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BVB-Torwart Weidenfeller Klassiker ohne Lobby

Roman Weidenfeller ist der beste Nicht-Nationaltorwart der Welt. Ohne ihn stünde der BVB vielleicht gar nicht im Finale der Champions League am Samstagabend.

© dpa „Another grandios saison“: Roman Weidenfeller genießt die Wertschätzung seines Trainers Jürgen Klopp

Wenn Fußballprofis von Borussia Dortmund ihre Verträge verlängern, sagen sie meist, sie wollten der Erfolgsgeschichte des Revierklubs weitere Kapitel hinzufügen. Knapp drei Wochen vor dem Champions- League-Finale gegen Bayern München einigte sich Roman Weidenfeller mit seinem Arbeitgeber darauf, dass er als Autor weiter zur Verfügung steht, für mindestens drei Jahre. „Nach den letzten Monaten und speziell nach den Emotionen der Meisterjahre gab es für mich kein Zögern“, sagt der Torhüter. „Was beim BVB in den vergangenen Jahren entstanden und gewachsen ist, ist eine einzigartig positive Fußball-Geschichte, an der ich auch in Zukunft maßgeblich mitschreiben will.“

Weidenfeller wird nicht erst im Finale von London Geschichtsträchtiges erleben. Seit mehr als zehn Jahren im Klub hat er in Abgründe geblickt, sportliche wie wirtschaftliche, bevor der große Aufschwung kam, an dem er maßgeblichen Anteil besitzt. Der Torhüter gehörte schon zur Mannschaft, als das börsennotierte Fußball-Unternehmen 2005 knapp der Insolvenz entging und zwei Jahre später dem (sportlichen) Abstieg aus der Bundesliga. „Und jetzt haben wir das größte Finale erreicht, das es im europäischen Vereinsfußball gibt“, sagt Weidenfeller. Dieser Erfolg sei „das Tüpfelchen auf dem i einer verrückten Entwicklung“. Mit verrückten Entwicklungen kennt er sich aus; sie ziehen sich durch seine Karriere.

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Von seinem Vorgänger Jens Lehmann hat Weidenfeller viel gelernt, wie er sagt. Dessen Nachfolger wurde er jedoch „nur“ in Dortmund. Für Bundestrainer Joachim Löw und dessen Vorgänger Jürgen Klinsmann ist Weidenfeller als Nationaltorwart nie in Frage gekommen, nicht einmal als Nummer drei. Nach dem Abtritt der Generation Kahn/Lehmann sah der BVB-Torwart erst Robert Enke und René Adler, dann Manuel Neuer, der inzwischen als Nummer eins unumstritten ist, später den Veteranen Jörg Butt und schließlich Nachwuchskräfte wie Ron Robert Zieler, Marc-Andre ter Stegen oder Bernd Leno an sich vorbeiziehen.

Je älter, desto besser

Weidenfeller war schon immer überaus ehrgeizig, also hat es ihn mächtig geärgert, vom Bundestrainer über Jahre hinweg ignoriert zu werden. Mit der Zeit hat er aber eine gewisse Routine darin entwickelt, das für ihn unerfreuliche Thema Nationalmannschaft professionell-diplomatisch zu behandeln. Kritiker werfen Weidenfeller vor, er sei noch ein Vertreter der alten Schule und kein „spielender Schlussmann“ gemäß der modernen Torwart-Lehre.

Borussia Dortmund's goalkeeper Weidenfeller saves in front of Real Madrid's Ronaldo during their Champions League semi-final second leg soccer match at Santiago Bernabeu stadium in Madrid © REUTERS Vergrößern Weidenfellers Widerstand: Glanzparade gegen Ronaldo in Madrid

Allerdings kann niemand bestreiten, dass der 32 Jahre alte Profi mit seinen Leistungen eine Torwart-Regel mit Leben füllt, die seit langem überliefert ist: Je älter, desto besser - daran ändert auch seine Rote Karte bei der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim nichts, die ihn ein Bundesligaspiel in der neuen Saison, aber selbstredend nicht das Finale in der Königsklasse kostet.

Widerstandskraft in Madrid

Im Halbfinalrückspiel gegen Real Madrid etwa trug er mit seiner Widerstandskraft wesentlich dazu bei, dass es zum ersten deutsch-deutschen Finale in der „Königsklasse“ kommt. Weidenfeller strahlt mit seiner Erfahrung nicht nur Ruhe aus; er hat sich in den Jahren des Dortmunder Aufschwungs handwerklich und charakterlich weiterentwickelt. Das erkennen auch Berufskollegen anderer Klubs an. Sogar aus Richtung des Dortmunder Erzrivalen kam ein freundlicher Gruß. Timo Hildebrand, Torhüter des FC Schalke 04, hält die Teilnahme am Champions-League-Finale auch für den verdienten Ausgleich dafür, dass Weidenfeller bei Löw außen vor bleibt.

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 1:2 © dpa Vergrößern Pech gegen Hoffenheim: Rote Karte für Weidenfeller

Der BVB-Torwart mag seine Arbeit zwischen den Pfosten noch so gewissenhaft und inzwischen auch sozialverträglich erledigen - Nationalspieler wird er wohl selbst dann nicht mehr werden, wenn Dortmund das Londoner Endspiel gewinnen sollte. Dafür ist Weidenfeller schon jetzt der beste Nicht-Nationaltorwart der Welt. Sollte der BVB in Wembley tatsächlich als Sieger vom Platz gehen, könnte er seinen berühmten Ausspruch aus dem Vorjahr auch in den englischen Sprachraum hinaustragen und abermals feststellen: „I think we have a grandios Saison gespielt.“

Quelle: F.A.S.

 
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