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Zweite Bundesliga Sammelsurium der Superlative

09.08.2007 ·  Unterhaus, Unterbau - früher gab es nur hässliche Synonyme für die zweite Fußball-Liga. Das war einmal. Inzwischen ist das neue Gesicht der Klasse geprägt von Klubs und Typen, die ihrem Selbstverständnis nach erstklassig sind.

Von Uwe Marx
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Fußball-Unterhaus, Unterbau - in den vergangenen Jahren haben sich nur hässliche Synonyme für die zweite Liga durchgesetzt. Es sind Wörter aus einer Zeit, in der diese Spielklasse als Zumutung, als Strafe galt. Wer etwas auf sich hielt, wollte hier nie hin oder - wenn er schon mal da war - so schnell wie möglich wieder weg.

Ganz so schlimm ist es nicht mehr. Vor der Saison 2007/2008, die an diesem Freitag beginnt (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker), hat sich vielmehr eine Verteidigergruppe gebildet, die ohne Widerspruch und ohne die Gefahr, ausgelacht zu werden, ein Hohelied auf die zweite Liga anstimmt. Als deren Sprecher könnte sich Bruno Labbadia bewerben, der neue Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth. Der frühere Nationalspieler und Bayern-Angreifer sagt, dass demnächst "die stärkste zweite Liga aller Zeiten" starte. Und dass diese mit vielen ersten Ligen auf der Welt mithalten könne. Nun sind Konkurrenten wie der VfL Osnabrück, SC Paderborn oder Carl Zeiss Jena sicher nicht dazu angetan, einen erfahrenen Profi wie Labbadia derart zum Schwärmen zu bringen. Er hatte allerdings anderes im Sinn.

Ein Ausschnitt aus dem Who's who

Das neue Gesicht der zweiten Liga nämlich, geprägt von Vereinen, die ihrer Vergangenheit und ihrem Selbstverständnis nach erstklassig sind: Borussia Mönchengladbach, Alemannia Aachen, Mainz 05, die drei Bundesliga-Absteiger, dazu der 1. FC Köln, SC Freiburg, 1. FC Kaiserslautern, München 1860. Eine Liste, die sich wie ein Ausschnitt aus dem Who's who des deutschen Erstligafußballs liest. Mit den entsprechenden Personen und Geschichten dahinter.

Es ist ein Sammelsurium der Superlative: Hier begegnen sich der fernsehkompatibelste Trainer Deutschlands (ZDF-Experte Jürgen Klopp von Mainz 05), einer der skandalerprobtesten (Christoph Daum vom 1. FC Köln) und der weltmeisterlichste (Japan-Rückkehrer Guido Buchwald in Aachen), dazu der unbekannteste Profiverein des Landes (Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden), der unsicherste Klub (der SC Freiburg nach 16 Jahren Volker Finke), der "alternativste" (Aufsteiger St. Pauli), außerdem der reichste und spendabelste Geldgeber im deutschen Fußball (Milliardär und SAP-Gründer Dietmar Hopp vom ehrgeizigen Aufsteiger TSG Hoffenheim). Die Liste ließe sich fortsetzen. Sogar ein vergleichsweise glamourfreier Verein wie TuS Koblenz hat sich seine Attraktion geleistet - in Person von Mario Basler, der Cheftrainer Uwe Rapolder assistiert.

Nichts zu verlieren

Claus-Dieter Wollitz, der Trainer des Aufsteigers VfL Osnabrück, sagte bereits: "Wir spielen in WM-Stadien und gegen große Vereine, wir haben nichts zu verlieren." Das klang erwartungsfroh und ehrfürchtig zugleich. Gladbach wird gleich am ersten Spieltag in einem WM-Stadion spielen dürfen. Gegner Kaiserslautern erwartet bei seiner Heimpremiere 40.000 Zuschauer. Knapp fünf Millionen Menschen kamen in der vergangenen Spielzeit in die Stadien der Zweitligavereine, etwa 15.000 pro Spiel - ein Spitzenwert, der in dieser Saison vermutlich noch einmal übertroffen wird.

Mit durchschnittlich 38 000 Zuschauern pro Spiel war der am Aufstieg gescheiterte 1. FC Köln 2006/2007 zumindest in dieser Kategorie Spitzenreiter. Auch hier ist eine Steigerung wahrscheinlich. Die Zahlen korrespondieren mit der Bilanz und den Erwartungen des Fernsehpartners DSF, der Spiele der zweiten Liga live überträgt und mit Quoten und Reichweite zufrieden ist.

Klopp: kein Verhängnis

Bei derart prominenten Gegnern und zu erwartenden Einnahmen ist auch die zweite Liga vermittelbar, Aufstiegsehrgeiz hin oder her. Die Kölner zum Beispiel haben trotz geringerer Fernseheinnahmen einen - von ihren Konkurrenten unerreichten - Saisonetat von 40 Millionen Euro und wissen inzwischen, dass ein Jahr in der zweiten Liga die Lebensfähigkeit des Vereins nicht mehr in Frage stellt. Diese Liga sei kein Verhängnis, sagt auch Jürgen Klopp. Natürlich bleiben Partien gegen die Bayern, Bremen oder Schalke das Ziel.

Allerdings sind die Verhältnisse in der höchsten Spielklasse zementiert, Vereine wie Freiburg, Mainz oder Aachen stehen mit ihren Standortnachteilen ohnehin immer mit einem Bein in der zweiten Liga. Sie haben keine WM-Stadien mit entsprechenden Einnahmemöglichkeiten und können sich in der Bundesliga nur behaupten, wenn sie außergewöhnlich gut arbeiten und günstige Umstände hinzukommen. Im Wissen um die latente Gefahr des Scheiterns lässt es sich für die Pendler zwischen den Ligen inzwischen auch in der zweiten Klasse gut leben.

Quelle: F.A.Z., 09.08.2007, Nr. 183 / Seite 29
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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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