Die erste Hürde auf dem Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft hat die deutsche Nationalmannschaft mit dem 6:0 in Liechtenstein locker genommen. Doch es werden schwerere Gegner kommen. Bundestrainer Joachim Löw sprach nach dem Erfolg von Vaduz über den treffsicheren Podolski und den torlosen Klose sowie die Aufgabe am kommenden Mittwoch in Finnland (19.35 Uhr / Live im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker).
Wie fällt Ihr Fazit nach dem klaren Sieg in Liechtenstein aus?
Das Spiel hatte den Charakter eines Pokalspiels in der ersten Runde. Man weiß, dass gerade die vermeintlich Kleinen den Willen aufbringen, den größeren Mannschaften ein Bein zu stellen. Ich habe vor dem Spiel gesagt: So, wie die Einstellung sein wird, so wird auch das Ergebnis ausfallen. Wir sind mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen. Wir hätten nur in der ersten Halbzeit das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen. In der zweiten Halbzeit haben wir unmittelbar das 2:0 gemacht und dann nachgelegt. Wir haben hier mit 6:0 gewonnen. Ich glaube, Liechtenstein hat die letzten Jahre in dieser Höhe zu Hause nicht verloren. Ich denke, mit dem ersten Schritt Richtung WM-Qualifikation können wir zufrieden sein.
Die Mannschaft hat drei Tore aus Standardsituationen erzielt, aber auch nur drei aus dem Spiel heraus. Können Sie damit zufrieden sein?
Naja, sonst wirft man uns manchmal vor, dass wir zu wenig aus unseren Standards machen. Heute hat es geklappt. Wir hatten eine Vielzahl an Möglichkeiten. Der Spielfluss war in Ordnung. Wir wussten, Liechtenstein ist ein anderes Kaliber als San Marino: Schweizer Trainer, Schweizer Organisation, Schweizer Ausbildung, defensiv sehr gut und kompakt sowie zweikampfstark.
Vier Stürmer sind zum Einsatz gekommen, aber in Lukas Podolski hat nur einer getroffen. Stellt Sie das vor ein Problem?
Also, Mario Gomez und Kevin Kuranyi haben nicht so lange gespielt. Sie hatten trotzdem noch die eine oder andere Möglichkeit. Miroslav Klose hatte in der ersten Hälfte eine große Chance. Es wäre sicherlich für ihn und sein Selbstbewusstsein gut gewesen, wenn er sie verwertet hätte. Aber er hat viel gearbeitet. Ich denke, es wird bei ihm kommen. Mich stellt das nicht vor ein Problem. Ich weiß, dass Gomez, Kuranyi und auch Klose Stürmer mit viel Torinstinkt und Qualitäten sind. Auch sie werden wieder ihre Treffer erzielen.
Wie hat Ihnen Lukas Podolski gefallen, gerade auch im Zusammenspiel mit Piotr Trochowski?
Vorwiegend über unsere linke Seite haben wir gut gespielt. Lahm/Trochowski waren schon im Länderspiel gegen Belgien ein gutes Paar. Das haben sie bestätigt. Gerade Piotr Trochowski hat noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat mehr Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Er setzt immer mehr um, was er bei uns schon länger im Training gezeigt hat, aber nie so richtig im Spiel. Und Lukas Podolski hat den Grundstein gelegt mit den ersten beiden Toren. Beide Tore waren klasse herausgespielt. Wenn Lukas so aus der Bewegung kommt, ist er nur schwer aus dem Spiel herauszunehmen.
Was sagt dieses Spiel aus im Hinblick auf die Partie in Finnland?
Schwierig. Spielerisch sind wir schon in der Lage, gegen Mannschaften, die defensiv eingestellt sind, nicht kick-and-rush spielen zu müssen, nicht durch Quergeschiebe und Rückpässe den Gegner stark zu machen. Sondern wir sind in der Lage, schnell nach vorne zu spielen. Finnland wird natürlich viel schwieriger. Die Finnen haben international erfahrene Spieler. Das Spiel wird sehr über den Kampf und über die Einsatzfreude laufen. Wir werden aber versuchen, dort so offensiv zu spielen wie hier und auch das Spiel zu gewinnen.
Nach der Auswechslung von Klose fielen noch einige Tore. Passt er derzeit nicht so in das Gefüge?
Klose passt bei uns schon ins Gefüge. Er ist ein Stürmer mit internationalem Format und wird seine Form auch wieder finden. Es war klar, dass die Moral und der Widerstand des Gegners nach dem 2:0 ein bisschen gebrochen ist. Die Tore wären auch mit Klose gefallen.
Wird die Mannschaft in dieser Formation auch in Finnland auflaufen?
In großen Zügen wahrscheinlich schon. Aber es ist auch möglich, dass man das eine oder andere überdenkt. Wir werden mal sehen, wo die Finnen besonders gut sind. Dann wird man sich überlegen, welche Maßnahmen zu treffen sind. Aber im Großen und Ganzen wird die Mannschaft so spielen. Sie hat jetzt zweimal gespielt und überzeugt.
Tore
Werner Neustock (altego)
- 07.09.2008, 21:01 Uhr