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Cacau Vom Assistenten zum Vorgesetzten

22.06.2010 ·  Der fröhliche Cacau hat die Traumrolle des traurigen Gomez übernommen. Der Stuttgarter wird gegen Ghana für den gesperrten Klose spielen, wie der Bundestrainer bekanntgab. Gomez bleibt ein ungelöstes Rätsel.

Von Michael Horeni, Pretoria
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Cacau betritt das Podium, und noch bevor er das erste Wort sagt, nimmt er mit seinem Lächeln die Leute für sich ein. Cacau trägt eine Brille, sie lässt ihn älter und erfahrener wirken. Sie betont das ernsthafte Wesen, das der Stürmer neben seiner Fröhlichkeit pflegt. Und eines möchte Cacau mit einem Lächeln gleich zu Beginn klarstellen. Wie er genannt werden möchte. Es soll da wohl nichts schiefgehen, jetzt, wo sein Name in aller Munde ist und er am Mittwoch im Gruppenfinale gegen Ghana (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) erstmals von Beginn an bei der WM spielen dürfte.

Mit den Namen geht es nämlich derzeit bunt durcheinander. Da gibt es die Namen, die ihm gehören, aber auch diejenigen, die irgendwie dazugekommen sind. Claudemir Jeronimo Barreto sei okay, sagt er. Das ist sein Geburtsname. Maria da Silva, der auch öfter verwendet wird, aber bitte nicht. Der ist fälschlicherweise hinzugekommen. „Ihr könnt mich auch Cacau ansprechen“, sagt er den Reportern, „ihr müsst nicht Herr Cacau sagen.“

Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass es Cacau mit seiner gewinnenden Art geschafft hat, in wenigen Tagen zu einem deutschen Liebling zu werden. Er sagt zwei Tage vor dem Spiel gegen Ghana mit felsenfester Überzeugung, „dass es keinen Zweifel gibt, dass wir es schaffen“. Er wird dann gefragt, ob er überhaupt irgendwann mal die gute Laune verliert. Man müsse ihn mal nach einem verlorenen Spiel sehen, antwortet Cacau. „Aber die gute Laune verliere ich nur für kurze Zeit“, sagt er. „Ich will das Leben genießen, und ich möchte mich da auch nicht ändern.“

„Es war so, dass ich als Einwechselspieler nicht funktioniert habe“

Wer Cacau in diesen Tagen erlebt, den ewig lachenden Stürmer mit dem inneren Strahlen, kann ein paar Meter neben ihm auf dem Trainingsplatz auch sein Gegenbild entdecken. Es gehört Mario Gomez, dem Stürmer von der traurigen Gestalt, der in Südafrika nun erleben muss, wie der Platz, den er sich so gewünscht hatte, nun von Cacau besetzt wird, seinem früheren Assistenten.

Gomez leidet. Das sieht man ihm an. Genauso wie zuletzt beim FC Bayern. „Es war offensichtlich so, dass ich als Einwechselspieler nicht funktioniert habe. Das ist etwas, was ich hinbekommen muss“, sagte er vor der WM. „Auch wenn ich enttäuscht bin, dass ich nicht spiele, darf ich mich nicht runterziehen lassen. Wegen der Enttäuschung stimmte oft meine Körpersprache nicht.“ Er hatte sich vorgenommen, es bei der WM „allen zu zeigen“. Aber in Südafrika ist es wie bei Bayern: Er will, aber seine Körpersprache sagt: Ich kann nicht. Mit dem Endspiel um das Achtelfinale gegen Ghana ist der Höhepunkt einer Entwicklung erreicht, die kein Experte vorherzusehen wagte. Vor drei Jahren wurden Cacau und Gomez noch gemeinsam mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister.

Cacau war damals nur ein nützlicher Helfer des neuen Stars Mario Gomez. Jetzt ist er sein Vorgesetzter. Das muss hart sein für einen, der mal Fußballprofi des Jahres war, dem eine große internationale Karriere vorhergesagt wurde – und den sich der FC Bayern in der vergangenen Spielzeit die Rekordablösesumme in Höhe von 30 Millionen Euro kosten ließ. Vor zwei Jahren galt er als die große deutsche Hoffnung, man traute ihm die Tore für den Titel zu. Nur Ballack erschien damals noch größer. Aber dann verstolperte Gomez gegen Österreich den Ball fast auf der Torlinie. Seitdem hat er in der Nationalmannschaft nichts mehr zustande gebracht, und wenn man Gomez fragte, ob das eine traumatische Erfahrung war, dann widersprach er kaum.

„Es ist noch nicht so gut gelaufen wie zuletzt im Training“

Für Gomez droht nach der Europameisterschaft 2008 nun auch das wichtigste Turnier zu einer Enttäuschung zu werden. Nach dem 0:1 gegen Serbien, in dem Gomez ebenso eingewechselt wurde wie beim 4:0 gegen Australien, ist der Stürmer nicht mehr zu sprechen. Interviewanfragen blockt er ab, nach der Niederlage am vergangenen Freitag in Port Elizabeth schlich er wortlos zum Bus.

Das letzte Mal war von Gomez nach dem Sieg gegen Australien etwas zu hören. Aber schon nach dem Sieg wirkte er arg enttäuscht. Nichts lief, wie er sich das gedacht hatte. „Kurz bevor ich reingekommen bin, habe ich gesehen, wie Cacau sein Tor macht. Da habe ich mir das natürlich auch vorgenommen. Aber es ist noch nicht so gut gelaufen wie zuletzt im Training.“

„Er ist der Einzige, der sich wohl nicht so weiterentwickelt hat“

Seit dem auch persönlichen Rückschlag gegen Serbien hat Löw den Münchner mit keinem Wort mehr erwähnt. Andere Fußballexperten, die keine Rücksichten nehmen müssen wie der Bundestrainer, haben ihr Urteil längst gefällt. „Von allen Einwechselspielern hat mich Mario Gomez am meisten enttäuscht“, sagte Günter Netzer nach der Niederlage. „Er ist am weitesten weg von einem Platz im Sturm. Da hilft nicht einmal mehr die Hoffnung. Er drängt sich nicht auf. Er will zu wenig.“

Schon nach der Premierensaison beim FC Bayern, in der Gomez trotz zehn Treffern nicht überzeugte, urteilte Franz Beckenbauer kühl: „Wenn ich den Kader so durchgehe, muss ich sagen: Er ist der Einzige, der sich wohl nicht so weiterentwickelt hat wie der Rest der Mannschaft.“ Und der Kaiser bekannte seine ganze Ratlosigkeit: „Gomez ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.“ Ein Rätsel, das auch der Bundestrainer bisher nicht lösen kann.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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