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Bundestrainer Löw Knallharter Verteidiger

 ·  Der Bundestrainer verteidigt mit Herz und Verstand seine Spieler. Den Populisten aus Publizistik und Politik hält er starke Argumente und stille Verachtung entgegen.

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© REUTERS Umgeben von Führungskräften: Bundestrainer Löw

Joachim Löw hatte sich nach der schweren Niederlage bei der Europameisterschaft mehr als sechs Wochen zurückgezogen, und eine der interessanteren Fragen während dieser Selbstfindung lautete: Was für ein Bundestrainer kehrt nach der scharfen Kritik an ihm und seiner Mannschaft auf die Bühne zurück?

Als Löw am Montag seine gut zwanzigminütige Rede voller Ernst und Engagement gehalten hatte - wie man sie in dieser Form von keinem Bundestrainer gehört hat und die man getrost eine große Rede nennen kann -, weiß die Fußballnation sehr genau, mit wem sie es bis zur WM 2014 in Brasilien zu tun haben wird: mit einem leidenschaftlich für seine Spieler und Überzeugungen kämpfenden Löw.

Mit aller Vehemenz trat Löw für den Weg und die Werte ein, mit denen er seit Sommer 2004 zunächst mit Jürgen Klinsmann und seit sechs Jahren als verantwortlicher Bundestrainer den deutschen Fußball vorangebracht hat. Wenn aber, wie nach der EM geschehen, genau die Dinge, die jahrelang den sportlichen Aufschwung und den Ansehensgewinn der Nationalmannschaft nach innen und außen begründeten, als Gründe für den Misserfolg angeführt werden, dann kann man dabei zusehen, wie aus dem netten Herrn Löw ein knallharter Bundestrainer wird, der sich kompromisslos vor seine Spieler stellt und sein sportliches Lebenswerk mit der ganzen Autorität seiner jahrelang erfolgreichen Arbeit verteidigt.

Bestens präparierter Bundestrainer

Der Bundestrainer, der konzentriert jeden zentralen Punkt der wochenlangen Diskussionen aufarbeitete, zeigte vor dem Neustart gegen Argentinien dabei eine seiner großen Stärken: Er präsentierte sich bestens präpariert - so wie ansonsten seine Mannschaft, außer wenn sie gegen Italien spielt. Der Bundestrainer rechtfertigte sich aber auch nicht in dieser Sache. Er erklärte seine umstrittenen Entscheidungen beim 1:2 souverän. Demütig, wie er selbst sagte, wirkte er dabei zwar nicht, aber auch nie von oben herab. Sein Plan gegen Italien ging eben schief. Daraus werde er seine Schlüsse ziehen und lernen, sagte Löw. Mit der sportlichen Kritik, so versicherte der Bundestrainer, habe er kein Problem.

Als es aber um seine Spieler ging, schaltete der Bundestrainer auf Angriff - man kann für Löw-Verhältnisse von einer Wutrede sprechen. Mehr öffentliche Verärgerung hat sich der stets kontrollierte Bundestrainer bisher nie gestattet, mehr ist wohl auch kaum zu erwarten. Was Löw den Populisten aus Publizistik und Politik an starken Argumenten und stiller Verachtung entgegenhielt, die seine Nationalspieler als „Memmen“ verhöhnten und diejenigen mit ausländischen Wurzeln wie vaterlandslose Gesellen ins Abseits stellten, weil sie die Nationalhymne nicht mitsingen, war mit nichts weniger als seiner sportlichen und sportpolitischen Grundsatzerklärung verbunden.

In der Nationalmannschaft, darauf besteht der Bundestrainer, gibt es keine Memmen, sondern Führungsspieler, Siegertypen und eine funktionierende Hierarchie. Und die Fans spürten und wüssten das auch, denn zu Verlierertypen wären sie wohl kaum seit Jahren auf die deutschen Fanmeilen geströmt. Dass man bei den Spielern mit Migrationshintergrund in der Hymnendiskussion unterschwellig den Vorwurf heraushöre, sie seien keine guten Deutschen, nannte Löw fatal. Der Bundestrainer hat mit viel Herz und Verstand seine Nationalmannschaft verteidigt - er tat das mit einer Kraft und Überzeugung, die in diesen Tagen auch einem DFB-Präsidenten gut angestanden hätte.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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