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Zlatan Bajramovic : Ein Eintracht-Profi im Praxistest

Bisher als Langzeitverletzter im Wartestand: Zlatan Bajramovic Bild: dpa

Nach drei Operationen und 14 Monaten Pause zieht Zlatan Bajramovic Kraft aus seinem Einsatz gegen Leverkusen – und steigt mit Schwung ins Training bei der Frankfurter Eintracht ein.

          Welch wundersame Wendung. Am 11. Januar noch schien alles aus und vorbei zu sein. Enttäuscht und frustriert verfolgte Zlatan Bajramovic von einer portugiesischen Tartanbahn aus den Kick der Kollegen gegen Rot-Weiß Oberhausen. Gerne hätte der Fußballprofi der Frankfurter Eintracht aktiv mitgeholfen, den Zweitligaklub im Rahmen des Wintertrainingslagers an der Algarve 4:1 zu schlagen. Doch ein abermaliger Rückschlag an seinem lädierten rechten Zeh machte alle Hoffnungen und Träume auf eine Rückkehr zunichte. „Noch auf Schalke habe ich unter Schmerzen gespielt“, sagte Bajramovic. „Man kann schon ein bisschen verzweifeln. Aber ich gebe nicht auf.“

          Ein löbliche Einstellung, denn der Bosnier hat tatsächlich die Kurve bekommen. Beim jüngsten 1:1 gegen Bayer 04 Leverkusen gab ihm Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel die Chance, endlich wieder erstklassig Fußball zu spielen. Der Einsatz währte zwar nur knapp zwei Minuten. Doch aus diesen 120 Sekunden schöpft der 29 Jahre alte Bajramovic Kraft und Mut für kommende Prüfungen. Dass sie kommen werden, steht außer Frage. Funkel hat sehnsüchtig auf das Comeback des von ihm geförderten Allrounders gewartet. „Zlatan ist ein klasse Spieler, ein echter Führungsspieler.“ Einer, für den sie bei der Eintracht gerne das Risiko eingegangen sind, jemanden zu verpflichten, ohne die Garantie zu haben, dass er überhaupt wieder erstklassig Fußball spielen kann. „Als wir ihn von Schalke geholt haben, waren wir uns dieser Problematik sehr wohl bewusst“, sagte Funkel. Doch weil der Transfer nach Eintracht-Angaben finanziell kein Risiko gewesen sei und Funkel von den Qualitäten des von ihm hochgeschätzten Mittelfeldspielers überzeugt war, wechselte er nach Frankfurt und unterzeichnete sogar einen bis zum 30. Juni 2011 gültigen Arbeitsvertrag.

          „Toll, wie er die anderen anspornt und anfeuert“

          Schon Mitte der vergangenen Woche, in der Bajramovic fleißig im Kreise der Kameraden beim Mannschaftstraining mitwirkte, war klar, dass der Familienvater im Kader für die Auswärtspartie in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen stehen würde. „Ein überwältigendes Gefühl“ sei es allein gewesen, schon wieder zum erweiterten Spielerkreis zu gehören. Dass Funkel auf Bajramovic setzen würde, war erwartet worden. Schließlich konnte der Bosnier mehr oder weniger schmerzfrei trainieren. Und vor allem die Art und Weise, wie sich Bajramovic im Übungsalltag präsentierte, imponierte seinem Trainer. „Toll, wie er die anderen anspornt und anfeuert. Er muntert auf und ist immer nur optimistisch.“

          21. März 2009: Dieses Datum, das Bajramovic’ Rückkehr auf die Bühne Bundesliga markiert, sollte man sich merken. Denn die Zeitspanne, in der der variabel einsetzbare Mittelfeldspieler nicht unter Wettkampfbedingungen seiner spielerischen Arbeit nachgehen konnte, ist groß. Am 15. Dezember 2007 hat man Bajramovic letztmalig in einer Bundesligapartie gesehen – im königsblauen Dress des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg. In der Folge war der Bosnier nach drei Zehenoperationen insgesamt vierzehn Monate außer Gefecht gesetzt. Immer wieder gab es Rückschläge und Selbstzweifel, wie zuletzt unter portugiesischer Sonne zu Jahresbeginn und in der Folgezeit wegen eines im Frankfurter Tagesgeschäft erlittenen Muskelfaserrisses. Doch Bajramovic gab nicht auf. Beharrlich glaubte er fest an die Fortsetzung seiner Karriere. „Die Kinder und die Ehefrau haben in der Zeit für das Glück gesorgt“, sagte der in Dreieich-Sprendlingen heimisch gewordene Profi.

          „In seiner Heimat ist er eine große Persönlichkeit“

          Funkel, der noch vor Tagen gesagt hatte, „dass Zlatan genau der Typ ist, der uns momentan einfach fehlt“, kann endlich wieder auf Bajramovic setzen. Noch nicht als Stammkraft. Doch die Hoffnung, dass sich der Bosnier über weitere Kurzeinsätze nach und nach an Tempo, Geschwindigkeit und Härte der Bundesliga gewöhnt, ist gegeben. In der bundesligafreien Zeit bekommt Bajramovic jetzt sogar die Chance, international für sein Heimatland am Ball zu sein. Für die beiden Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele von Bosnien-Herzegowina gegen Belgien am 28. März und 1. April ist der Eintracht-Profi trotz langer Verletzungspause nominiert. „In seiner Heimat ist er eine große Persönlichkeit“, sagte Funkel geradezu schwärmerisch. „Schön, wenn er nun weitere Spielpraxis bekommen würde“, sagt er.

          Der Eintracht-Trainer plant derweil mit weiteren Einsätzen des Routiniers. Gegen den FC Energie Cottbus, der sich am 4. April in der Frankfurter Arena zu einer wegweisenden Partie um Punkte im Kampf gegen den Abstieg vorstellt, dürfte Bajramovic sein 130. Bundesligaspiel absolvieren. Für den Bosnier, der sich selbst als „Straßenfußballer“ sieht, eine weitere Etappe auf dem angestrebten Weg zurück zu alter Stärke.

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