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Wirtschaftskrise Der Profifußball wird sparsam

19.12.2008 ·  Winterpause ist Einkaufszeit in der Bundesliga - nicht so in Zeiten der Finanzkrise. Nun wird um deie Verteilung der Fernsehgelder gekämpft. Jeder will ein größeres Stück vom Kuchen. Dabei liegt sogar ein leicht bizarrer Vorschlag auf dem Tisch.

Von Roland Zorn
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Die Politik legt Konjunkturprogramme auf, um die Konsumbereitschaft in Zeiten der Wirtschaftskrise zu stimulieren; der deutsche Profifußball aber tendiert zu mehr Sparsamkeit. Ein Jahr nach dem Winterpausen-Ausgabenrekord von rund 47 Millionen Euro für 45 neue Spieler gibt sich die Bundesliga kurz vor der einmonatigen Öffnung des Transferfensters im Januar zurückhaltend beim Thema Investitionen. Peter Peters, Geschäftsführer des FC Schalke 04 und Vizepräsident des Ligaverbandes, prophezeit, „dass das Angebot höher sein wird als die Nachfrage, und das führt im Kern zu sinkenden Preisen“.

Die 36 Klubs der beiden deutschen Profiligen gehen mit der gesamtwirtschaftlich ernsten Situation, übertragen auf ihren Geschäftsbetrieb, vorsichtig um. „Die meisten Verantwortlichen“, sagt Peters, „handeln sehr vernünftig und vorausschauend und reagieren rechtzeitig auf veränderte Konstellationen.“

„Wir werden sonst irgendwann die Zeche zahlen müssen“

Das Prinzip Planbarkeit bei den Liga-Budgets wird auch am Sonntag im Mittelpunkt der Erörterungen eines von Peters geleiteten Arbeitskreises stehen, in dem über den Verteilerschlüssel bei den Auszahlungen aus den neuen Fernsehverträgen beraten wird. Die Honorare für die vier Spieljahre 2009/10 bis 2012/13 belaufen sich dann im Schnitt auf 412 Millionen Euro pro Saison und liegen damit etwas höher als in dieser Spielzeit. Da die Honorare aber progressiv steigen, beginnt der neue Fernseheinnahmenzyklus mit einem Minus gegenüber dem Ist-Zustand: 386 Millionen Euro für die Serie 2009/10 statt wie derzeit 409 Millionen Euro für diese Saison.

Von diesem immer wieder so genannten „Kuchen“ möchte mancher Großklub prozentual gesehen mehr haben als bisher. Die Münchner Bayern vorneweg, für die der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge mit dem Blick auf den internationalen Wettbewerb den Anwalt der Spitzenvereine gibt. „Ich mahne die Deutsche Fußball Liga (DFL) an, mehr für die Topklubs zu tun. Wir werden sonst irgendwann die Zeche zahlen müssen.“

Vorsichtige Unterstützung für Verteilerschlüssel

In diese Richtung zielt auch ein allerdings leicht bizarrer Vorschlag von Hans-Joachim Watzke, dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Er hat im „Kicker“ gesagt: „Es kann nicht sein, dass die großen Traditionsvereine wie Bayern, HSV, Schalke, Stuttgart, Bremen oder wir quasi für die Folklore zuständig sind und mit ihren Millionen von Fans dafür sorgen, dass die Liga boomt, und die Klubs, die Großkonzernen gehören wie Wolfsburg, Leverkusen oder Hoffenheim, den Rahm abschöpfen. Insofern sollte beim neuen Verteilungsschlüssel nicht nur der sportliche Erfolg ein Kriterium sein, sondern auch, was ein Verein für das boomende Gesamtkunstwerk Bundesliga leistet.“

Vorsichtige Unterstützung für einen leicht modifizierten Verteilerschlüssel, der zwischen erster und zweiter Liga im Verhältnis achtzig zu zwanzig liegt, hat Jürgen Ludger Born, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Werder Bremen, signalisiert. „Ich verstehe die Bayern bis zu einem gewissen Grad. Auch wenn Solidarität über allem steht, muss die Leistung des einzelnen doch berücksichtigt werden.“

Sorgen vor wegbrechenden Einnahmen wachsen in der Liga

Auf neue Lockerungsübungen bei der Verteilung der Fernsehmillionen will sich Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, erst gar nicht einlassen. Das Ligavorstandsmitglied ist dafür, auch in Zukunft „alles so zu lassen, wie es ist, denn wenn wir untereinander Schlachten schlagen, liefern wir unseren Partnern Argumente, sich von uns abzuwenden“. Ihm zur Seite steht Roland Kentsch, Geschäftsführer bei Arminia Bielefeld, einem der kleineren Erstligaklubs. Das Aufsichtsratsmitglied des Ligaverbandes sagt: „An der Grundkonstruktion der Fernsehgelderverteilung darf nicht gerüttelt werden.“

Über das hinaus, was die Liga selbst verteilen muss, wachsen an den Bundesliga-Standorten die Sorgen vor wegbrechenden Einnahmen. So machen mehrere Klubs keinen Hehl daraus, dass sie mit rückläufigen Sponsorengeldern im Zeichen der Rezession rechnen und auch die Auslastung der Logen und Businessseats in den Arenen demnächst nicht mehr so eindrucksvoll wie bisher sein könnte. Selbst Veränderungskündigungen zwecks Gehälteranpassung an die Adresse der Spieler, die bisher die Dauerprofiteure in jeder Wirtschaftslage waren, sind hier und da nicht mehr ausgeschlossen. „Ich mache doch keine Schulden“, sagt ein Liga-Manager, „im Angesicht einer Entwicklung, die auch für uns nicht ungefährlich ist.“

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