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Champions League Bayern München wittert nach dem Sieg in Lyon Respekt

11.12.2008 ·  Nach dem 3:2 bei Olympique Lyon und Platz eins in der Gruppe der Champions League fühlen sich die Münchner international endlich wieder ernst genommen. Das ist fast noch wichtiger als die bisher eingespielten 9,6 Millionen Euro.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Ein kleiner Hinweis auf die Vergangenheit musste schon noch gestattet sein, fand Karl-Heinz Rummenigge. Es sei „einen Applaus wert“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München zu mitternächtlicher Stunde im Metropole-Hotel, „dass wir in der Höhle des Löwen gewonnen haben, in der wir schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben“.

Die aktuelle Mannschaft des Rekordmeisters, die sich mit dem 3:2-Sieg im letzten Vorrundenspiel der Champions League den angestrebten Gruppensieg sicherte, fühlte sich im „Stade Gerland“ allerdings gar nicht wie im Raubtierkäfig, schließlich war kein einziger Spieler bei der Schmach von 2001, als die Münchner 0:3 verloren hatten, dabei gewesen. Dieses Mal führte der FC Bayern schnell 3:0, weil die Löwen aus Lyon zunächst Schmusekatzen waren. Erst später fuhren sie ihre Krallen aus.

München besticht duch eine besondere Effizienz

Die Partie in Lyon spiegelt ein bisschen die Vorrunde wider, in der sich der FC Bayern häufig mit zwei Gesichtern präsentierte. Auf der einen Seite glänzte die Mannschaft mit attraktivem, temporeichem Offensivfußball, oft vorgetragen über die überragende linke Seite mit dem Franzosen Franck Ribéry und dem deutschen Verteidiger Philipp Lahm. Am Mittwoch bestachen die Münchner sogar obendrein durch eine besondere Effizienz. die wenigen Chancen nutzten Klose, Ribéry und noch einmal Klose zur souveränen 3:0-Halbzeitführung.

Champions League: Bayern wittert nach dem Sieg in Lyon Respekt

Auf der anderen Seite aber fehlt den Münchner noch immer die alte Souveränität. Schon zum vierten Mal kassierten sie nach komfortablem Vorsprung noch zwei Gegentore. Dabei waren sie einst Meister darin gewesen, Führungen zu verwalten, auch im vergangenen Jahr, als sie zwar oft gar nicht aufhören wollten mit dem Toreschießen, aber manchmal eben auch die Notwendigkeit einsahen, Kräfte zu sparen, und das dann höchst geschickt umsetzten.

Rummenigge: „Wir sind für alle kein Wunschgegner“

In Lyon hatte alles nach einem glanzvollen Auftritt ausgesehen, doch dann gelang Govou kurz nach der Pause der Anschlusstreffer, und die Münchner verhielten sich plötzlich in der eigenen Hälfte wie ein verschreckter Hühnerhaufen. Nachdem Benzema sogar noch das 2:3 geschossen hatte, geriet der Sieg ernsthaft in Gefahr, aber Torhüter Michael Rensing klärte zwei-, dreimal in brenzliger Situation. Dass die Bayern am Samstag zum Abschluss der Bundesliga-Vorrunde beim VfB Stuttgart antreten müssen, dort, wo es für die Mannschaft in den vergangenen Jahren nie besonders viel zu holen gegeben hatte, mag eine Erklärung für den Rückzug in die eigene Hälfte sein, aber nicht für die plötzliche Unordnung und die vielen Fehlpässe.

Hinterher spielte die zweite Halbzeit allerdings kaum mehr eine Rolle. Weil die Mannschaft das Klassenziel, Gruppenerster zu werden, erreichte, die Vorrunde mit vierzehn Punkten abschloss, so viele, wie sonst nur noch der FC Liverpool auf dem Konto hat, ließen die Verantwortlichen Milde walten und hoben die beeindruckende Gesamtvorstellung auf internationalem Parkett hervor. „Wir wollten auf Augenhöhe mit den europäischen Topteams. Das ist uns gelungen“, sagt Trainer Jürgen Klinsmann. Manager Uli Hoeneß findet den Auftritt der Bayern in Europa sogar „sensationell“. Dass dem Klub nun gleich im Achtelfinale Kaliber wie Chelsea London, der FC Arsenal und das renommierte, wenngleich derzeit schwächelnde Real Madrid drohen, stört die Münchner nicht. „Wenn man in Lyon gewinnt und in Florenz nicht verliert, dann haben die anderen auf alle Fälle auch Respekt vor uns“, sagt Manager Uli Hoeneß überzeugt. Und auch Rummenigge glaubt: „Wir sind für alle kein Wunschgegner.“

Der Geldsegen kommt dem FC Bayern gerade recht

Der so erfolgreiche internationale Auftakt bescherte den Bayern aber nicht nur einen Imagegewinn in Europa nach der einjährigen Zwangspause in der Champions League, sondern auch einen hübschen pekuniären Zuwachs. Allein aus Prämiengeldern gab es für den Tabellenzweiten der Bundesliga dank der vier Siege und der zwei Unentschieden in der Gruppenphase bisher schon 9,6 Millionen Euro. Dazu kommt noch eine üppige Summe aus dem mit 37,2 Millionen Euro gefüllten Pool des deutschen Marktes, der aber erst am Ende der Saison ausgeschüttet wird. Insgesamt verdiente der FC Bayern seit 1994/95, als die Gruppenphase mit 16 Mannschaften eingeführt wurde, in der Champions League über 250 Millionen Euro, allein der aktuelle Titelverteidiger Manchester United kassierte noch mehr.

Der Geldsegen kommt den Bayern gerade recht, denn Uli Hoeneß befürchtet, dass die weltweite Finanzkrise auch den Fußball schwer treffen könnte. Der deutsche Rekordmeister will darauf vorbereitet sein und sein Festgeld erst einmal zusammenhalten. Die Personalkosten werden allerdings kaum sinken, auch wenn die Münchner auf große Investitionen erst einmal verzichten wollen und sich lieber um ablösefreie Spieler wie den Hamburger Offensivmann Ivica Olic bemühen. Nationalspieler Bastian Schweinsteiger aber dürfte bei seinem neuen Vertrag, den er wohl in den nächsten Tagen unterzeichnen wird, auf eine nicht unerhebliche Gehaltserhöhung kaum verzichtet haben.

Olympique Lyon - Bayern München 2:3 (0:3)
Olympique Lyon: Lloris - Gassama (64. Källström), Mensah, Boumsong, Grosso - Toulalan, Makoun - Govou, Ederson (77. César Delgado), Mounier (64. Fred) - Benzema
Bayern München: Rensing - Oddo (90.+3 Breno), Demichelis, van Buyten, Lahm - Schweinsteiger (89. Altintop), van Bommel, Borowski, Ribéry - Toni, Klose (68. Ottl)
Schiedsrichter: Webb (England)
Zuschauer: 38.349
Tore: 0:1 Klose (12.), 0:2 Ribéry (34.), 0:3 Klose (37.), 1:3 Govou (52.), 2:3 Benzema (68.)
Gelbe Karten: Grosso, Gassama / Ottl, Lahm, van Bommel, Borowski

Quelle: F.A.Z.
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