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BVB-Verteidiger Subotic „England als Traum - aber es eilt nicht“

 ·  Neven Subotic ist eine Fels in der Dortmunder Innenverteidigung: Im Interview spricht er über Zusammenhalt, die Scheu beim BVB vor dem Wort Meisterschaft und Trainer Klopp als seinen Entdecker.

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© dapd Mann mit Zielen: Neven Subotic träumt von der Weltkarriere

Sie haben einen LKW-Führerschein. Wofür brauchen Sie den?

Es ist kein richtiger LKW-Führerschein, aber ich darf jetzt auch Autos bis 7,5 Tonnen fahren. Ich brauche diese Fahrerlaubnis, damit ich im Urlaub ein richtig großes Wohnmobil fahren darf.

Sie machen Camping, obwohl Sie sich die teuersten Hotels leisten könnten?

Manchmal schon. Letzten Sommer bin ich mit drei Kumpels in den Süden gefahren, über die Schweiz und Italien bis nach Kroatien. Es war sehr warm und das Meer nur ein paar Meter von unserem Campingplatz entfernt. Wir haben jeden Tag gegrillt. Das war herrlich, mal was anderes.

Nicht nur im Urlaub sind Sie viel unterwegs. Als Serbe in Bosnien-Hercegovina geboren, sind Sie mit ihren Eltern nach Baden-Württemberg geflohen, später in die Vereinigten Staaten übergesiedelt und mit siebzehn Jahren nach Deutschland zurückgekehrt. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Ich weiß natürlich, wo ich herkomme. Viele meiner Verwandten wohnen noch in Bosnien-Hercegovina. Ich habe dort nur ein Jahr verbracht. Meine Eltern und meine Schwester leben in den Vereinigten Staaten. Aber ich sehe meine Heimat hier in Dortmund. Hier komme ich hin, wenn ich nach Hause gehe.

Ihr Talent wurde in den Vereinigten Staaten eher zufällig entdeckt. Wie kam es dazu?

Ich habe mit meinem Vater auf einer Wiese im Park gekickt, nur so zum Spaß. Da kam zufällig ein Nachwuchstrainer der amerikanischen U-17-Auswahl vorbei, und ich habe ihn gefragt, ob ich mal mittrainieren darf. Er hat mich zum Probetraining eingeladen und dann in die Akademie aufgenommen. Dort gab es vierzig Plätze für Jugendnationalspieler, ich war der einundvierzigste, aber ich brauchte zum Glück keinen Internatsplatz, weil meine Eltern ganz in der Nähe wohnten. Also durfte ich bleiben. Der Trainer, der mich damals entdeckt hat, war übrigens letzte Woche noch in Dortmund und hat sich unser Spiel angesehen.

Ihre Geschichte erinnert an die berühmte Tellerwäscherkarriere.

Ja, so ungefähr war es. Ich wollte es unbedingt mit dem Fußball probieren. Aber vorher habe ich in Amerika auch verschiedene andere Jobs gemacht. Gekellnert habe ich zwar nicht, aber ich habe Klaviere transportiert und sie dann im Konzertsaal oder bei den Leuten zu Hause aufgebaut. Auch als Gärtner habe ich gearbeitet.

Wie sind Sie in den Profifußball gekommen?

Als ich mit der Jugendnationalmannschaft auf Tour war, hat mich in Holland ein Berater angesprochen, ob ich Lust hätte, es in Europa zu versuchen. Damals war das für mich ein verrückter Gedanke. Ich wollte natürlich gerne, fand es aber unrealistisch. Ich war siebzehn, und die Jugendlichen hier hatten doch eine viel bessere Ausbildung, dachte ich. Aber der Berater sagte, ich hätte das Zeug zum Profi, und arrangierte ein Probetraining bei Mainz 05. Jürgen Klopp hat gefallen, was er da von mir gesehen hat. Also bekam ich einen Amateurvertrag, der bald in einen Profivertrag umgewandelt wurde.

Was haben Sie Trainer Klopp zu verdanken?

Er hat mich in Mainz angenommen und mir einen Supereinstieg ermöglicht. Es war am Anfang nicht einfach als so junger Spieler in einer Profimannschaft, zudem begann meine Karriere in einem Abstiegsjahr. Aber Kloppo hat mir Mut gemacht und mich gefördert. Er hat ein Potential in mir erkannt, das sonst wenige gesehen haben.

Gemeinsam mit Mats Hummels bilden Sie in Dortmund die beste Innenverteidigung der Bundesliga. Wen sehen Sie als unangenehmsten Gegenspieler an?

Cissé, der bis vor kurzem für Freiburg gespielt hat. Er verkörpert alles, was ein Fußballspieler braucht: Er ist kreativ, schnell und hat eine hervorragende Technik. Dazu sieht er jede Lücke. Auch Claudio Pizarro ist sehr gefährlich. Der ist zwar nicht so schnell wie Cissé, dafür aber umso erfahrener. Pizarro weiß, wohin der Ball kommt, und steht meist richtig. Er braucht nur eine halbe Chance, um ein Tor zu schießen.

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Apropos Stürmer und Tore. Wie fühlt man sich als Abwehrspieler, wenn die Angreifer so viele Möglichkeiten vergeben wie in letzter Zeit Ihre Dortmunder Kollegen?

Man kann in 99 Prozent der Spiele mehr Tore schießen, als es tatsächlich der Fall ist. Aber solange die Jungs mit nach hinten arbeiten und uns Verteidigern helfen, ist alles gut. Hauptsache, wir gewinnen. Dafür reicht manchmal auch ein Tor. Aber mehr Treffer sind natürlich erwünscht, damit wir nicht zu zittern brauchen. Es ist aber auch nicht so leicht, wie es aussieht, ich kenne das aus dem Training: Wenn man aufs Tor schießt, merkt man, dass es nicht immer so groß ist, wie es scheint.

Warum ist das Wort Meisterschaft in Dortmund so verpönt?

Wir haben in der vergangenen Saison immer von Spieltag zu Spieltag gedacht und sind gut damit gefahren. Wir sind noch immer eine junge Mannschaft und wollen uns nicht selbst zu stark unter Druck setzen.

Ist das nicht ein wenig albern? Der BVB ist Meister, Tabellenführer und hat bis zum Spiel heute beim 1. FC Köln seit zwanzig Spielen nicht mehr verloren.

Nein, das ist nicht albern. Ob wir darüber sprechen oder nicht, es ändert nichts an unserem Tabellenplatz oder an unserer Situation. Sollten wir wirklich wieder Meister werden, kann danach immer noch jeder von uns das in viertausend Interviews erklären.

Ob der Titelgewinn sich wiederholen lässt oder nicht: Manch ein Dortmunder Spieler weckt das Interesse noch berühmterer Vereine. Die Begehrlichkeiten werden größer, die Vertragsverhandlungen schwieriger. Kann sich das negativ auf den Zusammenhalt auswirken?

Wenn ein Spieler das Angebot eines anderen Vereins annimmt, respektieren wir das. Als Nuri Sahin zum Beispiel zu Real Madrid ging, gab es kein böses Wort von irgendjemandem in der Mannschaft. Nuri war ein Bruder von uns, der sich einen Traum erfüllen wollte.

Die Spieler sind wie Brüder - ist diese Sicht nicht ein wenig zu romantisch?

Auf dem Platz sind wir tatsächlich wie Brüder. Deshalb muss, wie in einer Familie, nicht jeder gleich der beste Freund des anderen sein. Mit manchen Spielern versteht man sich mehr, mit anderen weniger. Aber wenn wir Fußball spielen, kämpft jeder für Borussia Dortmund - und für seinen Nebenmann. Auch das macht uns so erfolgreich.

Sie sind 23 Jahre alt, welches Land ist Ihr nächstes großes Ziel - nicht mit dem Wohnmobil, sondern als Fußballspieler?

England ist mein Traum, den will ich mir irgendwann erfüllen. Aber das eilt nicht. Der Verein hier wächst parallel zu meiner Entwicklung. Ich will nicht den Fehler machen, zu früh zu wechseln, sondern erst, wenn ich reif dafür bin.

Das Gespräch führte Richard Leipold.

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