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BVB-Geschäftsführer Watzke "Das Team wird nur noch 24 Millionen kosten"

16.03.2005 ·  BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im F.A.Z.-Interview über die sportlichen und finanziellen Perspektiven von Borussia Dortmund.

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im F.A.Z.-Interview über die sportlichen und finanziellen Perspektiven von Borussia Dortmund.

Die Insolvenz von Borussia Dortmund ist abgewendet. Wie haben Sie als Geschäftsführer das gefeiert?

Als wir zurück in Dortmund waren, habe ich mit unserem Vereinspräsidenten Reinhard Rauball zwei Bier getrunken. Der Tag war zu anstrengend, um ausgiebig zu feiern. Uns hat ja niemand geglaubt, daß wir keinen Plan B hatten, aber wir hatten ihn wirklich nicht.

Nun steht das Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga an. Wird der BVB auch diese Hürde nehmen?

Wir haben jetzt wieder eine stabile Basis. Das stimmt mich zuversichtlich. Wir haben am Dienstag morgen fristgerecht die Unterlagen bei der DFL eingereicht.

Aber es fehlt noch ein Beschluß der Stadt Dortmund. Auch die Stundung von fünf Millionen Euro Gewerbesteuer ist Teil des Sanierungsplans.

Ja, der Rat entscheidet am kommenden Donnerstag darüber. Wir haben von allen Fraktionen belastbare Aussagen, daß sie zustimmen werden. Auch der Haushalts- und Finanzausschuß hat sich dafür ausgesprochen. Das ist intern gar keine Frage mehr.

Zu den Voraussetzungen für die Lizenzerteilung gehört auch der Bau eines Trainingsgeländes, das den Statuten der DFL genügt. Hinzu kommen Umbaumaßnahmen, die das Westfalenstadion weltmeisterschaftstauglich machen. Haben Sie das Geld dafür?

Wir verhandeln mit mehreren potentiellen Investoren, die Gespräche sind weit gediehen. Es gibt deutliche Absichtserklärungen. Aber wir haben noch keine Baugenehmigung.

Es heißt, der BVB habe die Genehmigungsbehörde nicht gerade zur Eile gemahnt, weil das Geld fehlte.

Das ist definitiv nicht so. Uns liegt daran, für die Mannschaft so schnell wie möglich ordentliche neue Trainingsbedingungen zu schaffen.

Gehören Transfererlöse, etwa für Tomas Rosicky, zum Sanierungsplan?

Definitiv nein. Wir haben solche Erlöse ebenso wenig eingeplant wie Einnahmen aus einem internationalen Wettbewerb. Das heißt nicht, daß wir nicht den einen oder anderen Spieler verkaufen. Aber wir werden nicht hinnehmen, daß die Mannschaft geschwächt wird. Wir wollen im nächsten Jahr erfolgreich spielen.

Was heißt erfolgreich?

Möglichst weit weg von den Abstiegsrängen und möglichst nah am internationalen Wettbewerb.

Sie wollen mehr Erfolg für weniger Geld?

Wir werden den Lizenzspieleretat in der kommenden Saison auf 28,5 Millionen reduzieren, für die folgenden Jahre bis 2009 wird die Mannschaft nur noch 24 Millionen kosten. Der Markt kommt uns dabei entgegen.

Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, bemängelt, daß der BVB eine Lizenz für die aktuelle Spielzeit erhalten hat. Die Schieflage sei absehbar gewesen.

Solche Behauptungen muß ich entschieden zurückweisen. Obwohl ich Herrn Bruchhagen als Person schätze, habe ich dafür kein Verständnis.

Aber um die Liquidität zu sichern, brauchen Sie doch dringend neun Millionen Euro von einem Festgeldkonto, das bisher zur Sicherung des Stadionrückkaufs verpfändet war. Hat die BVB-Geschäftsführung die DFL über alles informiert?

Dieses Geld brauchen wir, das ist Teil des Sanierungsplans. Aber wir benötigen die neun Millionen erst für die Zeit nach dem 30. Juni, um die Sommermonate zu überbrücken. Bis zum Ende dieser Spielzeit wären wir auch ohne Zugriff auf das Festgeldkonto zahlungsfähig gewesen.

Die Anleger des Immobilienfonds, dem 94 Prozent der Anteile an der Westfalenstadion KG gehören, haben ein klares Votum für den Sanierungsplan abgegeben. Hatten Sie zwischendurch dennoch die Sorge, Insolvenz anmelden zu müssen?

Ja. Ein Anwalt mit dreitausend Stimmen hatte uns noch am Freitag gesagt, er werde gegen das Sanierungskonzept stimmen. Das war eine schwere Hypothek. Letztlich konnten wir ihn in stundenlangen Gesprächen davon abhalten. Am Sonntag abend hat er uns versichert, daß uns nicht alle diese Stimmen auf die Füße fallen. Auch die Versammlung selbst hatte eine eigene Dynamik. In den ersten drei Stunden war die Stimmung beinahe feindselig. Wir hatten von Anfang an befürchtet, daß die Diskussion rückwärtsgewandt geführt wird. So war es zunächst auch, aber nach drei, vier Stunden merkten wir, daß die Wortbeiträge zukunftsgerichteter wurden.

Wenn ihr Geschäftsführerkollege Michael Meier im Saal gewesen wäre, wäre es vermutlich noch emotionaler zugegangen.

Das wäre wohl so gewesen.

Meiers Vertrag läuft Ende Juni aus. Ist er noch tragbar für den BVB?

Darüber zu befinden ist nicht meine Aufgabe. Das entscheidet der Präsidialausschuß.

Wollen Sie denn weiter mit Meier zusammenarbeiten?

Das ist hier kein Wunschkonzert. Ich habe kein Problem mit Michael Meier, wir arbeiten professionell zusammen.

Was unternehmen Sie, um die Glaubwürdigkeit des BVB wieder zu erhöhen?

Wir werden künftig die Bezüge der leitenden Angestellten offenlegen. Aktuell beziehe ich aber noch kein Gehalt von der KGaA, bis zum Ende des Geschäftsjahres arbeite ich unentgeltlich, das ist mein Beitrag zur Sanierung.

Die Fragen stellte Richard Leipold.

Quelle: Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 16. März 2005
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