“, kommentierte Mourinho die spielentscheidende Szene fatalistisch, „aber es gibt nun mal keine Wunder im Fußball. Wir hatten nur drei Kopfballspezialisten auf dem Platz - Ballack, Drogba, Terry -, Werder aber fünf Riesen um die zwei Meter.“ Das war zwar übertrieben, doch hatten die Bremer, allen voran ihr Längster, der 1,98 Meter messende Mertesacker, Vorteile bei den Zweikämpfen in luftiger Sphäre.

Ballack gehörte am Mittwoch zu den größeren Verlierern in einer Mannschaft, der von vornherein nachgesagt worden war, sie werde sich in Bremen nicht über die Maßen quälen - schon, um den Erzrivalen FC Barcelona zu ärgern, der als Champions-League-Titelverteidiger nun schon am 5. Dezember gegen Werder siegen muß, um noch im Achtelfinale dabeizusein. „Uns kann man nicht nachsagen, wir hätten nicht alles versucht, hier zu gewinnen“, stellte Kapitän Terry Zweiflern gegenüber klar. Michael Ballack beurteilte die Gemengelage von Bremen differenzierter: „Wenn man weiß, daß man mit diesem oder jenem Ergebnis weiterkommt, ist man irgendwie vorsichtiger.“ Ob er dabei von sich oder seinem Team gesprochen hatte, ließ er offen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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